Hessischer Verband zuversichtlich:

Lokaler Fußball schon ab Ende August?

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Absprung aus der Kreisliga A: Die SG Hesperinghausen steigt freiwillig in die B-Liga ab, um dort in einem ruhigeren Fahrwasser die Mannschaft neu aufzubauen. Das Bild zeigt SG Spieler Michael Janek, der an Philipp Stracke (Ittertal, links) vorbei will. Foto: aw

Fußball in Waldeck in der Saison 2020/21 – wie sieht der aus? Wann kommt die neue Saison überhaupt?

"Die Maschinerie hat sich in Gang gesetzt“, sagt Stefan Reuß, Präsident des Hessischen Fußballverbandes, in einem Schreiben an die Vereine und meint damit die Planung der Klassenleiter, Kreisfußballwarte etc., die sich derzeit intensiv mit dem Spielgeschehen auseinandersetzen.

Reuß hatte beim außerordentlichen Verbandstag am 20. Juni den Wunsch geäußert, ab dem 1. September wieder spielen zu dürfen. Jetzt macht er den Clubs sogar Hoffnung, dass es noch früher losgehen könnte. Die zahlreichen Lockerungen in verschiedenen Bundesländern gebe Anlass zur Hoffnung, dass auch in Hessen ein Spielbetrieb erlaubt werde, womöglich sogar bereits Ende August, wird Reuß in dem Rundschreiben zitiert.

Was zunächst die Hoffnungen dämpfte: Große Veranstaltungen sind bis 31. Oktober untersagt. Die von der Bundesregierung in diesem Zusammenhang genannte Zahl von 250 Besuchern als Grenzwert sollte aber für den überwiegenden Teil der Fußballspiele kein Problem sein, glaubt nun HFV-Boss Reuß. Er sitzt an diesem Wochenende mit dem Verbandsspielausschuss zusammen, um über mögliche Saison-Szenarien, Starttermine und anderes zu beraten.

Waldecks Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann ist dort nicht dabei, sagt aber: „Jede Woche, die wir weiter nach vorn gehen können, entspannt natürlich den Spielplan, es könnte weniger englische Wochen geben. Aber über allen Planspielen steht: Erst muss die Politik ein Datum X nennen.“

Vier Teams mehr in der Kreisoberliga 

Henkelmann hat in zwei heimischen Spielklassen mit mehr Spielterminen zu kämpfen, nachdem es zunächst so aussah, als würde der Wegfall von Absteigern sich nicht großartig auf die Mannschaftsstärke der Waldecker Ligen auswirken.

Doch in den vergangenen Tagen ergab sich eine neue Lage, weil vier Mannschaften freiwillig eine Klasse zurück gehen. Die Richtzahl 16, zur Stabilisierung der Ligagröße eingeführt, nutzt da wenig.

Die Kreisoberliga, die vor zwei Jahren noch mit 13 Mannschaften daherkam, wird ebenso wie die C-Klasse mit 17 Teams die Saison eröffnen (WLZ berichtete). Dafür ist aber die zuletzt 15 Mannschaften zählende Kreisliga B trotz dreier neuer Teams auf 13 geschrumpft. Die A-Liga ist mit 14 Teams (vorher 15) recht stabil. „Wir müssen dann mit einem 18er-Schlüssel planen“, sagt Henkelmann, der hofft, dass möglichst viele Spiele bis in den November hinein stattfinden können. „Aber es ist klar, dass alles nur geht, wenn es keine Zwischenfälle mehr wegen der Pandemie gibt.“

Ligen bis 2022/23 wieder begradigen

Der HFV plant, dass bis zur Saison 2022/23 alle Ligen wieder gesundgeschrumpft bzw. begradigt sein sollen. Wann der Kreisfußballwart die heimischen Clubs, die noch bis zum 5. Juli Zeit haben für ihre Meldung, zur Ligatagung einlädt, ist noch offen, da zunächst die Termine für die oberen Ligen anstehen.

Einen weiteren Termin wird es laut Henkelmann dann für die beiden Pokalwettbewerbe geben. Waldecker Pokal und Hessenpokal (Kreisebene) sollen dabei ausgelost werden. Das Interesse am Kreispokal ist gut. Bereits 29 Mannschaften haben gemeldet. Die ersten Pokalspiele können laut Henkelmann bereits ab Mitte oder Ende August stattfinden, wenn dies politisch bzw. behördlich erlaubt würde.

Schritt zurück, damit es vorwärts geht

Der Corona-Virus hat auch seine guten Seiten. Da wird einem wegen der Pandemie der Nichtabstieg geschenkt, aber die Vereine nehmen dieses Geschenk nicht an. Das gilt nicht nur für den VfR Volkmarsen in der Fußball-Gruppenliga (wir berichteten), sondern auch für den A-Ligisten SG Hesperinghausen/Helmighausen/Neudorf und die zuletzt in der B-Liga spielenden Teams SG Rhoden/Schmillinghausen II und FSG Buchenberg/Ederbringhausen II.

Dieses Trio verkündete nun, dass es in der kommenden Saison eine Klasse tiefer spielen wolle. Eine naheliegende Entscheidung, denn zwei dieser Mannschaften zierten in der abgebrochenen Saison das Schlusslicht in ihrer Liga, die Zweite der FSG war Vorletzter. Der Hauptgrund für diesen freiwilligen Nichtklassenerhalt ist bei allen drei Vereinen gleich: Spielermangel. 

Jedem Fußballer Wettbewerb bieten

Die Ursachen dafür sind allerdings vielschichtig. „Wir haben viele Schichtarbeiter in der zweiten Mannschaft und sie stehen nicht regelmäßig zur Verfügung“, sagt Wilfried Scholz, Vorsitzender des TSV Schmillinghausen. Da die SG diese Spieler nicht ganz verlieren und ihnen weiterhin Fußball unter Wettbewerbsbedingungen anbieten möchte, sei man diesen Schritt gegangen. 

„Die große Mehrheit der Mannschaft stimmte für die C-Liga, die auch den Vorteil hat, dass man dort mit einem Neuner-Team antreten kann“, sagte Scholz. Er hat auch Positives zu erzählen, denn im Reserveteam stehen ein paar Spieler, die bis zur C-Jugend gekickt und dann dem Fußball jahrelang den Rücken zugekehrt hatten. „Sie haben Freunde in der Mannschaft und so hat der eine den anderen angesprochen, ob er nicht wieder Lust auf Fußball habe. Scholz vermutet aber: „Wenn wir diesen Spielern die B-Liga zugemutet hätten, könnte wir die Mannschaft vermutlich schon nach drei Spieltagen wieder abmelden.“ 

Nur zehn Jugendkicker in drei Dörfern

Der Verlust von einigen Leistungsträgern und keine gleichwertigen Nachrücker ist eine Ursache, warum die SG Hesperinghausen/Helmighausen/Neudorf freiwillig absteigt. Dies teilte Christoph Hillebrand, Vorsitzender des TuS Hesperinghausen, mit. 

Marius Fischer wechsle nach Warburg und Markus Matuschinski gehe zurück nach Marsberg, einige andere Spieler, wie etwa Marius Vogel, stünden nicht mehr zur Verfügung. Hinzu kämen Schichtarbeiter und Studenten, sodass oft auch eine geringe Trainingsbeteiligung zu erwarten sei. Die Spieler und Trainer Dominik Klaus hätten sich einstimmig für die B-Liga entschieden, betont Hillebrand. „Die zweite Mannschaft steht auch auf der Kippe, aber wir werden sie wieder melden, weil wir jedem Vereinsmitglied Fußball unter Wettkampfbedingung anbieten wollen.“ 

Da es auch im Nachwuchsbereich nicht so gut aussehe, denn in den drei Dörfern gebe es in allen Altersklassen derzeit nur noch rund zehn Jugendspieler, hofft der Vorsitzende, dass zumindest der Neustart in der B-Liga gelingen möge. 

Spielern  wieder ein Siegesgefühl geben

Einer Mannschaft wieder das Siegesgefühl zu vermitteln, ist auch für die Verantwortlichen der FSG Buchenberg/Ederbringhausen II beim sportlichen Schritt zurück wichtig. 

„Wir sind personell nicht sehr rosig aufgestellt. Außerdem glauben wir, dass wir vom Spielniveau her in der C-Klasse besser aufgehoben sind“, betreibt Christian Hüttenrauch, Vorsitzender der Sportfreunde Ederbringhausen, eine ehrliche Analyse der FSG. (rsm/schä) 

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