DIE PIONIERINNEN waren nur gegen Korbach chancenlos

50 Jahre Frauenfußball: Als Ursula Ullrich das Premierentor für Mengeringhausen schoss

Die erste Frauenfußball-Mannschaft des TuSpo Mengeringhausen mit Trainer Willy Hoffmann im Jahr 1972.
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Die TuSpo-Auswahl der ersten Stunde: Trainer Willy Hoffmann mit den Spielerinnen (von links) Inge Jäger, Marianne Pallagst, Erika Pallagst, Ursula Ullrich, Berti Scholz, Anette Jäger, Ingeborg Merhoff, Hildegard Balk, Ilse Klein, Gisela Rauch und Marianne Beck.

Als die Fußballfrauen des TuSpo Mengeringhausen zu ihrem ersten Punktekick auf dem gefürchteten Hartplatz an der Stadthalle aufliefen, waren sie bloß Außenseiter.

Sie machten aus dieser Rolle viel. 1:1 endete das Duell gegen den VfR Volkmarsen, und Ursula Ullrich schoss das erste Tor. Die Begegnung am 22. April 1972, am dritten Spieltag der im selben Jahr gestarteten ersten Bezirksklassen-Saison für die Frauen in Nordhessen, war ein Ereignis. Allemal für die Beteiligten.

Dass es Frauenfußball beim TuSpo überhaupt gab, hat viel mit Willy Hoffmann zu tun. Der damalige zweite Vorsitzende war sozusagen der Gründungsvater. Sein Sohn Bernd, heute erster Vorsitzender des Vereins, berichtet: „Im Ort gab es viele fußballbegeisterte Frauen, deshalb entschied sich mein Vater dazu, dieses Projekt in Angriff zu nehmen.“

Eine der Mengeringhäuser Debütantinnen war Ursula Ullrich. „Ich habe schon in meiner Kindheit unheimlich gerne Fußball gespielt“, erzählt sie, „als ich dann gefragt wurde, ob ich mitspielen möchte, habe ich natürlich zugesagt.“ Schnell fanden sich knapp 20 Frauen zum regelmäßigen Training zusammen. „Im Sommer trafen wir uns auf dem Fußballplatz und selbst im Winter trainierten wir in der Sporthalle“, so Ullrich.

Ursula Ullrich heute. Früher war sie Torjägerin beim TuSpo Mengeringhausen. 1972 schoss sie das erste Tor der Frauenmannschaft.

Die Motivation der Frauen war groß. „Sie spielten wirklich gut und hatten viele Talente“, erzählt Hoffmann. Die 1996 erschienene Chronik zum 50-jährigen Bestehen des Vereins spricht von „durchaus erfolgreichen Zeiten mit vielen Erfolgen und Turniersiegen“.

1972 gehörte der TuSpo zu den Gründungsmitgliedern der Bezirksklasse Kassel. Ullrich sagt: „Wir konnten viele der Mannschaften schlagen und hatten Freude am spielen.“ Die Tabelle zur Halbzeit der ersten Saison weist Mengeringhausen als Dritten aus.

TuSpo Mengeringhausen: Hartplatz als echter Heimvorteil

In den Heimspielen hatte das Team aus der Fachwerkstadt einen Verbündeten: ihren Ascheplatz. „Auf dem Hartplatz Rote Erde hatten wir große Heimvorteile“, erzählt Ullrich. Die gegnerischen Teams hätten oft Schwierigkeiten gehabt, die tippenden Bälle richtig einzuschätzen.

Die Erfolge lockten viele Zuschauer an die Stadthalle. „Selbst einige Männer schauten sich unsere Spiele an“, betont Ullrich. Darunter auch der junge Bernd Hoffmann, damals Torwart der Männermannschaft. „Die Frauenabteilung hatte im Verein einen hohen Stellenwert und wurde akzeptiert. Die Heimspiele waren daher immer sehr gut besucht“, sagt er.

Alle Unterstützung von draußen reichte jedoch nie, um den großen Rivalen aus Korbach zu schlagen. „Der SV 09 war immer unser Angstgegner. Wir haben es nie geschafft, auch nur einen Punkt gegen sie zu erspielen“, erzählt Ursula Ullrich.

Mengeringhäuser Frauenteam existierte vier Jahre

Im Herbst 1972 hörte die Stürmerin mit dem Fußball auf. Sie erwartete ein Kind. „Sie haben mich gefragt, ob ich später wieder mitspielen wollte, aber das habe ich zeitlich nicht mehr geschafft.“ Zum Zuschauen kam sie aber weiterhin zu den Heimspielen. „Die Zeit habe ich mir genommen. Ich bin dann mit dem Kinderwagen an den Platz gefahren und habe das Team vom Spielfeldrand unterstützt.“

Ursula Ullrich war nicht die Einzige, die dem Spiel den Rücken kehrte. „Nach und nach haben die Frauen geheiratet und sind weggezogen. Irgendwann gab es nicht mehr genug Spielerinnen“, erinnert sie sich. So blieb der Frauenkick nur eine Episode im TuSpo: 1976 meldete der Verein die Mannschaft ab. (sk)

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