Trainer hoffen auf Freundschaftsspiele

Jugendfußball: Trotz Abbruch der Saison kehrt die Ausgelassenheit zurück

Sie gehören zu denen, die wieder dürfen: Luca Kalabis (Mitte) und Laurin Brussmann von der JSG Edersee sind mit der C-Jugend wieder im Training.
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Sie gehören zu denen, die wieder dürfen: Luca Kalabis (Mitte) und Laurin Brussmann von der JSG Edersee (hier gegen Louis Grünert/VFL Kassel) sind mit der C-Jugend wieder im Training.

Ein wenig hatten sie gehofft – Jugendspieler, Eltern, Trainer. Doch der Hessische Fußballverband beschloss: Abbruch der Saison, ohne Wertung. Für alle. Und wie geht‘s jetzt mit den Junioren weiter?

Kinder unter 15 Jahren dürfen wieder ohne Kontaktbeschränkungen (draußen) trainieren. Ist für sie die Saison noch zu retten? In den Vereinen versuchen zumindest alle, das Beste aus der Situation zu machen. Spiele? nein. Kicken im Training? Ja. Immerhin.

Schade finden es alle, richtig die allermeisten. „Die Entscheidung ist folgerichtig“, sagt beispielsweise Christoph Klein, Jugendleiter beim TuSpo Mengeringhausen und in der JSG Twistesee. Seine Gedanken zeigen aber, was in vielen Trainer und Betreuern vorgeht: Sie wünschen sich, dass es doch eine Lösung gibt, um den Jungkickern so eine Art Wertkampf zu ermöglichen. „Unter normalen Umständen könnten wir morgen ein Spiel anpfeifen. Es ist dank der Aerosolforscher erwiesen, dass Fußballspielen mit Kontakt nicht das Problem ist“, sagt Klein. Er weiß aber auch: „In den Pausen, in der Kabine und im Auto lauern Gefahren. Man kann nicht kontrollieren, dass sich alle, Spieler, Betreuer und Eltern, immer hundertprozentig an alle Vorgaben halten; deshalb ist es sicherer, die Saison nicht fortzusetzen.“

Waldecker Jugendfußball: So sieht Plan B von jugendwart Schmolt aus

In Kleins Brust schlagen zwei Herzen – das ist auch bei Joachim Schmolt so. In der Sitzung mit den Jugendwarten aus den Regionen Hessens, die noch vor der Verbandssitzung des HFV stattfand, kam heraus, dass die Stimmung gemischt ist. So berichtet der Waldecker Jugendwart Joachim Schmolt, von einer vielseitigen Meinungspalette. Sie reiche von „Schön, dass ihr euch weiterhin Gedanken macht“, bis zu der Fassungslosigkeit, „wie könnt ihr jetzt noch über einen weiteren Spielbetrieb nachdenken“. Die große Mehrheit der hessischen Jugendwarte denke aber, dass es in dieser Saison für die Kinder und Jugendlichen keine Spielmöglichkeit mehr geben werde, erzählt Schmolt. Das sei auch in der HFV-Sitzung bekanntgegeben worden.

Sei’s drum. Der Blick geht nicht nur bei Schmolt nach vorne. Ziel: das beste draus machen. „Wir haben Plan B in der Schublade, und sobald die Inzidenzahlen es zulassen, könnten wir im Kinder- und Jugendbereich noch einige Spiele austragen“, sagt Schmolt. So könne man entweder den Ligabetrieb – die Spielpläne liegen ja vor – als Freundschaftsspiele fortführen oder neue Gruppen bilden.

Rückkehr auf den Platz: Die D-Jugend des TuSpo Mengeringhausen trifft sich nach der Lockerung der Corona-Regeln wieder zum Training.

Aufgeschlossen stehen dem nicht wenige heimische Jugendleiter und -trainer gegenüber. „Bei unserer C-Jugend sind alle hoch motiviert und sagen, sie haben kein Problem, bis zum Sommer voll zu trainieren, auch ohne Spiele. Aber wenn irgendwas möglich ist, sind wir sicher dabei“, sagt beispielsweise Noel Backhaus, die bei der JSG Edersee C-Junioren und C-Mädchen trainiert.

Auch Christoph Klein wünscht sich mehr als „nur“ Training. „Unsere Spieler sind froh, einfach wieder ihrem Hobby nachzugehen. Aber Wettkämpfe machen den Sport aus, auch wenn es nicht um Tabellenplätze geht“, sagt er. Seine Vorschlag: die Spiele der Punktrunden als Freundschaftsspiele stattfinden lassen.

