Torhüter-Wettbewerb der Kahn-Firma in Buchenberg 

Jan-Philipp Schminke aus Edertal gewinnt Finalticket

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Torwartflug-Übung: Tom Rosenstengel (Immighausen) wird von Darwin Depmeier (Torwart SV Buchenberg, rechts) bedient, hinten links beobachtet Trainingsleiter Janik Backhaus (Trainerteam von Oliver Kahn).

Buchenberg. Oliver Kahn liegt den Buchenbergern wieder zu Füßen. Der ehemalige Nationaltorhüter lächelt von den Werbeplakaten für seine Firma Goalplay, die rund um den Sportplatz auf dem Boden liegen.

Und fast wirkt es so, als ob der ehemalige Welttorhüter seinen potentiellen Nachfolgern bei ihrem Bemühen, den Ball nicht über die Torlinie zu lassen, zuschauen würde. Dort fliegen, liegen, stehen, schießen, fangen und fausten 27 junge Torspieler im Alter zwischen 10 und 17 Jahren. Die "Goalplay Train N’ Fight Challenge“, das zweitägige Trainingscamp für Torspieler, ist an jenen Ort zurückgekehrt, wo es dem Trainertrio im vergangenen Jahr besonders gut gefallen hat.

Nicht nur wegen der guten Luft, sondern vor allem, weil der SV Buchenberg mit seinem rührigen Team um den Vorsitzenden Bernd Backhaus, alles dafür tut, damit sich die Gäste wohl fühlen. Die längste Fahrt hat diesmal ein junger Torverhinderer aus Österreich mit seinen Eltern auf sich genommen, die Resonanz aus Südhessen geht allerding fast gegen null.

Hin zum Torspieler 4.0

Buchenberg vertritt bei dieser Deutschland-Tour die ländliche Region. Dennoch steht im Tourkalender nicht der Vöhler Ortsteil, sondern Kassel; neben Stuttgart, Leipzig, Düsseldorf, Ulm, Bremen, München, Berlin, Freiburg und Wuppertal. Bei den Torspielern ist vor allem Stuttgart in aller Munde, denn dafür strengen sie sich an diesen zwei Tagen an. Die Jungs möchten ins Goalplay-Finale, das Ende Oktober in der Landeshauptstadt stattfindet.

Ein Ticket dafür löst nur der Gewinner in Buchenberg, es sei denn, die Trainer verteilen Wildcards. Während im Vorjahr Markus Gaupp, früher privater Torwarttrainer von Oliver Kahn, die Buchenberger Herausforderung leitete, hat diesmal der gebürtige Buchenberger Janik Backhaus (27) mit seinen Trainerkollegen Tim Wohlfardt und Derek Lesley, US-Proficoach von der San Francisco State University, das Sagen. Weitere Trainer stellt der SV Buchenberg.

Backhaus jetzt bei Goalplay angestellt

Das deutsche Fußballinternat in Bad Aibling und eine Organisationsfirma, die im vergangenen Jahr das Debüt des Wettbewerbs mit angeschoben hatten, sind nicht mehr mit dabei. Goalplay stemmt diesen Torwart-Wettbewerb nun allein.

Das hatte auch Folgen für Janik Backhaus. Er gab seinen Trainerjob am Deutschen Fußballinternat im bayerischen Bad Aibling auf und ist nun bei Goalplay angestellt. „Man bekommt nur einmal im Leben das Angebot, mit Oliver zu arbeiten.“ Für Kahn zu arbeiten, bedeutet aber auch viele Auslandsaufenthalte. Das Trainertrio hatte zuletzt die Aufgabe, die Torspieler in Saudi-Arabien für die WM in Russland auf den neuesten Stand zu bringen.

Die Ballhalter: 27 Torspieler wollten den Goalplay-Siegerpokal, den Jan-Phillipp Schminke (vorn sitzend) gewann. Er fährt mit den erhöht stehenden Keepern (v.l.) Tyler Rupprecht, Phil Trompetter und Tom Rosenstengel zum Finale nach Stuttgart.

