Spielertrainer und Physiotherapeut Thomas Schmidt über alte Haudegen, die Kälte und wieso er für frühe Absagen ist

Fußball bei Frost: „Es gibt noch Irre in kurzen Hosen“

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Hofft bald wieder, wie hier auf dem grünen Rasen in Höringhausen kicken zu können: Spielertrainer Thomas Schmidt (links, Höringhausen/Meineringhausen), hier im Zweikampf mit Eugen Ruf (Eintracht Edertal) und beobachtet von seinen Teamkollegen Sven Martin (Zweiter von links) und Jan Drebes sowie Sebastian Brindöpke (hinten). 

Höringhausen. Wie die derzeitige Kältewelle das Fußballtraining beeinflusst, wieso er für mehr Kunstrasenplätze und frühzeitige Spielabsagen im Winter ist, sagt Thomas Schmidt, Spielertrainer des Kreisoberligazweiten SG Höringhausen/Meineringhausen, im Interview.

Sie sind im Hauptberuf Physiotherapeut. Macht es bei der derzeitigen Kältewelle Sinn, am Wochenende Fußball zu spielen, Herr Schmidt?

Thomas Schmidt:Nein, vor allem auf unserem Niveau nicht. Es wäre gut, wenn die Klassenleiter oder der Hessische Fußballverband bei so einem Wetter Spiele gleich absetzen würden, was für alle Beteiligten viel angenehmer wäre, als wenn mit Ach und Krach zwei Partien durchgezogen werden und sieben ausfallen. Man muss diesbezüglich auch mal daran denken, dass wir Hobbysportler sind. Und wenn jeder unserer Spieler sich bis Sonntagmorgen freihalten muss, obwohl es wegen der Kälte eh danach aussieht, dass so ein Spiel wie unsere Partie am Sonntag in Meineringhausen gegen Korbach II ausfallen wird, dann gehen die Jungs am Samstagabend nicht weg und können nicht feiern. Sie ärgern sich dann wie am letzten Sonntag, als unser Nachholspiel in Meineringhausen gegen Sachsenhausen ausfiel, weil der Platz gefroren war, dass sie nicht weg waren.

Deswegen wäre es gut, dass bei einer so langen Kälteperiode wie jetzt, grundsätzlich schon frühzeitig alle Spiele abgesagt werden und wir alle so unsere Wochenenden besser planen könnten. Ansonsten sind die individuellen Platzbesichtigungen okay.

Welches sind für Sie aus Trainersicht im Winter die größten Probleme?

Schmidt:Die Plätze. Das Problem bei unseren Plätzen ist, dass du durch die Unebenheiten auf vielen Stellen bei jedem Schritt umknickst und das Verletzungsrisiko sehr viel größer ist. So ist ein Spieler aus unserer zweiten Mannschaft unglücklich weggeknickt und hat sich den Mittelfuß gebrochen. Das Problem sind bei so einer Kälte aber nicht nur die Böden, sondern auch die Luft, weil man beim Sport nicht nur durch Nase, sondern auch durch den Mund atmet. Dadurch zieht dann die kalte Luft ungefiltert in die Lunge und trocknet die Schleimhäute aus. Das ist das Fatale, bei so einem Wetter zu spielen. Wichtig ist deshalb, dass man ausreichend trinkt. Aber sonst kann man auf die Atmung keine Rücksicht nehmen. Es sind ja auch keine 35 Grad draußen.

Was ändert sich in Ihrer Vorbereitung durch die Kälte?

Schmidt: Wir laufen teilweise im Dorf oder trainieren, wenn wir Zeiten bekommen, im athletischen Bereich in der Halle. Wir haben zwar immer mal wieder auf dem Platz trainiert, aber vorsichtig und ohne Zweikämpfe. Wir haben auf dem Platz rein im konditionellen Bereich gearbeitet, sodass man sich auf seine Schritte beim Laufen konzentrieren konnte. Gut ist, dass wir durch die Spielgemeinschaft mit Meineringhausen auch ein paar Zeiten auf dem Korbacher Kunstrasenplatz haben, da haben wir auch zwei unserer Vorbereitungsspiele ausgetragen. Dass es bei uns Mannschaften in der Liga gibt, die kein Vorbereitungsspiel machen konnten, weil ihr Platz nicht bespielbar war, ist natürlich schlecht für diese. 

Es wäre schön, wenn es deshalb mehr Kunstrasenplätze im Landkreis gebe. Dann würden auch nicht so viele Spiele ausfallen, obwohl die Kicks auf dem Kunstrasen natürlich andere Fußballspiele sind.

Können Sie wegen der Kälte das Trainingspensum herunterfahren oder geht das nicht, weil am Wochenende 90 Minuten zu absolvieren sind?

Schmidt: Genau das ist das Problem. So kann man das am Trainingspensum nicht variieren, egal ob draußen + oder -15 Grad sind.

Gibt es Spieler, die trotz der Kälte das Training in kurzen Hosen absolvieren, und schicken Sie diese als gelernter Physiotherapeut nach Hause?

Schmidt: Auf unserem Niveau hat man solche Irren immer dabei, die sagen, dass sie harte Hunde sind, denen kann man auch nichts erzählen. Diese alte Haudegen hat es schon immer gegeben und die gibt es jetzt auch noch. Aber die Spieler sollten sich natürlich mit langen Hosen und langem Oberteil vernünftig kleiden, gerade wenn man im Training zusammensteht und taktische Dinge bespricht, damit man da nicht auskühlt.

Wie sehr hoffen Sie auf besseres Wetter und Wärme?

Schmidt:Sehr. Dann steigt auch die Motivation bei den Spielern. Denn wenn man sich vorstellt, dass die Jungs, die bei uns alle kein Geld kriegen, sich derzeit fünfmal in der Woche abends im Dunkeln auf dem Sportplatz oder in der Halle quälen, weiß man, dass das denen derzeit keinen Spaß macht. (jh)

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