Die Ausgelassenheit und die freudigen Gesichter der Kinder haben uns bewiesen, dass es richtig ist, wieder Training anzubieten.

Christoph Klein, Jugendleiter JSG Twistesee

Solche Ideen findet auch Frank Lange gut. Aber der Jugendleiter der JSG Friedrichstein tritt ein wenig auf Bremse. „Einen Freundschaftsspielbetrieb könnte man relativ schnell organisieren. Aber er ist von der Entwicklung der Inzidenzzahlen abhängig und davon, dass sich zum Beispiel die Testsituation an den Schulen verbessert. Derzeit wäre eine Umsetzung zu früh“, so Lange.

Joachim Schmolt überlegt sich auch Lösungen für mögliche Probleme von Freundschaftsspielen. „Wer auf weite Fahrten verzichten möchte, für den könnten auch regional begrenzte Gruppen zusammengestellt werden“, sagt der Edertaler. Dann könnten die Kinder vielleicht sogar mit dem Fahrrad zum Sportplatz radeln. Auch die Variante Einteilung nach Leistungsvermögen sei möglich, betont Schmolt, beispielsweise könne man in der D-Jugend die heimischen Gruppenligisten mit den führenden Teams der Kreisliga gegeneinander spielen zu lassen. „Es sind alle Ideen willkommen, nur von der Idee Turnierform sind wir weg, da wäre es schon schwierig, das Hygienekonzept einzuhalten“, sagt Schmolt.

Videokonferenz der Jugendleiter geplant

Eine Woche nach Ostern will Schmolt erneut die Jugendleiter der Vereine per Videokonferenz einladen und mit ihnen die Situation neu besprechen. „Es gibt keine Verpflichtung, für niemanden“, betont der Waldecker Jugendwart. Besorgten Eltern und Vereinsvertretern sagt er klar: „Spielen oder nicht spielen, das ist einzig und allein eure Entscheidung, die Gesundheit der Kinder steht immer im Vordergrund. Ich sage aber auch, bei entsprechenden Zahlen gibt es in den kommenden Wochen vielleicht auch Möglichkeiten, Spiele auszutragen.“

Und was sagen die Spieler selbst zum Abbruch der Saison. Lucas Schön, Torwart der B-Jugend des TSV Korbach findet den Abbruch „eigentlich richtig, weil die Infektionszahlen ja wieder steigen.“ Aber es sei auch schade, fügt er an: „Bei uns in der Mannschaft lief es gerade gut, als Fußball noch ging. Außerdem spielen wir alle das erste Jahr in der zweithöchsten Liga in Hessen, das ist selten hier im Kreis. Wenn so eine Saison wegen Corona ausfällt, ist es noch mal ärgerlicher. Ob eine Ausnahme für die Jugend gut gewesen wäre, in diese Frage bin ich zwiegespalten. Natürlich finde ich es immer gut, wenn wir in der nächsten Zeit Fußball spielen können, aber ich denke, dass die Gesundheit vorgeht.“

Weitere Stimmen aus den Vereinen

Frank Lange, JSG Friedrichstein: „Wer die Zahlen verfolgt, weiß, dass unter diesen Umständen richtiger Sport nicht sinnvoll ist. Aber es ist wichtig, dass wir wieder Training anbieten können für die, die es möchten. Das hilft den Kindern immens. Bei uns gibt es auch kaum Fälle, in denen die Eltern ihr Kind nicht zum Fußball schicken möchten.“

Noel Backhaus, JSG Edersee: Die älteren Spieler sind enttäuscht, dass sich nicht in großen Gruppen kicken dürfen. Aber die sind von der Schule her mittlerweile so viele Coronaregeln gewohnt, dass Verständnis da ist. Das Training erfordert mehr Aufwand, weil du je nach Altersklasse die über 14-Jährigen extra beschäftigen musst. Und bei uns fehlen einige Trainer, weil ihnen der Arbeitgeber verboten hat, Training zu machen. Zudem gibt es zwei, drei Elternpaare, die sagen: Mein Kind spielt unter diesen Umständen. Das akzeptieren wir.“

Christoph Klein, JSG Twistesee: Unser Trainingsbetrieb in Mengeringhausen läuft gut. Die Eltern bringen und holen nur die Kinder, halten sich an die Regeln. Ich hoffe, dass die neue Saison nicht erst nach den Sommerferien anfängt, Pause haben wir alle genug gehabt.“ (schä/rsm)

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