Zwischenbilanz und Ausblick

Kreisliga A: Trainer blicken auf Corona-Saison zurück – Mehrheit für Abbruch

Kommt die laufende Saison in der Kreisliga A zu Fall? Alle Trainer vermuten, dass die Spielzeit abgebrochen wird. Das Bild zeigt eine Szene aus dem Spiel SG Wellen/Wega gegen Blau-Gelb Korbach, in der der Wellener Torwart Timo Schäfer Kopf und Kragen gegen Samuel Ziegler und Gemil Berhik riskiert.
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Kommt die laufende Saison in der Kreisliga A zu Fall? Alle Trainer vermuten, dass die Spielzeit abgebrochen wird. Das Bild zeigt eine Szene aus dem Spiel SG Wellen/Wega gegen Blau-Gelb Korbach, in der der Wellener Torwart Timo Schäfer Kopf und Kragen gegen Samuel Ziegler und Gemil Berhik riskiert.

Fußball spielen ist so weit weg. Alle Trainer der Kreisliga A müssen schon ein wenig in ihren Erinnerungen kramen, bevor sie in die Analyse über die bisherigen Spiele ihrer Teams einsteigen können.

Korbach – Diese kleinen Gedächtnislücken sind verständlich, denn immerhin ist es schon fünf Monate her, dass die Saison am 25. Oktober nach dem 10. Spieltag unterbrochen wurde. Die Mehrheit der Übungsleiter befürwortet einen Abbruch.

Die Entscheidung will der Hessische Fußballverband am 27. März verkünden. Wir haben uns bei den Trainern umgehört, wie sie die bisherigen Spiele ihrer Mannschaft gesehen und mit ihr die lange Pause genutzt haben.

TSV Strothe
Einstelliger Tabellenplatz. Die Mannschaft von Trainer Torsten Mannweiler hat ihr Saisonziel bisher erreicht. Dass das Team als Tabellenführer überwintert, hat allerdings auch den Coach überrascht. Er erklärt sich diesen Höhenflug durch eine rege Trainingsbeteiligung und weil „wir personell zugelegt haben“. Da alle gut mitziehen, kann er auch taktisch besser arbeiten. „Wir können mittlerweile Dreier- oder Viererkette spielen“, erzählt der Coach. Sein Sohn Nico wird ihn künftig bei der Trainerarbeit unterstützen. Er kommt vom SV Freienhagen/Sachsenhausen und seine Rolle lautet: Spieler-Co-Trainer.

Die Corona-Zwangspause haben die Strother Kicker aber nicht mit Online-Trainingseinheiten oder Videokonferenzen überbrückt. „Wir haben aber Challenges gestartet, Laufen in Zweiergruppen, ansonsten halten wir Kontakt per WhatsApp oder Telefon.“ Natürlich möchte der TSV gern die Saison fortsetzen. Mannweiler: „Alle, die aufsteigen möchten, werden sagen, komm, lass uns fertig spielen, egal in welcher Klasse.“ Aber er weiß auch, dass sein Wunsch vermutlich unerfüllt bleibt

SV Ittertal
Wer soll diese Mannschaft aufhalten? Nach sechs Spieltagen mit sechs Siegen, kam diese Frage auf und die SG Rhoden/Schmillinghausen hatte eine Antwort darauf: „Wir! - 7:1!“ Durch das 2:3 gegen den Spitzenreiter TSV Strothe überwintern die Ittertaler auf Platz zwei. Trainer Sacha Lehmann ist mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden und hebt vor allem das gute taktische Gespür seiner Spieler hervor. „Wir haben von der Vierer- auf die Dreierkette umgestellt und ich hätte nie gedacht, dass das so schnell funktioniert.“ In der Corona-Pause habe er seinen Spielern Trainingsempfehlungen gegeben, Laufen, gymnastische Übungen. Alles auf freiwilliger Basis. Kontrolle lehnt Lehmann ab. Natürlich möchte auch der SV Ittertal weiter spielen, um sich die Chance auf den Aufstieg zu erhalten. Aber auch Lehmann glaubt eher an den Saisonabbruch.

