Interimstrainer Huberts Albers:  Situation nicht dramatisch, aber gefährlich

SC Willingen zwischen Abstiegskampf und Blick nach vorn

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Kein Neuer, ein Rückkehrer: Hubertus Albers – hier beim Testspiel seiner Mannschaft im kalten Altwildungen – hat beim SC Willingen seit gut zwei Wochen wieder das Sagen als Trainer. 

Willingen. Neuer Trainer, neues Stadion: große Veränderungen für die Fußballer des SC Willingen. Nach der selbst ins Rollen gebrachten Entlassung von Uwe Schäfer nur wenige Tage vor dem Start der Vorbereitung auf die Restrunde wartet jetzt der Alltag. 

Der klassenhöchste Waldecker Verein will mit Interimscoach Hubertus Albers, unterstützt von Bernd Keindl, möglichst schnell ins gesicherte Mittelfeld der Tabelle. Der 54-Jährige Albers, der die Upländer 2011 zurück in die Verbandsliga geführt hatte, appelliert an den Teamgeist und will den neuen Schwalefelder Kunstrasen zu einem Heimvorteil machen. Ein kurzer Rückblick und längerer Ausblick.

Die Ausgangslage

Der SC Willingen ist mit 22 Punkten Tabellenzwölfter, gleichauf mit dem SV Neuhof auf dem ersten möglichen Abstiegsplatz. Allerdings haben die Upländer bis zu vier Spiele weniger ausgetragen als die Konkurrenz – und damit auch den nur vier Zähler entfernten sechsten Rang, den sie in der Vorsaison (mit 52 Punkten) belegten, im Blick. „Die Situation ist nicht dramatisch“, sagt Albers, „aber gefährlich.“

Die Bestandsaufnahme

Als Hauptgrund für die Entlassung von Uwe Schäfer wurde zu lasches Training und damit mangelnde Fitness angeführt. Damit will sich Albers, auch wenn er die meisten Spiele der Hinrunde gesehen hat, nicht beschäftigen. Er konzentriert sich auf das, was er bei seiner ebenso überraschenden wie kurzfristigen Berufung vorgefunden hat. Das sind Spieler, die gut acht Wochen Winterpause hinter sich haben, nur locker in der Halle gekickt und einige wenige Turniere gespielt haben. „Da ist es doch klar, dass es einen Konditionsverlust gibt.“

Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. „Man hat schon gemerkt, wer was für sich gemacht hat“, sagt Albers. Klar ist für ihn aber auch: „Natürlich kriegen wir die Mannschaft bis zum Start fit.“ Dabei stützt er sich auf den von Schäfer erarbeiteten Plan. Die stets auf vier Wochen begrenzte Vorbereitung brandmarkten Verantwortliche und Spieler zuletzt als zu kurz. Für Albers ist das ebenfalls kein Gesprächsthema – er muss damit auskommen.

Das Training

Das Training spielt sich nach dem Auszug aus dem Hoppecketal meist im neuen Stadion in Schwalefeld ab. „Wir müssen uns an den neuen Kunstrasen gewöhnen“, sagt Albers, „und wir müssen möglichst schnell wieder ein Zuhause-Gefühl bekommen.“ Mit Konditionsarbeit am Ball. Zusätzliche Einheiten, über die Bernd Keindl nachgedacht hat, wurden bislang nicht eingeflochten. Sie sind offenbar auch nicht nötig.

„Die Jungs ziehen voll mit“, so Albers. Müssen sie auch, sie stehen nach der von ihnen forcierten Ablösung des Ex-Trainers nun in der Pflicht. „Sie sind gefordert“, weiß der neue Übungsleiter, „ich bin gefordert, alle sind gefordert.“

Stramme Personaldecke

Sorgen bereitet dem 54-jährigen Coach die von seinem Vorgänger stets stramm aufgezogene Personaldecke. „Ich finde, wir haben einen zu kleinen Kader.“ 18 Mann zählt er, mit dabei der Langzeitverletzte Philipp Ullbrich und zwei Torhüter. „Und ein, zwei Verletzte gibt es während der Runde immer, dann wird das schon eng.“ 12, 13 Spieler regelmäßig im Training sind da schon eine gute Quote.

