Historischer Verbandstag schafft Fakten

Hessischer Fußball: Saison abgebrochen, vermehrter Aufstieg

Drei Männer sitzen an Tischen vor Transparent mit dem Schriftzug Außerordentlicher Verbandstag 20. Juni 2020
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Mit Abstand in Grünberg: Verbandspräsident Stefan Reuß (MItte), Vizepräsident Torsten Becker (rechts) und Schatzmeister Ralf Viktora.

+ + + Aktualisiert + + + Abbruch und vermehrter Aufstieg: Der außerordentliche Verbandstag des Hessischen Fußball-Verbands hat für die Saison 2019/20 endlich Fakten geschaffen. Die Jugend geht eigene Wege.

175 von zeitweise mehr als 290 zugeschalteten Delegierten stimmten bei diesem virtuellen Treffen für den Abbruch der Spielzeit zum 30. Juni, für den Aufstieg der Meister und zusätzlich der Mannschaften mit dem höchsten Quotienten, die sich für eine Aufstiegsrunde oder die Relegation qualifiziert hatten. Gewissheit haben auch die Kellerkinder: Abstieg gibt es in der am 12. März wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen und nun beendeten Saison nicht.

Diese Aufstiegsregelung, die der Verbandsvorstand vor zwei Wochen so empfohlen hatte, gilt für Frauen und Senioren. Im Fußballkreis Waldeck profitieren drei Seniorenmannschaften: Der TuSpo Mengeringhausen II (A-Liga), die SG Nieder-Waroldern/Landau (B-Liga) und der TuS Massenhausen (C-Liga), die als jeweils Zweiter aufsteigen dürfen. In die Röhre schaut der Vizemeister der Kreisoberliga, die SG Höringhausen/Meineringhausen - sie war im Quotienten-Vergleich der fünf nordhessischen Kreisoberligisten, die für die Aufstiegsrunde zur Gruppenliga infrage gekommen wären, nur das zweitbeste Team. Bei den Frauen schafft der TSV Flechtdorf II den Sprung in die regionale Oberliga.

Für die Jugend gilt die Regelung nicht. Beim Nachwuchs dürfen alle Meister aufsteigen, wenn es weiterführende Ligen gibt - das ist bei den Junioren nur von A- bis D-Jugend der Fall. Diesen Antrag hatten die Fußballkreise Büdingen, Gelnhausen, Hochtaunus und Offenbach eingebracht. Er bekam mit 192 Stimmen mehr also doppelt so hohe Zustimmung wie der vom Verbandsjugendbeirat verabschiedete Vorschlag, nach dem auch bei der Jugend Aufstieg nach der liga-übergreifenden Quotientenregelung vorgesehen war, um zu große Spielklassen zu vermeiden.

Waldecks Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann zeigte sich anschließend sehr zufrieden mit dem gesamten Prozess der Entscheidungsfindung, den Beschlüssen und dem Abschluss an diesem Samstag. „Es gab ausreichend Gelegenheit für alle, das zu diskutieren."

Rund zwei Stunde dauerte der erste Verbandstag, der per Videoschalte abgehalten wurde und technisch einwandfrei funktionierte. In der Sportschule Grünberg saßen lediglich Präsident Stefan Reuß sowie Vizepräsident Torsten Becker und Schatzmeister Ralf Viktora nebst Verbandsmitarbeitern, darunter als (souveräner) Moderator Andreas Kattenberg. Reuß sprach danach von einem „historischen Verbandstag“.

Reuß: Manches wollte man lieber nicht lesen

Zu Beginn hatte Reuß in einer grundsätzlichen Betrachtung den gesamten Ablauf von der Aussetzung des Spielbetriebs bis heute aufgerollt. Bei allen Prozessen hätten Transparenz und demokratische Abstimmungen im Vordergrund gestanden. Reuß bedauerte, dass sich nicht alle Landesverbände auf eine gemeinsame Lösung zum Spielbetrieb geeinigt hätten.

Reuß verteidigte die Beschlüsse, mit denen naturgemäß nicht alle zufrieden sein könnten. „Man muss Ehrenamt zugestehen, dass wir abwägen wollen, aber auch zugestehen, dass man sich externe rechtliche Hilfe holt. Alle Entscheidungen sind im besten Wissen und Gewissen getroffen worden.“ In einem weiteren Beschluss hatten die Delegierten zu Beginn alle Ehrenamtlichen von einer möglichen Haftung freigestellt.

Reuß erwähnte auch unangemessene Angriffe in den Diskussionen der vergangenen Wochen. „Manche Mail hätte man lieber nicht lesen wollen, Umgang und Stil waren nicht immer treffend und hilfreich. Kein Egoismus, sondern Solidarität ist gefragt“, so Reuß weiter.

Im Hinblick auf die kommende Saison, für der HFV-Präsident keinerlei Daten nannte, forderte Reuß „Mut und Kreativität. Wir müssen neue Wege beschreiten. Und wir müssen immer wieder die Auflagen seitens der Behörden in unsere Entscheidungen einfließen lassen.“

Kontroverse Debatte um Aufstiegsregelung der Junioren

Die einzige Debatte entfachte sich an der Aufstiegsregelung für die Jugend. Der Beirat hatte sich mit 42:2 Stimmen für die Quotientenregelung ausgesprochen, die vier Kreise dagegen beantragten, alle Meister aufsteigen zu lassen. Ihr Hauptargument, das Offenbachs Kreisfußballwart Jörg Wagner in einem engagierten Appell vorbrachte: Die Ligen der verschiedenen Fußballkreise ließen sich wegen der unterschiedlichen Größen und Saisonstände nicht per Quotient vergleichen. Es sei Kindern und Jugendlichen nicht zu erklären, dass sie deshalb nicht aufsteigen dürften.

Verbandsjugendwart Carsten Well widersprach mit dem Argument, eine Aufstiegsgarantie gebe es seit vielen Jahren nicht. Wenn nun alle Meister aufsteigen dürften, „müssen das alle ausbaden“. In Frankfurt etwa sind sieben Kreisligen unterhalb der Gruppenliga angesiedelt, diese würde auf 21 Teams wachsen.

Waldecks Kreisjugendfußballwart Joachim Schmolt sprang Well bei: Der Beiratsbeschluss sei schließlich nach ausführlichen Diskussionen unter allen Kreisjugendfußballwarten mit übergroßer Mehrheit getroffen wordeni.

Schmolt zeigte sich nach dem Verbandstag enttäuscht, dass die Kreisfußballwarte aus den Kreisen, aus denen der Antrag kam, eine andere Meinung vertreten hätten als ihre Jugendwarte in den diversen Beiratssitzungen. Mit dem Beschluss aber könne er gut leben, sagte er. „Ich mache mir für das Aufblähen unserer Ligen wenig Sorgen.“ Eine Mannschaft aus dem eigenen Kreis profitiert von dem Mehrheitsvotum: Die A-Jugend des TSV Korbach kann jetzt direkt in die Gruppenliga aufsteigen.

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