Jugendfußball in Hessen hat wegen Corona noch viele Hausaufgaben zu erledigen

Eltern und Verein sollten das Gespräch suchen

+
Mannschaftskreis mit Trainer: Wann diese Nähe im Fußball wieder möglich ist, weiß niemand. Auf dem Trainingsplan steht derzeit Abstand mit Anstand halten

Kaum begonnene Altrunden, Aufsteiger ohne Ende, drohende Mammutligen in der Saison 2020/21: Der Jugendfußball in Hessen muss noch viele Hausaufgaben erledigen, um beim Verbandstag Mitte Juni praktikable Lösungen zu präsentieren.

Korbach - Im Fokus steht das Thema Aufstieg nach dem so gut wie sicheren Abbruch der laufenden Spielzeit. Gerungen wird um Sonderbestimmungen. „Wie gehen wir mit den Ligen um, die in der kommenden Saison aufgebläht werden müssten?“, fragt Waldecks Jugendfußballwart Joachim Schmolt, auch Mitglied im Verbandsjugendausschuss. 

In der Region Gießen/Marburg müssten sieben C-Jugend-Teams in die Gruppenliga aufsteigen, weil die Aufstiegsspiele entfallen. Das würde eine Runde mit 19 Teams nach sich ziehen. 

Nur vereinzelt sind bisher Qualifikationsrunden gespielt, Kreisligen daher noch nicht gestartet worden. Andernorts befindet sich die Runde im Frühstadium und bietet keine Basis, um Meister zu benennen. Im Kreis Hersfeld-Rothenburg liegen drei A-Junioren-Teams auch nach der Quotientenregelung gleichauf. 

Schmolt blickt entspannt auf  neue Saison

Relativ gelassen blickt Schmolt auf Waldeck und die Region Kassel. Im eigenen Kreis gibt es nur in der Kreisliga der C-Junioren ein auch nach Quotient „totes Rennen“ zwischen zwei Teams (JSG Diemelsee/Upland und JSG Edersee) und einem überflügelten Ersten (JSG Waldeck). Übergroße Gruppenligen erwartet Schmolt nicht. „Ich gehe davon, dass die ein oder andere Mannschaft verzichten wird.“ 

Das war in den Vorjahren stets so. Auch Rückzüge waren an der Tagesordnung. Auch die Frage nach dem Startzeitpunkt für die neue Saison bringt Schmolt nicht um den Schlaf: „Im Jugendbereich sind wir sehr flexibel.“ 

Diese Aussage würden alle Vereine sehr gern für ihre Nachwuchsarbeit übernehmen, aber die Hygiene-Regeln des Hessischen Fußballverbands lassen ihnen beim wieder erlaubten Mannschaftstraining hingegen nur wenig Spielraum. 

Bei der JSG Edersee kicken Kinder und Jugendliche aus acht Vereinen, die aus rund 30 Dörfern kommen. Schon in der coronafreien Zeit erfordert diese Spielgemeinschaft viel Aufwand und eine gute Organisation. 

Doch aus den HFV-Regeln, eine Fahrgemeinschaft ist vorerst verboten und Eltern dürfen sich während des Trainings nicht auf den Sportplatz aufhalten, zieht der JSG Edersee diese Konsequenz: „Wir trainieren nicht,“, sagt der JSG-Leiter Bernd Backhaus.

 „Wenn jedes Kind einzeln zum Training gebracht werden muss, die Eltern wieder nach Hause fahren und nach zwei Stunden wiederkommen müssen, macht das keinen Sinn.“ 

Außerdem stuft Backhaus momentan das Training als sportlich nicht sehr wertvoll ein, wegen den zahlreichen Verboten, wie etwa den Ball nicht in die Hand nehmen, kein Kopfball, kein Zweikampf. „Das hat dann nichts mehr mit Fußball zu tun.“ 

Backhaus weist trotz seiner Kritik aber daraufhin, dass er sehr viel Verständnis für all diese Regeln habe. „Wir nehmen die Corona-Krise sehr ernst.“ Der JSG-Jugendleiter deutet aber noch ein zweites Problem an, das die Wiederaufnahme der Trainingsarbeit schwieriger macht: „Durch den Saisonabbruch fehlt den Spielern ein Ziel, daher fangen wir erst nach den Sommerferien wieder mit dem Training an

Fehlende Motivation mangels Wettkampf befürchtet auch Volker Schnatz, Fußball-Abteilungsleiter des TSV Korbach, unter diesen eingeschränkten Trainingsbedingungen.

Die B-Junioren und das Seniorenteam des TSV steigen morgen wieder ins Training ein, die C- und D-Junioren folgen in der kommenden Woche.

„Wir werden zunächst aber immer nur mit einer Mannschaft auf dem Platz stehen“, betont Schnatz, der auch die B-Jugend des TSV trainiert. 

Trainer benötigen viel Helfer 

Schnatz und Backhaus sind sich auch darüber einig, dass der Trainingsablauf mit dem neuen Regelwerk des Verbandes mit einem oder zwei Übungsleitern nicht mehr zu leisten ist. Mehr als je zuvor sind nun Helfer in jedem Verein gefragt, sich als Co-Trainer, Desinfizierer oder Kontrolleur anzubieten.

Nach den Wochen des Stillstands ist es für Schnatz allgemein wichtig, dass Eltern und Verein wieder besser in Kontakt kommen. „Wir Trainer werden gerade mit einer Situation konfrontiert, die wir auch noch nie erlebt haben und wir wissen nicht, was die Eltern nun von uns erwarten, sie sollten mit uns das Gespräch suchen, haben sie Angst um ihre Kinder oder sind sie besorgt wegen anderer Probleme . Wir sollten gemeinsam überlegen, wie kommen wir wieder in die Gänge ohne die Kinder und die Trainer gesundheitlich zu gefährden.“

Sportlich bedeutet der Saisonabbruch für den TSV Korbach Aufstiegsmöglichkeiten für zwei Teams. Die B-Jugend wird vermutlich in der kommenden Saison Verbandsliga spielen und die A-Jugend in der Gruppenliga. Schnatz will dem aber nicht vorgreifen: „Wir sind weder Meister noch sind wir aufgestiegen. Der Verbandstag wird darüber entscheiden, aber natürlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass beide Teams eine Klasse höher spielen werden sehr groß.“

Sportlich und personell sollte das für beide Teams kein Problem darstellen, betont der Abteilungsleiter, aber niemand wisse heute, wie die Corona-Regelungen für die neue Saison aussehen werden. „Wir können nicht mit 15 Privatautos nach Fulda fahren.“  (mn/rsm)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare