Gewinner und Verlierer des neuen Modus

Kreisoberliga zur Halbzeit: Eintracht Edertal feiert, andere Teams schieben Frust

Eintracht Edertal : TSV Berndorf, Zweikampf zwischen Simon Heck und Jonas Querl.
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Als Eintracht Edertal am 8. August gegen den TSV Berndorf spielte (0:0), wussten Simon Heck (rechts) und (hinten) Maurice Senyigit noch nicht, wo die Reise hingeht. Am Ende der KOL-Hinrunde sprangen die Edertaler noch auf den Aufstiegsrundenzug - auch, weil die Berndorfer um Jonas Querl (links), Julian Jaeger (hinten rechts) gegen Konkurrent Freienhagen/Sachsenhausen eine Woche zuvor gewonnen hatten

Abgerechnet wird schon nach der Hälfte: Das gab es noch nie in der Kreisoberliga Waldeck. Im Frühjahr geht es dann mit aufgeteiltem Feld weiter. Nicht alle freuen sich darauf.

Der veränderte „Corona-Spielmodus“ sorgte bei einigen Begegnungen im Oktober und November für Finalcharakter. Und am Ende gab es Gewinner und Verlierer dieses Systems, es gab Effektivitätsmonster und Teams, die prestigeträchtige Punkte sammelten und nach 17 Spielen wussten: Sie waren vergeblich erkämpft, weil sie für den Rest der Saison nicht mehr zählen.

Jetzt wird alles auf Null gestellt – in der Aufstiegsrunde, in der alle die gleiche Chance haben. In der Abstiegsrunde ist für manche das Punktepolster so groß, dass Langeweile droht. Und für manche die Hypothek noch größer geworden als vor dem Cut.

Mannschaft der Hinrunde ist Eintracht Edertal. Am fünften Spieltag noch Schlusslicht, dürfen die 04er zwölf Spiele später sogar vom Aufstieg träumen. „Ein bisschen gefeiert haben wir schon“, gesteht Sebastian Brindöpke. Wenngleich er zugeben muss: „Es ist schon ungewohnt, sich über einen sechsten Platz so zu freuen. Aber es ist total geil.“ Der langjährige Spieler der Edertaler Eintracht, der nach der Trennung von Günter Klose das Team interimsweise übernahm, kann sich den plötzlichen Aufstieg gar nicht richtig erklären. Aber er sieht der zweiten Saisonhälfte nun gelassen entgegen, auch wenn es dann nichts zu feiern gäbe. „Wir gehen da so locker ran wie damals in der Gruppenliga-Aufstiegsrunde. Wir können nur gewinnen.“

Andere müssen sich daran gewöhnen, den zweiten Teil der Saison der Abstiegsrunde anzughören, obwohl sie mit dem Abstieg wohl nichts zu tun haben werden. Die SG Lelbach/Rhena etwa, die sich peu á peu in eine gute Angriffsposition zu Platz sechs gespielt hatte und letztlich nur am Direktvergleich mit Edertal scheiterte; der SC Willingen II etwa, der nach starkem Saisonstart und durchwachsener „Mitte“ ebenfalls bis zum letzten Hinrunden-Spieltag in Schlagdistanz zu Platz sechs lag und sieben Punkte streichen mus – Höchstwert unter allen Teams.

Andreas Josefiak, Trainer der SV Freienhagen/Sachsenhausen

Oder die SV Freienhagen/Sachsenhausen, die seit dem sechsten Spieltag immer mindestens Siebter war. „Wir sind ein Stück weit enttäuscht, weil wir uns die Aufstiegsrunde gewünscht hätten. Aber wir müssen nüchtern feststellen, dass wir gegen die Top fünf nur drei Punkte geholt haben. Dann hast du es vielleicht auch nicht verdient“, sagt SV-Trainer Andreas Josefiak. Es habe sich gezeigt, dass es ohnehin noch Zeit brauche, um die Mannschaft weiter zu entwickeln.

