Mündener in Diensten des Großvereins

Torsten Vesper hat beim HSV seinen Traumjob gefunden

+
Torsten Vesper vor einem Plan der Paul-Hauenschild-Sportplätze, der Anlage des Hamburger SV in Norderstedt.

Hamburg. Dauernder Regen trätscht in die tiefen Pfützen Norderstedts. Es ist acht Uhr morgens, bitterkalt und noch etwas dämmrig auf dem Parkplatz des HSV-Geländes am Stadtrand. Der Hamburger Herbst meint es nicht gut mit uns. Torsten Vesper ist bereits seit zwei Stunden unterwegs.

Von Alexander Siebert

Jeden Morgen nimmt der Mündener den weiten Weg aus Hollenbeck im Norden der Lüneburger Heide bis nach Norderstedt, einer kleinen Stadt nördlich von Hamburg, auf sich. Und warum? „Weil ich hier einen absoluten Traumjob habe“, sagt der 53-Jährige.

Vesper ist seit einem Jahr Angestellter des Hamburger Sport-Vereins, mit 87 000 Mitgliedern einer der größten Sportvereine Europas. Auf den Paul Hauenschild-Sportplätzen in Norderstedt, wo die Profis bis vor ihrem Umzug ans Volksparkstadion im Jahr 2004 trainierten und wo mittlerweile der Nachwuchs und die Amateurmannschaften beheimatet sind, organisiert er das Greenkeeping, vulgo: die Rasen- und Platzpflege. Und das, obwohl er eigentlich Dachdecker gelernt und rund 20 Jahre als Kundenbetreuer bei Schäfer-Automaten in Korbach gearbeitet hat.

Der Zufall stand Pate

Die Geschichte über Vespers Lebensweg in den Norden beginnt weit im Süden. Im Zillertal, wo er vor zwei Jahren im Skiurlaub war und seine heutige Lebensgefährtin kennenlernte. In einer Fernbeziehung zwischen Münden und der Heide sah das Paar jedoch keinen Sinn. Also legte sich Vesper fest: „Ich suche mir einen Job und komme nach Hamburg.“

Auf die Greenkeeping-Stelle beim HSV sei seine Lebensgefährtin eher aus Zufall aufmerksam geworden, sagt der ehemalige Auswahl-Fußballer: „Beim Surfen im Internet.“ Dass er eine Chance habe, konnte er sich nicht vorstellen. Versucht hat er es trotzdem.

Fußball-Engagement als echter Pluspunkt

„Ich wusste, dass ich trotz fehlender beruflicher Qualifikationen durch meine ehrenamtlichen Tätigkeiten und meine große Leidenschaft zum Fußball punkten musste“, sagt Vesper. In diesem Punkt hat er eine Menge vorzuweisen: Acht Jahre war er erster Vorsitzender des TSV Münden, dazu jahrzehntelang aktiv als Spieler, Trainer und Jugendtrainer, unter anderem beim TSV Korbach.

Er wisse, wie Fußballer ticken, habe sein heutiger Chef schon im Vorstellungsgespräch gesagt. Das kam Vesper zugute. Nach einem Probetag fiel die Wahl tatsächlich auf ihn – und auf einen seiner zwei Konkurrenten Vesper nennt ihn „meinen verlängerten Arm draußen auf den Plätzen“.

Koordinator für 29 Mannschaften

Schalke-Fan vor HSV-Logo: Torsten Vesper.

 Denn letztendlich wurde die neue Stelle in Norderstedt durch zwei geteilt: Sein Mitbewerber und heutiger Kollege führt das Team aus vier Greenkeepern auf der Anlage und Vesper kümmert sich im Büro um die Organisation. Er bestellt Materialen wie Dünger für den Rasen oder Farbe zum Abstreuen der Plätze. Wird ein Platz umgebaut, muss er das planen.

Außerdem koordiniert der Mann aus Münden, wie die zehn Fußballfelder auf der 14 Hektar großen Anlage bespielt und bearbeitet werden. Bei 29 Mannschaften – von der F-Jugend bis zu den Altherren – eine echte Herausforderung.

Neben den Fußballplätzen gehören auch ein Hockey-Platz, Tennis-Courts und ein Beach-Soccer-Feld zur Anlage. Das Soccer-Feld war das erste Großprojekt, das Vesper betreute. „Ich wollte, dass das Feld den Fifa-Vorgaben entspricht“, sagt er. Die Mühe hat sich gelohnt: In diesem Jahr war sowohl die deutsche als auch die griechische Nationalmannschaft zum Trainingslager in Norderstedt.

Kontakte mit Größen

An Kontakte mit großen Namen im Fußball musste sich Torsten Vesper erst gewöhnen, wie er zugibt. Wenn auf einmal der Vorstandschef der HSV Fußball AG, Bernd Hoffmann, in sein Büro kommt. Oder wenn Marcell Jansen, ehemaliger Bundesliga-Profi und aktuell Kandidat für die Präsidentenwahl des HSV e.V., über die Anlage geführt werden will.

Und ein Problem habe es da noch gegeben, sagt Vesper mit einem Augenzwinkern: Der Mündener ist Fan von Schalke 04. „Aber die Raute hat schon eine besondere Strahlkraft“, gesteht er und zeigt auf seine Jacke, auf der das HSV-Wappen abgebildet ist.

Der Tag, der so verregnet begonnen hat, wird für Vesper denn auch im Volksparkstadion enden. Seit der HSV in der 2. Liga spielt, hat er noch kein Heimspiel verpasst.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare