Die langjährige Torhüterin und heutigen Mädchen-Trainerin im Interview über kickende Frauen damals und heute

25 Jahre Frauenfußball bei SG Landau - Nicole Näser ist seit Anfang an dabei

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Vom „Notnagel“ zur verlässlichen Größe: Torhüterin Nicole Näser.

Landau. Der TSV Landau feiert am kommenden Samstag, 17. November, Doppeljubiläum: 50 Jahre Fußball im Verein und 25 Jahre Spielgemeinschaft der Frauen mit dem FSV Wolfhagen. Eine Spielerin war schon bei der Gründung 1993 dabei.

Und sie spielte bis zur vergangenen Saison immer noch für den Gruppenligisten: Torhüterin Nicole Näser, heute 48 Jahre alt, in Balhorn zu Hause und Mutter zweier Söhne. 

Ein Interview zu einem Vierteljahrhundert Frauenfußball.

Wissen Sie noch, warum Sie als Jugendliche mit Fußball angefangen haben?

Nicole Näser: Ich habe immer mit den Jungs auf der Wiese gespielt. Es hat mir Spaß gemacht und irgendwann habe ich im Verein angefangen. Da war ich 13. Ins Tor bin ich eigentlich als Notnagel gewechselt. Wir hatten sonst keinen. Da war ich schon bei der SG.

Wie haben Sie die Anfänge im Frauenfußball erlebt? Haben Sie Spott gehört oder dumme Sprüche?

Näser: Das gab’s eigentlich immer, so etwas hört man auch heute noch manchmal. Beispiel: Da läuft nicht nur ein Ball übers Feld, sondern mehrere. Schießen können sie eh nicht. Und ähnliche solcher Sachen. Ich habe das immer mit einem Lächeln abgetan und mich darüber weniger aufgeregt, sondern mein Ding gemacht. Wirklich Extremes oder Sexistisches habe ich nicht erlebt. Die meisten, die auf den Sportplatz kamen, wollten Fußball sehen oder uns unterstützen.

"Die Mädels können's genauso gut, wenn..."

Es gibt die etwas krasse Ansicht, Männer- und Frauenfußball seien nicht dieselben Sportarten. Ist das fair?

Näser: Männerfußball ist dynamischer und körperbetonter. Aber was die Technik angeht, können das die Mädels genauso gut – wenn sie von klein auf spielen.

Es gibt die These, dass der regionale Frauenfußball in seiner Entwicklung stagniert, seitdem immer mehr Spielerinnen über Mädchenteams kommen und nicht mehr bei den Jungs gespielt haben. Wie sehen Sie das?

Näser: Ich halte es auch für einen Vorteil, wenn die Mädchen bei den Jungs anfangen: Sie spielen dann körperbetonter. In reinen Mädchenmannschaften treten einige, ich sag mal: damenhaft auf. Sie gehen nicht mit vollem Körpereinsatz rein; das kann man dann auch nicht mehr lernen. Auch beim Spielerischen merkt man, ob eine Fußballerin von den Jungs kommt oder von den Mädchen. Es gibt aber natürlich Ausnahmen.

Wie begegnen sich Fußballerinnen auf dem Platz: Beleidigen oder provozieren sie sich genau so, wie das Männer schon mal tun?

Näser: Das gibt’s bei den Frauen auch. Einzelne gehen auch bei uns unter die Gürtellinie, vielleicht etwas seltener als bei den Männern.

Gehen Frauen fairer miteinander um?

Näser: Ich kann für mich sagen, dass ich immer fair gespielt habe. Ich würde das auch für die Mehrheit der Frauen sagen, aber pauschalieren kann man das nicht – es gibt solche und solche.

Haben Sie mal eine Rote Karte gesehen?

Näser: Eine Gelb-Rote, aber es war meine einzige.

Die SG hatte in den 25 Jahren immer Männer als Trainer: Spielt es eine Rolle, ob da ein Mann oder eine Frau steht?

Näser: Mir war das immer egal. Hauptsache, derjenige macht es gut und ich habe Spaß dabei. Es gibt aber Mädels, die das stört, wenn da eine Frau die Ansagen macht. Es hat sich bei uns sowieso nie ergeben. Auch die anderen Frauen-Mannschaften, die ich hier in der Gegend kenne, haben Trainer. Nur beim Nachwuchs sieht man manchmal Trainerinnen.

Sie trainieren selbst die C-Mädchen der MSG Landau/Wolfhagen.

Näser: Ja, für diese Saison, ich will das Amt aber wieder abgeben. Ich spiele gerne Fußball, aber Trainer ist nicht so meins. Ich habe es schon mal probiert als meine Jungs noch gespielt haben, vor ungefähr 12, 15 Jahren. Um ein guter Trainer zu sein, dafür muss man wohl geboren sein.

Einstellung heute anders

Täuscht der Eindruck, oder haben die jungen Spielerinnen heute einen anderen Bezug zum Fußball als Ihre Generation, sagen eher ein Spiel ab oder schwänzen ein Training?

Näser: Das sehe ich schon so, ja. Klar, gibt es Ausnahmen. Ich bin halt nach dem Spiel auf den Geburtstag meiner Oma gegangen und habe es nicht abgesagt. Ich war immer da und fand Fußball in der Zeit für mich wichtig. Das ist heute oft anders.

25 Jahre SG, das ist im Frauenfußball nicht selbstverständlich. Warum hat es bei Landau/Wolfhagen hingehauen?

Näser: Wegen der guten Arbeit von den Personen, die immer wieder Spielerinnen holen, und wegen der guten Jugendarbeit. Wir hatten immer Mädchenmannschaften unter uns, das ist in vielen Vereinen nicht mehr gegeben; sie müssen dann Spielerinnen bei anderen abgreifen. Das ist bitter, wenn man als Verein viel Herzblut in die Ausbildung gesteckt hat. Auch bei der SG kommen die Spielerinnen aus allen möglichen Ecken, aber Landau hat einen guten Ruf, da gehen viele gerne hin.

Ihr schönstes Erlebnis mit der SG im Frauenfußball?

Näser: Als wir im ersten Jahr in die damalige Landesliga aufgestiegen sind. Da war die Mannschaft richtig top, auch beim Zusammenhalt. Eine schöne Zeit. 

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