In der Winterpause hat der erst im Sommer aus Brilon gekommene Youngster Giovanni Struijk den Verein aus beruflichen Gründen mit unbekanntem Ziel verlassen. Dafür wirken die Innenverteidiger Christian Pohlmann nach seiner Kreuzbandverletzung und der im November am Knie operierte Steffen Butterweck wieder voll mit.

Für den noch fünf Spiele gesperrten Stammkeeper Yannick Wilke steht weiter der Bottendorfer Alessandro Casella zur Verfügung. Der 35-jährige Ex-Torwart des FC Ederbergland ist Stammgast im Training.

Matthias Bott zwickt die Leiste, er soll aber nach vielen Laufeinheiten möglichst diese Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Sorgen macht noch René Huneck, der nach der Ende August erlittenen Knieverletzung an seinem Comeback arbeitet. Auf dem derzeit gefrorenen, sehr harten Kunstrasen braucht sein lädiertes Knie immer wieder Pausen. „Aber ich bin auf einem guten Weg“, hofft der Mittelstürmer vielleicht schon am 24. Februar beim Auftakt in Kassel wieder auf der Bank zu sitzen. „Wir werden ihn behutsam aufbauen“, will Albers nichts überstürzen.

Taktische Ausrichtung

Aufbauen will Albers auf das von Schäfer entwickelte hohe taktische Niveau. „Die Mannschaft kennt die Spielsysteme, weiß, was sie zu tun hat, egal, ob wir im 4-2-3-1 oder 4-4-2 auflaufen.“ Der neue Mann an der Linie will sie ebenso flexibel anwenden wie sein Vorgänger.

Das Umschaltspiel soll weiter der Schlüssel zum Erfolg sein. „Man muss ja nicht alles umdrehen und man hat gesehen, dass die Willinger immer Punkte geholt haben, wenn sie schnell nach vorne gekommen sind.“ Das gelang in der Hinrunde insgesamt zu selten, Mit 25 Treffern steht der SCW im Torranking nur auf Platz 13. Zehn „Buden“ gingen auf das Konto von Florian Heine, dahinter kommt Max Ullbrich nur auf vier Tore – genau so viele weist der seit August verletzte Huneck vor.

Vielleicht helfen da die Worte des neuen Trainers, zu seinen aktiven Zeiten in Landes- und Oberliga ein gefürchteter Knipser: „Wenn man die Möglichkeit hat, ein Tor zu machen, dann muss man das Tor auch mit letzter Konsequenz wollen.“ Fahrlässiger Umgang mit den Chancen ist ihm zuwider.

Stand der Vorbereitung

In den ersten beiden von vier Testspielen war Albers durchaus zufrieden. Vor allem mit der Torausbeute beim 4:2 in Erlinghausen und beim 5:2 in Bad Wildungen. „Aber auch da haben wir noch Chancen liegen gelassen.“ Verlass ist auf die Defensive. Auch wenn die jeweils zwei Gegentreffer zuletzt den Trainer gestört haben, sagt er: „Da müssen wir nicht groß experimentieren.“ 22 Tore hat der SCW bislang kassiert, die fünftbeste Quote in der Verbandsliga, allerdings bei ein paar Spielen weniger als die Konkurrenz. Für die Viererkette bietet sich mit den Rückkehrern Butterweck und Pohlmann sowie Tobias Schumann, Eric Kroll, Trainersohn Jan-Niklas und Raphael Mütze gleich ein halbes Dutzend Akteure an. Ansonsten hat Albers keine großen Möglichkeiten zum Ausprobieren, bei den Testspielen hatte er nur zwei, drei Spieler auf der Bank.

Die Zielsetzung

Der Trainer geht die restlichen 16 Spiele optimistisch an, „die Qualität ist auf jeden Fall vorhanden“. Dabei fordert er, was jeder Trainer fordert: „Wir müssen an einem Strang ziehen, sonst funktioniert das nicht.“ Mit neuer Geschlossenheit sollen die nötigen Punkte zum Klassenverbleib geholt werden. Am besten gleich am 25. Februar im Gastspiel beim Drittletzten Hessen Kassel II. Albers: „Ich hoffe, dass wir nicht mit leeren Händen zurückkommen.“ 

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