In Duellen eins gegen eins bis ins Finale

Hier in Buchenberg geht es um andres. Nach Übungseinheiten in Theorie und Praxis zum Stellungsspiel, Technik, Taktik, Athletik, zu Motivation und der Frage, wie gehe ich mit einer Niederlage um, steigt die Spannung, den nun steht das Finale an, das auf vier Spielfeldern ausgetragen wird. Dabei duellieren sich die Torhüter in einer Eins-gegen-eins-Situation und sie sind dabei Torschütze und Torverhinderer zugleich.

Die jüngeren Keeper spielen auf kleine Tore, die älteren auf große. Jeder darf schießen, werfen und dribbeln und wer ein Tor erzielt, bleibt in Ballbesitz. Das Risiko abzuschätzen ist hier ebenfalls wichtig, denn wer sich mit dem Ball zu weit nach vorn wagt und keinen Treffer erzielt, der ist schnell überspielt.

Im direkten Vergleich ist Nervenstärke gefragt

Zunächst stehen Gruppenspiele nach Altersklassen und dem Modus „Jeder gegen jeden“ mit Hin- und Rückspiel auf dem Plan. Gespielt wird auf Zeit, aber wer zuerst drei Tore erzielt, hat das Duell gewonnen. Bei einem Remis wird kurz verlängert, dann entscheidet ein Sieben- oder Elfmeterschießen.

Torwartflug-Übung: Phil Trompetter (Eintracht Oberursel) in Aktion, hinten beobachtet Trainingsleiter Janik Backhaus (Trainerteam von Oliver Kahn).

Bei den älteren Jahrgängen wird schnell deutlich, dass Jan-Philipp Schminke der Gruppensieg nicht zu nehmen ist. Der 17-Jährige aus Lieschensruh im Edertal, der in der A-Jugend-Verbandsliga für den VfL Kassel die Bälle hält, bleibt ungeschlagen. Er hat bereits im vergangenen Jahr bei Goalplay teilgenommen, qualifizierte sich noch nicht sportlich für das deutsche Finale, sondern erhielt eine Wildcard vom Veranstalter. Jannik Schulze (JSG Edersee) folgt Jan-Philipp ins Viertelfinale.

"Der Goalplay-Kurs hat mir geholfen"

Für Tom Rosenstengel aus Immighausen stehen die Vorzeichen andersherum. Er war 2017 ebenfalls beim deutschen Finale dabei, scheidet diesmal aber schon in der Vorrunde aus. Er muss seinem Torhüterkollegen von der JSG Edersee, Niklas Dietzel, den Vortritt ins Viertelfinale lassen. Den Gruppensieg holt sich Phil Trompetter aus dem südhessischen Oberursel, der nicht zu bezwingen war. Im Halbfinale stehen sich schließlich Tyler Rupprecht (FC Ederbergland) und Torben Drews (JSG Lichtenfels) sowie Schminke gegen Schulze gegenüber.

Torben zieht nach dem Sieg im Siebenmeterschießen ins Finale ein und Schulze hat Schminke am Rand der Niederlage, aber der dreht einen 1:2-Rückstand noch in einen 3:2-Sieg. „Als ich 1:2 hinten lag, hat mir auch der Goalplay-Kurs geholfen, da habe ich gelernt, wie man mit Gegentoren umgeht: weiterhin klar denken und nicht nervös und hibbelig werden“, sagte Schminke.

Das Finale gegen den einige Jahre jüngeren Torben Drews war für Jan-Philipp eine einfache 3:0-Aufgabe. Der Verlierer war untröstlich über diese Niederlage. Schminke fährt zum Finale nach Stuttgart. Die Trainer vergaben noch drei Wildcards, die sie nach ihren Trainingseindrücken verteilen. Torben Drews zählt überraschend nicht zu den Auserwählten, sondern Phil Trompetter, Tyler Rupprecht und Tom Rosenstengel begleiten Jan-Philipp zum Finale nach Stuttgart.

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