Vorstand der SG Bad Wildungen findet Fußballstopp notwendig, rügt aber Disziplinlosigkeit

Neuhaus: Hygienekonzept konsequenter leben

Sportliches Brachland: Corona stoppt den Fußball bereits zum zweites Mal
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Sportliches Brachland: Corona stoppt den Fußball bereits zum zweites Mal in diesem Jahr und man darf gespannt sein, wann der Ball in den hessischen Amateurklassen im kommenden Jahr wieder rollt.

Korbach – Sie ist wieder zurück – diese Ruhe auf den Sportplätzen am Sonntagnachmittag. Corona hat den Fußball einmal mehr vom Feld gejagt. Sportlicher Stillstand. Ein Widerspruch in sich. Wir haben einen Trainer, einen Funktionär und einen Spieler gefragt, wie sie mit dieser erneuten Leere umgehen.

Auch das beste Hygienekonzept hat den erneuten Lockdown im Amateurfußball nicht verhindert. War damit die ganze Arbeit der Vereine für Katz?

Michael Neuhaus verneint diese Frage. Das Hygienekonzept sei gut, wir alle müssten es nur leben und zwar mit der letzten Konsequenz, sagt der Vorstand des Gruppenligisten SG Bad Wildungen/Friedrichstein.

„Wenn ich etwa an die Zone 3 des Konzepts denke, dort stehen die Zuschauer, dann muss ich einfach sagen, dass hier einiges schief gelaufen ist.“ Ihm fehle das Verständnis für diejenigen, die behaupten, sie akzeptierten durchaus Abstände, aber auf dem Sportplatz interessierten sie ihn nicht. „Wir als Verein können von unseren ehrenamtlichen Ordern nicht verlangen, dass sie die Oberaufseher spielen und die Zuschauer ständig zurechtweisen.“

Neuhaus hofft darauf, dass der Lockdown Teil II für den einen oder anderen dieser Unverbesserlichen nochmals eine Lehre sein wird. Denn sie vermissen ebenfalls die sonntägliche Unruhe auf dem Sportplatz.

Belastungen fast wie im Profifußball 

Aber auch auf dem Trainingsplatz ist vorerst in den kommenden vier Wochen diese Ruhe zu beobachten. Jede Amateurmannschaft hat im November Trainingsverbot. Sport ist nur zu zweit erlaubt und die Ligaspiele könnten erst wieder am 1. Januar fortgesetzt werden. Das würde eine Vorbereitungszeit in der Advents- und Weihnachtszeit bedeuten. Eigentlich ein Unding.

Kristian Willeke hofft, dass er 2021 seinen Spielern mehr Regeneration anbieten kann.

„Das wird auch nicht passieren“, sagt Kristian Willeke, Trainer des Kreisoberligisten SG Adorf/Vasbeck. „Wo wollen wir denn in dieser Zeit spielen, das geben die Plätze doch gar nicht her.“

Er rechne frühesten damit, dass die Vorbereitung Ende Januar beginnen und die Saison Anfang März fortsetzt werden könne. Vermutlich wieder mit vielen englischen Wochen.

Die enorme körperliche Belastung zu Saisonbeginn mit Pokal- und Ligaspielen und einer zu kurzen Vorbereitungszeit sehen zahlreiche Trainer als ein Grund für die vielen Verletzten in ihrem Kader an.

Davon war auch die SG Adorf/Vasbeck mit dem Ausfall von gleich neun Stammspielern betroffen.

Nach Ansicht von Willeke liege die Ursache dafür aber nur bedingt an der etwas zu kurz geratenen Vorbereitungszeit, hauptsächlich sei es eine körperlichen Überbelastung gewesen.

Dafür sprächen auch die vielen Muskelverletzungen. „Für uns Amateurspieler war es eine Belastung, die der von Profivereinen ähnelt, Spiele am Sonntag, Mittwoch, Training Dienstag, Freitag, Spiel Sonntag. Das waren schon grenzwertige Zeiten als es im Frühjahr wieder losging.“

Welchen Lehren zieht Willeke aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns für die Zeit nach dem zweiten?

„Ich denke, wir sollten frühzeitiger mit der Vorbereitungszeit beginnen, damit wir während der anstrengenden Wochen keine Kondition mehr bolzen müssen, sondern uns dann vor allem auf die Regeneration konzentrieren können.“

Wenn der Ball schwerer wird.... 

Die fußballerische Ruhe gewohnt ist hingegen Matthias Bott, Spieler des Verbandsligisten SC Willingen. Er hat in dieser Saison zunächst auf das Fußballspielen verzichtet, weil er Vaterfreuden entgegensah und wegen Corona die Gesundheit seiner Frau und des ungeborenen Kindes nicht gefährden wollte.

Dann wurde er Ende September Papa einer Tochter und war gerade wieder auf einem guten Rückweg in den Kader. Aber nun folgt für ihn auf die lange Babypause eine Zwangspause.

Der 27-Jährige bedauert diese fußballerische Vollbremsung zwar, aber er nimmt diese Situation auch sportlich und mit einer Prise Humor: „Es ist schade, dass der Fußball nun ausfällt, aber ich habe ja jetzt eine gute Alternative gefunden, mit der ich mich rund um die Uhr beschäftigten kann.“

Bott muss eine Zeitlang darüber nachdenken, ob ihm der Fußball immer noch genauso wichtig ist wie vor der Geburt seiner Tochter. Er findet eine diplomatische Antwort: „Beides in Einklang zu bringen ist natürlich schöner, aber mit einen Kind verändert sich der Blick auf gewisse Dinge.“

Matthias Bott war ein halbes Jahr ohne Fußball. Nun dauert die Trennungsphase noch länger.

Der Mittelfeldspieler mit dem feinen Fuß gibt aber auch zu, dass er den Fußball schon vermisst habe. Das ist für ihn mehr als nur gegen eine Lederkugel zu treten. „Ich habe auch die Teamkollegen und die Trainer vermisst, wir verbringen drei Abende in der Woche zusammen und einen Teil des Wochenendes, da wächst man zusammen, ist befreundet.“ Er ist auch nicht als Zuschauer im Uplandstadion aufgetaucht. „Ich wollte nicht in Versuchung geraten.“ Bott betont aber, dass er den Kontakt zur Mannschaft über andere Wege gehalten habe.

Bott, der seit Kindesbeinen Kicker ist, hatte sich bisher noch nie für ein halbes Jahr vom Fußball getrennt. Diese Abstinenz musste er mit Anlaufschwierigkeiten bezahlen, die er selbst nicht vermutet hätte. Im Spiel gegen Dörnberg Ende September war der Personalmangel beim SCW so groß, dass sich Bott als „Notnagel“ auf der Bank wiederfand. Er wurde in der 63. Minute eingewechselt, „ich war der Mannschaft aber keine Hilfe“.

Er hatte nach sechs Monaten das erste Mal wieder den Ball am Fuß und der war plötzlich nicht mehr sein Freund: „Ich dachte, verdammt noch mal, was ist mit dem Ball los, der ist ja schwer.“ Auch einem Techniker kann das Ballgefühl abhanden kommen. Bott wird es bestimmt wiederfinden. Das braucht Zeit. Deshalb kommt diese Ruhe auf dem Sportplatz zumindest Bott gelegen. (rsm)

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