SG Neukirchen/Sachsenberg
Dass sein Team auf Rang drei steht, überrascht sogar Spielertrainer Alexander Köster. „Wir hatten so viel Verletzungspech, aber andere sind dafür in die Bresche gesprungen.“ Die Situation „Not am Mann“ habe die Mannschaft auch taktisch gut kompensiert. „Wir haben das erste Mal mit Viererkette gespielt und das trotz der Ausfälle gut hinbekommen.“

Auch mit dem Offensivspiel ist der Coach weitgehend zufrieden, obwohl das Torverhältnis mit 20:19 eher negativ gedeutet werden könnte. „Wichtig ist, dass wir viele Torchancen heraus spielen, leider nutzen wir davon noch zu wenig.“ Während der Corona-Zeit hat das SG-Team allerdings mehr die Ruhe ohne Ball gelebt. „Wir haben nichts gemacht.“ Das klingt nach harter Vorbereitungszeit, aber Köster geht davon aus, dass die Saison abgebrochen wird.

SG Rhoden/Schmillinghausen
Das Team aus Nordwaldeck ist der eigentliche Spitzenreiter der Kreisliga A, obwohl es nur auf Rang vier steht. Die Mannschaft von Trainer Markus Steinbock hat mit Ittertal die beste Offensive (31 Tore) und mit dem TSV Strothe die stärkste Defensive (11) der Liga, aber ein Spiel weniger bestritten als die beiden Meisterschaftsanwärter. Diese Leistung ist hoch zu bewerten, weil der Kader nur aus 14 Spielern besteht. „Es darf bei uns nichts passieren, keiner darf im Urlaub oder krank sein oder eine rote Karte bekommen“, sagt Steinbock.

Nach dem Saisonstopp verordnete der Trainer seinen Spielern erst einmal Ruhe. Im Januar pries er das Laufen an. „Ohne Zwang, jeder kann machen was er will“, betont Steinbock, der auch nicht an eine Saisonfortsetzung glaubt. „Kreisoberliga mit diesem kleinen Kader wäre für uns gar nicht möglich.“

Die beiden Teams an der Spitze der Tabelle: Strothe (blaue Trikots) und Ittertal. Hier eine Szene aus dem Topspiel Ende Oktober: Die TSVler Luka Brandt (links) und Nico Mannweiler bejubeln den 3:2-Siegtreffer in der 93. Minute. SV-Torhüter Oliver Tent und Jonas-Dirk Kann sind bedient.

SG Nieder-Waroldern/Landau
Zwei Aufgaben standen für Christoph Klein, Trainer des Aufsteigers, vor der Saison im Mittelpunkt: Gut in der neuen Liga ankommen und fünf gut ausgebildete A-Jugendspieler im Team integrieren. „Beides ist uns gut gelungen.“ Seine Mannschaft war gerade dabei mit vier Siegen in Folge die Ernte der guten Trainingsbeteiligung einzufahren, da wurde sie von Corona gestoppt.

Doch sportlich ließ sich das Team von der Pandemie nicht aufhalten. Klein stellt seit Dezember seinen Spielern Wochenaufgaben per E-Mail, dazu zählen auch Übungen mit Ball oder Intervalltraining. Noch nicht so recht zufrieden ist Klein mit der taktischen Disziplin seiner Spieler. „Aber das ist jammern auf hohem Niveau.“

