27-Jährige "kann nicht ohne Fußball"

Europameisterin Jennifer Cramer kämpft um Platz in einem neuen Verein

+
Zuletzt nur Zuschauerin: Jennifer Cramer, hier beim Spiel des DFC Allendorf gegen die SG Freiensteinau. 

Sie ist seit Juli 2018 ohne Vereine. Aber Jennifer Cramer ist eine Kämpferin und will ihren Traum nicht einfach aufgeben.

„Ich habe mit fünf Jahren mit dem Fußballspielen angefangen, mein Traum war es immer, Profi zu werden und in der Nationalmannschaft zu spielen. Und da will ich auch wieder hin“, sagt Jennifer Cramer aus Birkenbringhausen. „Ich kann jetzt nicht einfach aufhören, ohne es noch einmal probiert zu haben. Da geht noch was. Ich habe das mein ganzes Leben lang gemacht und ich kann nicht ohne den Fußball“, so die 27-Jährige.

Bis dahin lief sie für Turbine Potsdam auf, war Stammspielerin der deutschen Nationalmannschaft, mit der sie 2013 Europameisterin wurde – doch seit 2015 folgte Verletzung auf Verletzung, die schließlich auch zum Vertragsende führten. 

Turbine bot ihr an, in der Reserve zu spielen. „Das war für mich sofort gegessen. Ich habe zehn Jahre für den Verein gespielt und dann werde ich wegen einer Verletzung fallen gelassen? So geht man nicht mit einem Sportler um und so hätte ich für Turbine auch gar nicht mehr spielen wollen“, sagt Cramer.

Cramers Problem mit Trainer Rudolph

Mit dem Trainerwechsel 2016 von Bernd Schröder zu Matthias Rudolph fand sie immer weniger Berücksichtigung in der Stammelf. Schröder hatte zuvor stets auf Cramer gebaut, sein Nachfolger sortierte sie mehr oder weniger aus. „Nach dem Wechsel wurde ich nicht mehr berücksichtigt. Ich hatte bei ihm keine Chance mehr, zwischen uns hat es nicht funktioniert. Der Trainer hatte mit mir ein Problem und dann kam auch noch die Verletzung hinzu, das hat es nicht einfacher gemacht“, sagt Cramer.

Aber wieso hatte Rudolph ein Problem? „Ich bin jemand, der offen und ehrlich seine Meinung sagt, nicht nur mit der Masse geht, sondern auch mal gegen den Strom schwimmt – und das kommt im Fußball nicht immer gut an. Und damit kam auch mein Trainer nicht klar." Eine Aussprache zwischen den beiden gab es nicht: „Ich habe ihn direkt gefragt, was für ein Problem er mit mir hat. Aber ich habe keine Antwort bekommen.“

Mittlerweile schaut Cramer, die 2019 ihr fünfjähriges Studium zur Polizeikommissarin abgeschlossen hat, nach vorn. Sie hat das Vergangene abgehakt und will es noch einmal wissen.

Vom Polizeidienst freigestellt

Dafür hat sie sich sogar für zwei Jahre vom Polizeidienst freistellen lassen und lebt von ihren Rücklagen. In der Sportfördergruppe ist sie nicht mehr, da sie vereinslos ist. „Ich möchte mich sportlich noch einmal ran kämpfen, nur auf den Fußball konzentrieren und wieder richtig einsteigen. Ich weiß, dass ich es noch kann und das will ich zeigen.“

Lange Zeit war sie auf sich gestellt, musste allein trainieren, seit zwei Monaten richtet sie sich nach einem Plan. „Den habe ich von einem Verein bekommen, mit dem ich in Gesprächen bin und bei dem ich eigentlich auch schon längst hätte spielen sollen. Doch leider hat mir die Coronakrise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Vereine tun sich schwer, jemanden zu nehmen, der schon so lang raus ist wie ich. Allerdings konnte ich die Zeit jetzt super nutzen, um noch einmal fitter zu werden, und ich hoffe, dass ich dann zur neuen Saison beim neuen Verein einsteigen kann.“

Schließlich hat sie schon vor Wochen beim Probetraining gezeigt, dass sie es noch kann. „Ich war 2013 Europameisterin, habe 2015 bei der Weltmeisterschaft mitgespielt und danach ging die Misere los. Dadurch habe ich einiges verpasst – auch die Olympischen Spiele. Ich habe einfach das Gefühl, noch nicht alles erreicht zu haben, und das spornt mich an.“

Einschränkungen wegen des Knies hat sie nicht mehr. Auch Sponsor Puma steht weiterhin hinter ihr. „Da bin ich sehr dankbar, mit tollen Fußball- und Laufschuhen ausgestattet zu werden.“ Und zur neuen Saison weiß Cramer auch, wie ihr Weg verlaufen wird. „Dann heißt es hopp oder top. Dann muss ich langsam wieder bei einem Verein einsteigen.“  (frg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare