Interview mit Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann

Verband diskutiert auch die Fortsetzung der Saison im März 2021

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Amtsstart in ganz besonderen Zeiten: Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann. 

Gottfried Henkelmann war als Waldecks Fußballchef einer von 32 Kreisfußballwarten, die am Samstag zur Vorstandssitzung des Hessischen Fußball-Verbands zugeschaltet waren. Er steht hinter dem Vorgehen des HFV in der Corona-Krise.

VON GERHARD MENKEL

Ehringen– Der Verband diskutiert vier Szenarien, wie die aktuell ausgesetzte Saison zu Ende gebracht werden könnte. Henkelmann verweist besonders auf die diffizilen Rechts- und Haftungsfragen, die mit jeder Entscheidung verbunden wären.  

Herr Henkelmann, wie bewerten Sie die Beschlüsse des Verbandsvorstands vom Samstag?

Ich finde sie sehr vernünftig. Wichtig ist festzuhalten, dass vor allen endgültigen Beschlüssen haftungsrechtliche Fragen zu klären sind, wie es Präsident Stefan Reuß und Vizepräsident Torsten Becker auch betont haben, Klagen will der Fußball in jedem Fall vermeiden, um Schaden vom Verband und seinen Organen abzuwenden. Ganz oben stehen natürlich die behördlichen Vorgaben – wir können nicht einfach loslegen und müssten dann etwa beim Spiel einen Abstand von 1,50 Meter einhalten.

Der DFB hatte ja am Freitag die Möglichkeit eröffnet, die Saison über den 30. Juni hinaus zu verlängern. War diese neue Option ein Thema?

Ja, das ist diskutiert worden. Es war aber klar, dass bis zu unserer Sitzung am Samstagvormittag noch nichts rechtssicher in die Beschlussvorlage einfließen konnte. Die Öffnungsklauseln der DFB-Beschlüsse vom Freitag müssen jetzt noch in die hessischen Satzungen und Ordnungen eingearbeitet und beschlossen werden. Die formale Voraussetzung, dass wir diese Beschlüsse im Umlaufverfahren treffen können, gibt es schon seit letztem Jahr. Uns Kreisfußballwarte werden wohl die ganze Woche über Anpassungen zur Abstimmung über das HFV-Postfach erreichen. Ganz oben steht die Änderung der Wechselbestimmungen für Amateure, die ein halbes Jahr kein Pflichtspiel gemacht haben.

Wie stehen Sie zu einer verlängerten Saison über den 30. Juni hinaus?

Da wir nicht wissen, ab wann wir uns wieder frei bewegen dürfen, stehe ich voll hinter dem Beschluss, die Saison bis auf Weiteres auszusetzen und dann zu schauen, ob es im Mai mit 14 Tagen Vorlauf weitergehen kann oder nicht. Noch später anzufangen, würde bedeuten, dass wir die Saison auf keinen Fall bis 30. Juni beenden könnten.

Das würde was bedeuten?

Im ungünstigen Fall, dass wir die Saison aufgrund öffentlicher Verbote und Kontaktsperren sehr lange unterbrechen müssen und erst ab März 2021 zu Ende spielen können. Das ist eins von vier Szenarien, mit denen sich der HFV beschäftigt. Die weiteren: Durchführung des Spielbetriebs bis 30. Juni; Fortführung über dieses Datum hinaus; oder sofortiger Abbruch und Start der neuen Runde 2020/21 im Sommer. Diese Szenarien werden jetzt, gemeinsam mit anderen Landesverbänden, juristisch geprüft. Sie werfen haftungsrechtliche Fragen auf – auch für das HFV-Präsidium, auch für die Kreisfußballwarte. Das ist in meinen Augen das richtige Vorgehen.

In der Pressemitteilung des HFV heißt es, ein einheitliches Vorgehen aller Fußballkreise werde angestrebt. Scheren einzelne aus?

