Die Daten hinter dem Scheitern: Es ist einfach keiner da 

Warum Markus Straßer vergeblich Schiedsrichter sucht

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Die Zukunft des Fußballs auf dem Dorf?

Korbach. Fußballvereine müssen Unparteiische stellen, sonst stehen sie beim nächsten Anpfiff ohne da. Das kriegen sie seit Jahr und Tag gesagt. Auch Matthias Henkelmann stimmte bei der Wintersitzung des Waldecker Fußballs die bekannte Klage an.

Zwar blieb auch in dieser Saison bisher kein Pflichtspiel unbepfiffen, aber das wohl nur, weil sich einzelne Kameraden bis zu drei Begegnungen je Wochenende antaten. Der Kreisschiedsrichter-Obmann fragte aber unverblümt, ob sie nicht des Guten zu viel getan hätten.

Den aktuellen Anlass für Henkelmanns nicht nur rhetorisch gemeinte Frage bot die Zahl von bloß sieben Meldungen für den laufenden Neulingslehrgang. Zwar lassen sich tatsächlich elf Anwärter schulen. „Aber die retten uns nicht aus dem Minus“, sagte der Ehringer und folgerte: „Es kann so nicht weitergehen. Wir können das nur gemeinsam anpacken, aber ihr müsst die Leute suchen.“

Wie die Leute locken?

Vielleicht hatte Markus Straßer auf das Stichwort gewartet. Jedenfalls war der Vorsitzende des FC Affoldern vorbereitet. Straßer hat gesucht. Vergeblich, natürlich. Aber er hat es nicht dabei belassen, sein Scheitern vorzutragen. Straßer hat die Daten dahinter zusammengetragen. Die demografische Krise Schwarz auf Weiß, wie sie auf viele Orte in Affoldern-Größe (485 Einwohner) zutrifft. Es lohnt sich, sie zu referieren.

Der Verein:150 Mitglieder hat der FCA (Altersschnitt: 52,9 Jahre), davon 105 männliche, von denen wiederum 18 im Schiri--kompatiblen Alter zwischen 18 und 40 sind. Aktiv ist von ihnen nur einer.

Die Fußballer: Sieben aktive Spieler hat Affoldern, einer spielt für den FCA in der SG Edertal, die anderen in der Umgebung oder weit entfernt.

Die Jugendlichen: 32 männliche Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 18 Jahren leben in Affoldern. Vier spielen Fußball beim FCA (einer ist Jugendbetreuer), vier bei anderen Vereinen, zwei sind zum Handball gewechselt, vier weggezogen, sechs sind Ehemalige. Sie haben ebenso kein Interesse mehr am Fußball oder andere Hobbys wie die übrigen zwölf.

"Kann nicht überall so aussehen"

„Ich weiß nicht mehr, wen ich noch ansprechen soll“, sagte Straßer mit Blick auf diese Zahlen. Dabei kämpfen die Vereine nicht nur um Schiedsrichter. „Wir haben sicher alle Schwierigkeiten, die Mannschaften voll zu bekommen. Ich weiß nicht mehr, wie ich die jungen Spieler noch locken soll.“

Matthias Henkelmann ist lange genug im Geschäft, um Straßers Wort nicht einfach so stehen zu lassen. Er lobte elequent das Engagement des Vereinschefs – und animierte dann die anderen zum Nachmachen. Bestimmt würden sie Kandidaten finden: „Es kann nicht in jedem Ort so aussehen.“ Foto: pr

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