TSV Ehringen
Rang sechs ist für Oliver Löwenstein zu wenig. „Mit ein bisschen mehr Glück könnten wir auch auf Rang zwei oder drei stehen“, sagt der Coach, der das Team ab diesem Jahr nicht mehr mit Christoph Schäfer trainiert, der aus privaten Gründen aufgehört hat. Sein Nachfolger ist Sascha Cellarius. „Wir spielen uns viele Chance heraus, gehen damit aber zu großzügig um. Uns fehlt vorn ein Knipser“, sagt Löwenstein und beklagt, dass er selten zweimal dieselbe Aufstellung aufbieten kann. „Diese Zwangsrotation ist unsere größte Schwäche.“ Die Corona-Pause hat der Coach erst in diesem Monat aufgehoben. „Wir haben eine Lauf-Challenge gestartet und wir Trainer kontrollieren das auch.“

SG Goddelsheim/ Münden II
Den Start in die Trainerlaufbahn haben sich Björn Vesper und Sebastian Adolph anders vorgestellt. Sie sahen ihre Spieler nur selten auf dem Platz. „Durch das Verletzungspech auch in der ersten Mannschaft haben wir nicht die Ergebnisse erzielt, die wir uns vorgestellt hatten“, sagt Vesper. Das Positive in dieser Situation sei aber gewesen, dass alle Spieler zur Stange gehalten hätten.

Das Trainerduo war vor allem mit der Offensivleistung des Teams zufrieden, weniger mit dem Spiel gegen den Ball. „Da haben wir uns zu viele grobe Schnitzer geleistet“, meint Vesper. In der Corona-Pause haben die Coaches bisher zwei Lauf-Challenges organisiert. Einmal pro Woche findet ein Online-Training statt, das der Spielerrat organisiert.

Wir haben viel Wert auf die Defensivarbeit gelegt, in der Offensive hapert es allerdings noch.

Olaf Kubaink, SG Wellen/Wega

SG Waldeck/Netze
Trainer Oliver Dephilipp schwankt bei der Bilanz seiner Mannschaft zwischen zufrieden und unzufrieden. Die Punktausbeute (12) und die momentane Platzierung (8) ist für ihn in Ordnung, aber die weiterhin geringe Trainingsbeteiligung wurmt ihn. Dadurch fehlten hinten heraus Konzentration und Kondition, dadurch sei schon der eine oder andere Punkt verloren gegangen, sagt der Coach. Allerdings habe er kurz vor dem Saisonabbruch, das Gefühl gehabt, jetzt gehe es aufwärts. Darauf baut der Coach. In der Corona-Pause war es mehr oder weniger still innerhalb der Mannschaft. „Ich hoffe, dadurch ist die Lust auf Fußball bei meinen Spielern gestiegen.“

SG Wellen/Wega
Zufriedenheit strahlt Olaf Kubaink aus. Der Coach betreut eine trainingsfleißige Mannschaft. Und Übungseinheiten mit voller Kapelle, zahlten sich auch aus. Das Team hat nur zwölf Gegentore zugelassen, eins mehr als der Tabellenführer. „Wir haben viel Wert auf die Defensivarbeit gelegt, in der Offensive hapert es allerdings noch“, sagt der Coach. Auch in der Corona-Zeit waren die Spieler enorm fleißig. Mit einer Lauf-App hat der Coach 800 Kilometer vorgegeben und die hatte die Mannschaft bereits nach 13 Tagen geschafft. Derzeit nehmen die Spieler Kurs auf 1600 Kilometer. 22 Spieler seien mindestens zweimal gelaufen, sagt der Coach. „Ich bin schwer begeistert.“

Blau-Gelb Korbach II
Trainer Zekariya Akgoel ist dankbar um jeden Spieler. Allerdings fällt es ihm schwer, einen festen Stamm für sein Team zusammenstellen. Die Trainingsbeteiligung könnte besser sein, gibt der Coach zu. „Hinten heraus fehlt uns dadurch oft die Luft“, sagt Akgoel. Er und sein Team wussten aber, dass es gegen den Abstieg geht. „Ich bin deshalb mit der Leistung der Mannschaft zufrieden.“ Nach der Saisonunterbrechung herrschte innerhalb des Teams rund drei Monate Funkstille auch in der Whatsapp-Gruppe. „Aber jetzt sind einige Spieler ins Laufen gekommen“, erzählt der Coach, der seinen Kickern bewusst keinen Druck machen will.