Am bittersten ist die Halbserie zweifelsohne für den TuS Bad Arolsen verlaufen, der bis zum elften Spieltag immer unter den Top drei zu finden war, dann aber im gesamten Oktober bis zum vorigen Sonntag keine Partie mehr gewann

Der Oktober sei selten ein guter Monat für Arolser Fußballer gewesen, sagt Carsten Strippel halb ironisch, halb gelassen. Der TuS-Vorsitzende hat nach dem letzten Spiel des Jahres keine Untergangsstimmung bei der Elf von Trainer Torsten Mähl ausgemacht. „Es war nicht unser Ziel, unter die ersten Sechs zu kommen, wir können damit leben, allerdings war dieser komplette Einbruch nicht schön“, so Strippel, der aufgrund des Umbruchs im Team die Abstiegsrunde für „besser für die Entwicklung“ hält.

Abstiegsrunde: SG Bad Wildungen und SG Edertal höchst effektiv

In der Abstiegszone dürfen der TuSpo Mengeringhausen II und Blau-Gelb Korbach ihren erspielten Punkte zwar allesamt behalten, aber bei nur vier beziehungsweise zwei Zählern sind die Chancen auf den Klassenerhalt minimal, vor allem, wenn mehr als zwei Teams absteigen müssen (maximal vier sind möglich).

Die FSG Buchenberg/Ederbringhausen hatte sicher vorgestern noch auf das 5:5 für die SG Höringhausen gehofft. Sie hatte Eintracht Edertal seinerzeit im letzten Spiel von deren Trainer Günter Klose 1:0 besiegt – diese drei Punkte fehlen ihr jetzt ebenso wie die achtbaren Remis gegen Korbach und Wesetal. Der Abstand zum Viert- und Fünfletzten beträgt in der bereinigten Tabelle schon sieben Zähler. „Die aufzuholen ist definitiv nicht einfach, aber keinesfalls unmöglich“, sagt Marvin Brussmann. Der spielende Trainer der FSG trauert neben dem anfänglichen Verletzungspech auch dem fehlenden Spielglück nach: In vielen Spielen habe man sich für gute Leistungen nicht mit Punkten belohnen können. „Dass die drei Punkte vom Eintracht-Spiel jetzt auch noch rausfallen, passt da einfach ins Bild.“

7 statt 12: Spielertrainer Marvin Brussmann geht mit der FSG Buchenberg/Ederbringhausen mit fünf Punkten weniger in die Abstiegsrunde.

Die SG Edertal, eigentlich nur zwei Punkte vor der FSG, hat sich eine bessere Position verschafft, weil sie alle 14 Zähler behalten darf. Seine Truppe sei, vielleicht auch wegen der langen Pause, sehr spät aufgewacht, habe aber ein gutes letztes Drittel der Hinserie gespielt, sagt Edertals Coach Mathias Siebert. „Wir können nun das Ziel Klassenerhalt aus eigener Kraft noch schaffen. Das haben uns selbst die eigenen Fans vor der Saison so nicht zugetraut.“

Hingegen müssen die SG Eppe (minus drei) und der TSV Berndorf (minus sechs) einige abgeben. „Da wo wir müssen, punkten wir auch“, hatte Carsten Laun von der SG Bad Wildungen/Friedrichstein II im Laufe des Herbstes gesagt. Und in der Tat: Die SG spielte maximal effektiv, geht mit 20 von 20 Punkten ins Frühjahr. (Dirk Schäfer)

Terminkonferenz noch vor Weihnachten

Wann geht’s im neuen Jahr weiter in der Kreisoberliga? Diese Frage treibt nicht wenige Trainer um. Sie sollen demnächst Bescheid wissen, verspricht Klassenleiter und Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann. Noch vor Weihnachten wolle er zu einer Videokonferenz einladen, auf der das grobe Terminraster besprochen werden solle. Laut Rahmenterminplan würden am 6. oder 13. März 2022 Auf- und Abstiegsrunde starten. Ziemlich früh, da einmal nur zehn, einmal elf Spieltage abzuwickeln sind; Zeit dafür hat die KOL bis zum 11./12.Juni.
Grob gibt es zwei Optionen: Später anfangen und den Rahmen ausschöpfen; oder früh anfangen und früh aufhören und damit die Saison vielleicht am Pfingstmontag (6. Juni) mit den Finals im Waldecker Pokal beschließen. (mn)

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