Die Formel zum Klassenerhalt

TSV Altenlotheim: Einfacher und dreckiger zum Erfolg

Robin Wissemann, Spielertrainer des TSV Altenlotheim (links), und Marc-André Garthe beim Torjubel, rechts ein Spieler des TSV Hertingshausen
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Nicht nur Freude (wie hier über ein Tor beim 4:1 gegen Hertingshausen) gab es für den TSV Altenlotheim in bisher elf Spielen. Trainer Robin Wissemann (links, mit Marc-André Garthe) sieht Luft nach oben, ist aber nicht unzufrieden.

Sie machen ihr Ding beim TSV Altenlotheim. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass viele Spieler – auch die nicht ortsansässigen – den Klub vom Oberbach als Spieladresse so schätzen.

Altenlotheim – Robin Wissemann hat jedenfalls eine „außergewöhnlich gute Stimmung“ in der Mannschaft ausgemacht. „Ich glaube, deshalb ist der TSV Altenlotheim einfach etwas Besonderes, deshalb können sich auch Neuzugänge sehr leicht integrieren“, meint der spielende Trainer, den es selbst nach den Stationen Ederbergland, Vellmar und erneut Ederbergland wieder ins Kellerwalddorf zurück zog.

Dort ist der 28-Jährige seit Sommer 2019 Coach und Offensiv-Allrounder und darf mit dem bisher Erreichten zufrieden sein: Der souveräne Aufsteiger ist Zwölfter der Gruppenliga Kassel 1; hauchdünn vor den Abstiegsrängen. „Durchwachsen mit viel Licht und Schatten“ – so stufte Wissemann selbst die bisherigen elf Saisonspiele ein, die zwölf Punkte (3/3/5) einbrachten.

Er begründet das mit den vielen Spielen, die knapp ausgingen, „in denen wir die Punkte oft leichtfertig hergeschenkt haben. Auf einen guten folgte oft ein nicht so guter Auftritt“, so der Trainer. Auch Verletzungen hätten sich ausgewirkt. Der straffe Terminplan aufgrund der Corona-Lage taugt nur bedingt als Argument, da der Terminstresse teils selbst gewollt war. „Der Pokalwettbewerb, den wir sehr ernst genommen haben, kam als Mehrbelastung noch dazu. Aber da wurden wir mit dem Finale, in dem wir jetzt stehen, belohnt“, meint Wissemann. Der Polizeibeamte kann auch den meist knappen Ergebnissen Positives abgewinnen; die Erkenntnis, in der Gruppenliga mithalten können.

„Wir spielen noch zu unausgewogen“

Dass sich der Aufsteiger dabei meist nicht den Spielstil des Gegners aufdrücken lässt, sondern auch sein Ding macht, spricht für die Philosophie des TSV. „Sehr gut gefällt mir auch, dass wir immer versuchen, unseren Fußball zu spielen, egal wie der Gegner heißt“, sagt Wissemann. Er hat aber auch die Kehrseite dieses selbstbewussten Auftretens ausgemacht: „Wir spielen noch zu unausgewogen. Wir sind uns noch oft zu schade, den Ball mal weit zu schlagen, um uns einfach zu befreien und dadurch auch mehr Tiefe ins Spiel zu bekommen.“

Einige spielerisch eher schwächere Gegner seien mit einfachsten Mitteln gegen sein Team erfolgreich gewesen, so der Coach. Die Formel, die seine Elf lernen soll: „Manchmal einfacher, dreckiger und erfolgsorientierter spielen“. Ob die Schwarz-Weißen noch die Chance erhalten, diesen Lernprozess anzugehen, wird sich zeigen. Wie allerorts gibt es auch am Oberbach keine Hellseher, ob und wann die Saison weitergeht. „Der hessische Fußballverband macht kein Geheimnis daraus, dass zumindest die Hinrunde gespielt werden soll und diese auch gewertet wird. Wir versuchen, uns einigermaßen fit zu halten und hoffen darauf, dass wir so zeitnah wie möglich wieder Fußball spielen dürfen“, sagt Wissemann. Sein Team würde den Re-Start mit unverändertem Kader angehen, es gibt keinerlei personelle Veränderungen.

Fünf Spiele in der Hinrunde stehen aus

Kommt es zum „Nur die Hinrunde zählt“-Szenario, muss Altenlotheim noch fünf Begegnungen absolvieren. Die Gegner: Mengeringhausen, Bad Wildungen/Friedrichstein, Mengsberg, Felsberg, Neuental. Für Wissemann sind das „schwere und wichtige Spiele“ gegen teilweise direkte Konkurrenten, die gemischte Gefühle beim TSV-Coach auslösen: „Es ist zum einen eine große Chance, frühzeitig den Abstand nach unten auszubauen und sorgenfrei zu sein, zum anderen das Risiko, mehr oder weniger schnell eingeholt zu werden.“

Gleichwohl bleibt er vorsichtig optimistisch, da man alles in eigener Hand habe: „Wir haben noch drei Heimspiele, dazu ein Derby in Bad Wildungen, für das es keine extra Motivation braucht.“ Gerade zu Hause wollen die Altenlotheimer noch einiges gutmachen, wünschen sich daher, dass die Runde weitergespielt wird – und dass dabei die für sie wichtigen Fans auch zugelassen sind.

Bis eine Rückkehr auf den Platz möglich ist, heißt es auch beim TSV: Beim Training ist jeder selbst seines Glückes Schmied. „Wir haben einen Plan zur Orientierung rausgegeben, der aus Konditions- und Stabilitätsübungen besteht“, sagt Wissemann, Kontrollen gibt es keine. Der Übungsleiter vertraut seinen Akteuren. Er weiß: In Altenlotheim macht schon jeder sein Ding. (bb)

Fotostrecke: Szenen aus der „Corona-Saison“ der Gruppenliga

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