Nein. Es geht darum, einen Gleichklang herzustellen, dass im Odenwald das gleiche verkündet wird wie in Waldeck. Stefan Reuß warnt davor, dass jeder Kreisfußballwart sein persönliches Lieblingsszenario öffentlich macht. Da hängt ja sehr viel dran.

Trainer- und Splelerwechsel zum Beispiel.

Auch, aber nicht nur. Wenn das Spieljahr verlängert wird, betrifft das ganz viele. Was heißt das zum Beispiel für die Schiedsrichter? Oder für Spielgemeinschaften, die sich neu bilden oder auflösen wollen? Oder für die Jugendlichen? Bleiben sie in ihrer Altersklasse, obwohl sie zu alt wären? Das alles und mehr muss geprüft werden in einer Situation, auf die sich keiner vorbereiten konnte.

Der Waldecker Pokal hängt ebenfalls in der Luft: Wie könnte es damit weitergehen?

Im Kopf habe ich verschiedene Szenarien. Ich möchte sie aber erst mit dem TSV Altenlotheim als Ausrichter der Endspiele besprechen. Und danach müssen wir einen Beschluss im Kreisfußballausschuss fassen. dann wird die Lösung bekannt gegeben.

Wie geht es Ihnen selbst in dieser Situation? Ein Start ins Amt unter solchen Bedingungen ist beispiellos.

Festhalten möchte ich vor allem eins: In dieser Krise gibt es wichtigere Dinge als den Fußball und ob eine Saison fortgesetzt wird oder nicht. Es geht um Gesundheit, die Familie, um Arbeitsplätze und Existenzen. Was mich angeht: Es steht alles auf Null, ich kann mal runterfahren, es war bis zum Kreisfußballtag doch recht hektisch. Ich habe jetzt mehr Zeit für die Familie und andere Dinge, die liegen geblieben sind. Auf der anderen Seite liebe ich den Fußball und würde mir natürlich bei diesem Wetter das volle Programm wünschen. Wenn ich mir dann aber die dramatische Entwicklung in anderen Ländern anschaue, denke ich: Da geht es uns recht gut, und das relativiert die Gedanken über unserer Einschränkungen doch deutlich.

Lob für die Geduld der Vereine

Wie ist die Stimmung Ihrer Beobachtung nach in den Vereinen?

Mein Eindruck aus der Vergangenheit ist, dass wir liebe, gutgeführte Vereine haben. Es gibt kaum Probleme, jedenfalls hat mir mein Vorgänger Peter Bauschmann nichts von schlaflosen Nächten wegen irgendwelcher Schwierigkeiten berichtet. Um mir aktuell ein Bild zu machen, habe ich mit meinen Kollegen im Kreisfußballausschuss Dirk Emmert, Ingo Göbel und Marco Steinbach gesprochen...

Alle selbst Vereinsvorsitzende

Ja, sie kennen das Geschäft und deshalb war es mir auch wichtig, Leute aus der Vereinspraxis in den Ausschuss zu holen. Sie haben keine Besorgnisse geäußert über finanzielle oder wirtschaftliche Dinge, die sie jetzt schon bedrücken. Natürlich kann das bei anderen oder größeren Vereinen anders aussehen. Bisher hat mich aber niemand angerufen und um Rat oder Hilfe gebeten. Ich habe das Gefühl, die Vereine ertragen das alles bisher geduldig.

Gottfried Henkelmann (62) ist seit dem 6. März Waldecks Kreisfußballwart. Vorher war er acht Jahre lang Stellvertreter. Der Ehringer, der sein Geld als Leiter der Bauaufsicht im Landkreis Kassel verdient, ist Schiedsrichter und, nur noch bis Sommer, Schiedsrichter-Beobachter, außerdem Ortsvorsteher seines Heimatdorfs. Er ist verheiratet, hat drei Töchter und vier Enkelkinder.

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