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Das Team ohne Chef: Philipp Schwedes über Mengeringhausens gelungenen Klassenerhalt

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Half in der Rückrunde mit, den Laden hinten dicht zu halten: Der Mengeringhäuser Innenverteidiger und Kapitän Philipp Schwedes (Mitte).
Half in der Rückrunde mit, den Laden hinten dicht zu halten: Der Mengeringhäuser Innenverteidiger und Kapitän Philipp Schwedes (Mitte). © malafo

Seit 2010 spielt er in Mengeringhausen. Er Jetzt geht er nach Dörnberg. Aber nicht als Absteiger. Der Kapitän Philipp Schwedes erklärt, wie der TuSpo den Ligaerhalt geschafft hat.

Ein Klassenerhalt ist eigentlich mehr wert als eine Meisterschaft. Wer erst im letzten Spiel die Liga erhält, blickt auf eine Saison zurück, die voll von Problemen war, das können Verletzungspech, spielerische, konditionelle, taktische Schwächen, fehlender Teamgeist, Streitigkeiten innerhalb der Mannschaft und vieles mehr sein. An all diesen Schwierigkeiten doktern Trainer, Spieler ständig herum, damit die Spielergebnisse endlich besser werden. Da heißt es, Rückschläge ins Positive umwandeln. Ein Meister erzählt hingegen meist, wie gut, harmonisch und problemlos diese Saison verlaufen ist.

Die Fußballer des TuSpo Mengeringhausen haben den Klassenerhalt in der Gruppenliga erst am letzten Spieltag perfekt gemacht – aus eigener Kraft. Stellvertretend für die Mannschaft ist Philipp Schwedes unser Kopf der Woche, und wir haben den Kapitän (26) gebeten, Worte zu finden, für diese schwierige, aber letztendlich auch tolle Saison.

Philipp Schwedes: „Lunge auf dem Platz gelassen“

Die Hinrunde war zum Weglaufen. 13 Punkte nach 16 Spielen. Mengeringhausen, wie willst du das denn noch schaffen? Gründe gab es zu diesem Zeitpunkt genug, um in Hektik zu verfallen, doch das Trainer-Duo Andre Gutmann und Marcel Schilling, der erst im August für Oliver Hintschich kam, gab die Marschroute „Ruhe bewahren“ aus.

Diese Haltung zahlte sich aus, denn in der Rückrunde holte das Team 26 Punkte in 16 Spielen. Wie konnte es soweit kommen? Wer nun Wunderdinge von Trainerseite in der Winterpause erwartet wie etwa neue taktische Eingebungen oder magische Griffe in die Psychotrick-Tasche, wie etwa Teambuildung-Workshops mit Seeblick, wird enttäuscht. „Es waren eher die einfachen fußballerischen Dinge, die wir besser gemacht haben“, sagt Schwedes und meint damit vor allem eine läuferische Steigerung. „Die Jungs haben ihre Lunge auf dem Platz gelassen.“ Die bessere Beinarbeit minderte auch die Zahl der Gegentore. 42 waren es in der Hinrunde, 20 in der Rückrunde.

„In der Hinrunde haben wir versucht, vieles taktisch zu regeln, Systemumstellungen, die klappten aber nicht so gut, wegen der vielen Verletzten.“ Die Rückkehr der verletzten Spieler sei ebenfalls ein wichtiger Grund für die gute Rückrunde. Außerdem habe der ein oder andere Spieler seine Position gefunden, auf der er seine Stärken besser ausspielen konnte. Daraus ist eine recht stabile Achse entstanden, mit Nico Müller und Philipp Schwedes in der Innenverteidigung, Sven Schwedes als Sechser und Dominik Lüdtke als Zehner. „Das gab unserem Spiel vor allem in der Defensive viel Sicherheit“, betont Schwedes.

Die TuSpo-Kicker entwickelten in Rückrunde ein Wir-können-die-Null-halten-Gefühl. Das war wichtig, denn die Chancenverwertung ließ auch weiterhin zu wünschen übrig. „Dass wir viele Dinger versieben, ist doch schon TuSpo-Tradition“, sagt Schwedes mit einem Lächeln.

TuSpo Mengeringhausen: Klassenerhalt auch dank der A-Junioren

Der Kapitän kann so etwas sagen, obwohl er in Wolfhagen groß geworden ist und mittlerweile in Kassel wohnt, denn er kickt mit seinem Bruder Sven (22) schon über zwölf Jahre in Mengeringhausen. Der Papa habe sie damals zum TuSpo gebracht, nachdem der FSV Wolfhagen keine ältere Jugendmannschaft mehr hatte. „Mein Vater fand das Auftreten der TuSpo-Jugendmannschaft damals sympathisch.“

Nun trennen sich die Wege, die Schwedes-Brüder wechseln zum FSV Dörnberg. „Es ist Zeit für neue Impulse. Als ich in der A-Liga anfing, habe ich nie gedacht, dass ich mal Gruppenliga spielen werden und jetzt wird es sogar Verbandsliga.“

Der Klassenerhalt sei auch ein großer Verdienst der A-Junioren Moritz Föll (Torwart), Tim Sommer, Marlon Paul und David Föll, betont Schwedes. „Diese Jungs haben sofort die Qualität bei uns erhöht, das habe ich in der Form bei A-Jugendlichen bisher noch nicht gesehen. Ohne die hätten wir das nicht geschafft.“ Hat dieses junge Quartett auch Hierarchien in der Mannschaft zu Fall gebracht? „Nein, bei uns gibt es keinen Chef, ich bin als Kapitän auch kein Lautsprecher, wir haben eine flache Hierarchie in der Mannschaft.“

Durch den nervenaufreibenden Abstiegskampf habe die Mannschaft in ihrer Entwicklung einen großen Schritt nach vorn gemacht, meint der Kapitän. „Bisher hat uns immer die Gier und die letzte Entschlossenheit gefehlt, das Spiel auf unsere Seite zu ziehen.“

Sollte es der TuSpo in der kommenden Saison tatsächlichen schaffen, sich vom Abstiegskampf mal fern zu halten, wird das beim TuSpo alle freuen, aber vielleicht werden sie auch dieses Kribbeln vermissen. Schwedes weiß wie sich das anfühlt: „Es war schon eine geile Rückrunde, das würde ich auch sagen, wenn wir abgestiegen wären.“ (Reinhard Schmidt)

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