Hasecke treibt Sorge um die Qualität des Jugendtrainings um 

Warum ist das Interesse an Fortbildungen im Fußball eher  gering?

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Männer, die auf Bälle starren: Lehrreferent Martin Wagner (links) in einer Schulung bei der Arbeit.

Korbach. Auf der Terminliste, die er mitgebracht hat, macht Björn Hasecke drei Haken und vier Striche. Sie stehen für stattgefunden und abgesagt. Die Striche sind es, die Hasecke umtreiben. Sie signalisieren ihm ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, er fragt sich, warum das so ist.

Hasecke (36) ist Jugendbildungsbeauftragter im Fußballkreis Waldeck. Zusammen mit Jugendfußballwart Joachim Schmolt und Lehrreferent Martin Wagner kümmert er sich schwerpunktmäßig um Aus- und Fortbildung von Frauen und Männern, die den Fußball-Nachwuchs anleiten, oder um Ehrenamtliche, die für Sportvereine arbeiten. Der Job bereitet ihm aktuell mehr Frust als Freude.

Da war zuletzt der verbandsweite „Tag der Qualifizierung“, das Thema: Funiño. Das Kunstwort setzt sich zusammen aus Fun (Spaß) und Niño (Kind), dahinter steht, grob gesagt, ein Übungskonzept, das allen Kindern, egal wie talentiert oder leistungsfähig sie sind, Spaß am Fußball bringen soll. Eine Spielform gegen zu frühe Selektion. „Das ist richtig geil für die ganz Kleinen“, sagt Hasecke, der selbst als Trainer im Mädchenfußball langjährige Erfahrung mitbringt. Nur: Seine Meinung teilten im Landkreis nicht so viele.

In den meisten Kreisen läuft's

Lediglich sieben Jugendtrainer oder -trainerinnen meldeten sich, und zwar aus Waldeck und Frankenberg. Zu wenig, um das Mindestsoll zu erfüllen. „In 27 von 31 Kreisen hat das stattgefunden, bei uns nicht. Ich finde es traurig: Man bietet was an und es kommt nichts“ sagt Hasecke.

Auf zu wenig Nachfrage stießen außerdem gleich vier sogenannte Kurzschulungen – kompakte Einführungen in ein bestimmtes Thema bis zu einer Dauer von vier Stunden. Hasecke und Co. musste „4 gegen 4 im Kinderfußball“ und „Ich spiele im Feld, ich spiele im Tor“ für die Zielgruppe Bambini bis E-Junioren ebenso streichen wie zwei Angebote für Vereinsmitarbeiter mit dem Fokus auf der Gewinnung von Ehrenamtlichen sowie auf Haftungs- und Satzungsfragen. Futsal-Lehrgänge werden mittlerweile erst gar nicht mehr anberaumt. Es käme eh kaum einer. Dabei wäre das alles gratis zu haben.

"Die Kinder richtig fördern"

Hasecke und seine Mitstreiter sorgen sich um die Qualität der Jugendarbeit und darum, dass immer noch zu viele Kinder bei falschem, zu früh an Leistung orientiertem Training auf der Strecke bleiben. „Die bezahlten Trainer sollten eigentlich im Jugendbereich arbeiten“, sinniert der 36-Jährige vom SV Buchenberg und betont: „Mir geht es darum, dass die Kinder richtig gefördert werden und die Trainer wissen, was sie tun.“ Ausbildung ist für ihn das probate Mittel.

BjörnHasecke

Setzt der Fußballkreis womöglich die falschen Schwerpunkte in der Weiterbildung? Björn Hasecke sagt, die Lehrgänge des Verbands in Grünberg seien immer voll und die Nachfrage in anderen Kreisen groß. Er vermutet hinter der schlappen Nachfrage eher, dass das Angebot nicht zur Kenntnis der passenden Adressaten gelangt. Die Termine, die über das E-Postfach des Verbands jeden Verein erreichen, würden womöglich intern nicht weitergegeben. Obwohl: Hasecke sagt, in seinem E-Mail-Verteiler befänden sich zusätzlich die Adressen vieler Trainer. 

Neuer Anlauf für Funiño

In einer zeitlichen Überlastung der Übungsleiter, die ja auch Beruf und Familie haben, sieht Hasecke eher keine Ursache für die oft geringe Resonanz. Die Kurzschulungen dauerten ja nur vier Stunden und würden auf Termine gelegt, „an denen wir wissen, dass es funktioniert“. Das Thema „Mannschaftsführung“ in Mengeringhausen zum Beispiel steht am 17. September, einem Montag, auf dem Plan. Bisher haben sich zwei Jugendtrainer angemeldet. Hasecke hofft darauf, dass der gastgebende TuSpo sich für ein Zustandekommen ins Zeug legt, so wie das auch andernorts mitunter klappt.

Längst nicht alles muss der Fußballkreis absagen. Die (kostenpflichtigen) Lehrgänge zum Trainer oder Teamleiter bringen die vom Verband geforderte Mindestzahl von zwölf Teilnehmern auf die Beine – auch wenn Hasecke sagt: „Sie könnten besser laufen.“ 

Und auch Funiño hat doch noch seine Fans gefunden: Am kommenden Wochenende richtet der TSV Altenlotheim eine Ausbildung aus, neben der JSG Edersee beteiligen sich der TSV Goddelsheim und der TSV Frankenau. Aus anderen Vereinen haben sich vier Interessenten angemeldet, weitere sind willkommen. Hier kann man sich für Lehrgänge und Kurzschulungen anmelden: www.hfv-online.de/qualifizierung

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