Tagung des Verbandsvorstands 

Hessens Fußball: Spielbetrieb ruht bis auf Weiteres, Klubs entlastet, Wechselregel wird geändert

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Der Spielbetrieb ruht bis auf Weiteres, die Sechs-Monats-Wartefrist bei Spielerwechseln wird geändert, die Vereine werden finanziell entlastet - das hat der Vorstand des Hessischen Fußball-Verbands beschlossen.

Frankfurt - Die Verlängerung der Pause, die bisher bis kommenden Freitag galt, war so zu erwarten. Schon während der Woche hatten die Regionalverbände den Spielbetrieb wegen der Corona-Krise für unbestimmte Zeit ausgesetzt. „Die aktuelle Situation lässt keine andere Entscheidung als die weitere Aussetzung des Spielbetriebes zu. Wir orientieren uns damit an der behördlichen und staatlichen Verfügungslage und reagieren auf eine nie dagewesene Krise", sagte Präsident Stefan Reuß nach der Vorstandstagung per Videokonferenz laut Pressemitteilung.

Wie eine abschließende Lösung im Umgang mit der Spielzeit 2019/20 aussehen könnte, ließ Reuß in der Mitteilung nicht erkennen - auch nicht, ob eine Verlängerung über den 30. Juni hinaus infrage kommt. Den Weg hatte der DFB mit einer Änderung der Spielordnung am Freitag geebnet.

Die Runde habe "zahlreiche Szenarien besprochen", erklärte Reuß: "Eine solche weitreichende Entscheidung muss gut vorbereitet, aus allen Perspektiven beleuchtet und mit allen möglichen Folgen durchdacht sein.“  Dabei geht es dem HFV auch um mögliche wirtschaftliche und rechtliche Konsequenzen.

Reuß: Genauigkeit vor Schnelligkeit

Einigkeit habe im Vorstand geherrscht, dass eine Wiederaufnahme mit 14 Tagen Vorlauf erfolgen müsste, heißt es in der Mitteilung. "Angestrebt" werde ein einheitliches Vorgehen aller 32 hessischen Fußballkreise im Umgang mit der laufenden Saison. 

„Wir brauchen Geduld, nicht die Schnelligkeit ist jetzt gefragt, sondern die Genauigkeit und Nachhaltigkeit unserer Entscheidungen, und dies funktioniert nur im Gleichklang mit behördlichen Entscheidungen“, so Reuß weiter. HFV-Vizepräsident Torsten Becker ergänzte: „Dabei spielen gerade zivil- und haftungsrechtliche Gesichtspunkte eine entscheidende Rolle. Wir können erst Entscheidungen treffen, wenn es eine gesicherte juristische Grundlage gibt." Zudem sei der HFV in Abstimmung mit übergeordneten Verbänden.

Sechs-Monats-Regel dürfte ausgesetzt werden

Sicherheit dürften die Vereine bald in einem anderen Punkt haben: dem Wechselrecht für Amateure, die sechs Monate lang kein Pflichtspiel bestritten haben. Bisher gilt, dass sie nach dieser Frist den Verein wechseln können, ohne dass der abgebende Klub zustimmen muss.  

Der DFB hat für die Spielzeiten 2019/2020 und 2020/2021 folgenden Passus verabschiedet: „Die Mitgliedsverbände können insbesondere festlegen, dass Zeiträume, in denen aufgrund der Covid-19-Pandemie kein Spielbetrieb durchgeführt wird, bei der Berechnung des Sechs-Monats-Zeitraums nach vorstehendem Absatz nicht berücksichtigt werden.“ 

Zeitstrafe soll zur neuen Saison kommen

„Hier werden wir entsprechende Anpassungen aufgrund der kurzfristigen Entscheidungen des DFB in unseren Regularien beraten und aufnehmen. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer hessenweiten Lösung und werden diese zeitnah vorstellen“, erklärte Vizepräsident Becker. Erst mit Beginn der Saison 2021/2022 sollen dann wieder die bisher gültigen Bestimmungen in Kraft treten.

Der für den 6. Juni geplante Verbandstag ist bekanntlich verschoben worden. Er könnte, wenn alle noch ausstehenden Kreisfußballtage stattgefunden haben, am 28. November nachgeholt werden. Auch ohne Beschluss des Verbandstags soll die Zeitstrafe bei Seniorenspielen auf Kreisebene kommen. Sie soll  voraussichtlich zur kommenden Saison eingeführt werden.

Keine Strafen für fehlende Schiedsrichter

Entgegenkommen will der Verband den Vereinen in finanzieller Hinsicht. Zum einem beim  Schiedsrichterpflichtsoll.Da es icht erhoben werden kann, werden auch weder Geldstrafen noch Punktabzüge verhängt. Die Zahlungen, die sich durch fehlende Unparteiische aus der laufenden Saison ergäben, werden - unabhängig vom weiteren Fortgang der Spielzeit - ausgesetzt. Damit verliert der Verband einen sechsstelligen Betrag - in der Saison 2018/19 beliefen sich die Geldstrafen auf 154.705 Euro.

Außerdem werde die Gebühren für das Pflichtabo  des Verbandsmagazins "Hessen-Fußball" den Vereinen im Kalenderjahr 2020 "bis auf Weiteres" nicht in Rechnung gestellt. Die damit bei den Vereinen verbleibende Liquidität beträgt rund 100.000 Euro, schreibt der Verband.

Reuß: Wollen Vereinen helfen

Der HFV, der selbst erhebliche Einnahmeverlust etwa aufgrund der Schließung der Sportschule und des Sporthotels in Grünberg erleidet, betrachtet dieses Entgegenkommen als "Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts der hessischen Fußballfamilie". Präsident Reuß: "Auch wenn diese Summen nicht alle Probleme lösen werden, wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, dass unsere Vereine nicht stärker belastet werden, als sie es durch die Corona-Krise ohnehin schon sind. Direkte Zuwendungen sind uns aus steuerrechtlichen Gründen nicht erlaubt. Deshalb gewähren wir diese indirekte finanzielle Hilfe.“

Ein weiteres Thema betraf die Arbeit der HFV-Gremien: Sie können Beschlüsse etwa zu Satzungänderungen leichter als bisher auf digitalem Wege fassen.  Auch Beschlüsse des Verbandstags können auf elektronischem Wege herbeigeführt werden.

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