TuS Bad Arolsen II
Der Mann für die Reservemannschaft heißt beim TuS schon seit Jahren Michael Rasch. „Ich bin nicht auf Leistungsdruck aus, sondern meine Aufgabe ist es eher, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, miteinander Spaß zu haben.“ Deshalb ist der Trainer mit Tabellenplatz elf zufrieden, aber nicht mit nur 13 erzielten Toren. Ehrgeiz und Spaß schließen sich für den Trainer nicht aus. „Ich will das fußballerische Potential der Jungs ausschöpfen.“ In der Pandemie-Pause hat die Mannschaft über die Whatsapp-Gruppe Kontakt gehalten. „Den ein oder anderen Spieler sehe ich auch beim Laufen.“ Er lässt in diesen Zeiten seinen Spieler die Freiheit, ob und wie sich sich bewegen wollen. Auch wenn die Saison fortgesetzt werden sollte, steht für Rasch nicht Abstieg oder Aufstieg im Mittelpunkt, sondern er sieht seine Hauptaufgabe darin, Verletzungen zu vermeiden.

Nach gutem Start folgten ein, zwei Niederlagen. Danach haben wir es nicht geschafft, uns der drohenden Abwärtsspirale zu entziehen.

Steffen Lotze, SG Vöhl/Basdorf/Werbetal

SG Vöhl/Basdorf/Werbetal
Drittletzter, aber noch kein Abstiegsplatz. Steffen Lotze stuft seine Mannschaft vom Leistungsvermögen her vier, fünf Plätze höher ein. „Wir hatten eine gute Vorbereitung, sind gut gestartet, aber dann haben wir es nach ein, zwei Niederlagen nicht geschafft, uns der drohenden Abwärtsspirale zu entziehen.“ Hier nimmt Lotze sein Team in Schutz, denn einige Fehler seien der Jugend geschuldet. Der Coach blickt trotz Tabellenplatz zwölf positiv in die Zukunft. Mit Online-Training wollte die Mannschaft die lange Pause nicht überbrücken. Lotze gab seinen Spielern lieber Trainingspläne an die Hand. „Eigenverantwortlich ohne Kontrolle“, betont der Coach.

VfR Volkmarsen II
Das Team steht auf einem Abstiegsplatz. „Trotzdem ziehen alle Spieler weiterhin im Training gut mit“, sagt Coach Chris Engler. „Natürlich sind wir mit dem bisherigen Saisonverlauf nicht zufrieden, aber ich kann trotzdem wenig negatives sagen.“ Ein Schwachpunkt sei das Spiel gegen den Ball und das taktische Verhalten. „Wir müssen lernen, auch mal nur mit einem Punkt zufrieden zu sein.“ Von Corana-Ruhe war im VfR-Team wenig zu spüren. Hier ist virtuelles Training, mit Workouts, Gymnastik angesagt. „Das macht den Jungs Spaß, auch wenn es langsam eintönig wird, aber jeder freut sich, dass man sich wenigstens mal auf dem Bildschirm sieht.“

TSV Odershausen
Das Verletzungspech hat die Mannschaft des TSV in den neun Spielen nicht losgelassen. „Diese junge Mannschaft ist der A-Liga durchaus gewachsen, aber diese Ausfälle zeigen, dass der Kader nicht breit genug ist“, sagt der scheidende Trainer Sezer Goenueltas. Er gibt aber zu, dass die Offensivleistung mit nur acht geschossenen Toren zu wenig ist, um sich in dieser Liga zu halten. In der lange Pausen haben sich einige Spieler durch Laufen fit gehalten. Wer die Nachfolge von Goenueltas antritt, ist noch ungewiss. (rsm)

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