Fußball und der „schwere Rucksack“ Corona - drei Mannschaften nicht angetreten

Geschäftsführer der SG Waldeck/Netze : Statuten haarsträubend

Anhänger der SG Wellen/Wega
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Kein Gegner: Vielleicht hätten diese jungen Anhänger der SG Wellen/Wega auch gern die Partie in der Kreisliga A gegen die SG Waldeck/Netze gesehen. Aber die Kicker aus Waldeck/Netze ließen das Spiel wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

Korbach – In Corona-Zeiten gilt der Satz, klar ist, dass nichts klar ist. Und was heute gilt, kann morgen schon nicht mehr gelten. Diese Schnelllebigkeit der Pandemie-Regeln macht uns allen zu schaffen.

Deshalb ist der Wunsch nach einheitlichen Regeln groß, ob sie auch gerechter wären, sei dahingestellt. Einheitliches Verhalten wäre auch erstrebenswert, aber das ist ebenfalls nicht zu haben. Deshalb ist es momentan schwer, Gruppen zu leiten, ob in der Schule, in der Firma oder in einem Verein.

In einer Fußballmannschaft schlagen viele Herzen. Die Bandbreite reiche von Spielern, für die scheint es Corona gar nicht zu geben bis hin zu Kickern, die übervorsichtig seien und Angst hätten, weiterhin Fußball zu spielen, sagte Peter Wefringhaus, Trainer des Melsunger FV, nach dem Spiel am Sonntag in Mengeringhausen.

Diese Pandemie hänge den Jungs wie ein schwerer Rucksack auf dem Rücken, es sei schwierig, eine gute Stimmung im Team zu erzeugen. „Wir Trainer sind derzeit nicht so sehr mit der Trainingsgestaltung beschäftigt, sondern mehr mit der Psyche der Spieler.“

Trainerkollege Oliver Hintschich vom TuSpo Mengeringhausen lobt die Haltung seiner Spieler. „Wenn man die Abläufe der letzten Tage sieht, hier noch eine News, da noch was aus Frankfurt vom Verband, wie die ganze Sache anzugehen ist, muss ich sagen, es ist aller Ehren wert, dass die Jungs noch zum Spiel kommen. Der Fokus liegt auch nicht mehr auf dem Fußball.“

Die beiden Trainer würden aber noch nicht von sich aus sagen, Schluss mit Fußball. Diesen Schritt sind am Wochenende andere gegangen: Gruppenligist SV Freienhagen/Sachsenhausen, Kreisoberligist TuS Usseln und die SG Waldeck/Netze mit ihren Team in A- und C-Liga. Sie haben ihre Partien abgesagt, auch auf die Gefahr hin, dass sie die Punkte am Grünen Tisch aberkannt oder gar Geldstrafen bekommen.

Bei der SV und in Usseln sind die Punkte weg, aber die Waldecker hoffen noch, dass Klassenleiter Dirk Emmert einer Spielverlegung zustimmt. Dafür müsste die SG nachweisen, dass sich mindestens ein Spieler in Quarantäne befinde oder positiv getestet worden sei.

„Diesen Nachweis können wir nicht erbringen“, sagt Michael Keller, Geschäftsführer von Eintracht Waldeck. Diese Statuten des Hessischen Fußballverbandes finde er haarsträubend, denn „wir sollten vorbeugend mit Corona umgehen und nicht erst absagen dürfen bei einem positiven Fall. Dieses Risiko können und wollen wir als Verein nicht tragen“, betont der Geschäftsführer. Zumal die SG auf ihren Plätzen den Fußgänger-Durchgangsverkehr nicht verhindern könne.

Die Spiele habe man abgesagt, weil in einer größeren Firma in Waldeck drei Corona-Fälle aufgetaucht seien, dort würden auch Eltern und Angehörige von Spielern arbeiten. „Ich finde man sollte den Vereinen in solch einer Phase ihr Selbstbestimmungsrecht lassen und deren Risikoeinschätzung ohne Konsequenzen anerkennen.“

Emmert wies allerdings auch daraufhin, dass es gewisse Regeln geben müsse, ohne Nachweispflicht könne ein Verein diese Möglichkeit auch missbrauchen, etwa, weil ihm Spieler fehlten. Keller ist gespannt, wie viele Vereine bei der heutigen Videokonferenz (19 Uhr) der Vereine mit dem Kreisfußball-Ausschuss seine Meinung teilen werden.  rsm

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