Torwartteam von Michael Wolf steht mit umfangreichem Hygienekonzept wieder auf dem Sportplatz

Rückkehr ins Training: Nicht auf den Rasen spucken!

Erstes Training des Torwarttaems Korbach nach zwei Monaten Corona-Stillstand 
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Umstrittener Einsatz: Trainer Marijan Ilic desinfiziert dem Nachwuchstorwart David die Handschuhe. Die Flüssigkeit zerstört allerdings die Oberfläche der Handschuhe .

Endlich wieder Training! Aber anders. Wegen Corona kein Umziehen oder Duschen in der Kabine. Alle Nachwuchskeeper, die zur Übungseinheit des Torwarttrainerteams von Michael Wolf auf den Kunstrasenplatz in Korbach gekommen sind, steigen bereits in voller Montur aus den Autos ihrer Eltern,

Korbach – Die Eltern dürfen nun nicht mehr mit auf den Platz. Die meisten fahren wieder heim. Acht Torleute bedeuten auch acht Autos, denn in Fahrgemeinschaften anzureisen ist vorerst ebenfalls nicht mehr erlaubt.

Sogar die Spieler werden auf ihrem Weg zum Kunstrasenplatz von einem Seil gestoppt, das Wolf dort wie eine zu tief hängende Wäscheleine angebracht hat. Daran baumeln vier in Folie eingeschweißte Papiere, die als Hinweisschilder dienen.

Sicherheitszone auf dem Platz einrichten

Auf dem ersten versichert das Trainer-Quintett Michael Wolf, Markus Grymel, Jörg Kreiselt, Marijan Ilic und Carina Bangert, dass sie alle Materialien, die sie für die Trainingseinheit benutzen, vorher desinfiziert haben.

Diese Aufgabe ist kein Pappenstiel, die mal eben so nebenbei erledigt werden kann, denn es müssen rund 40 Bälle, einige Ringe, Stangen und etwa 180 Hütchen mit der Flüssigkeit besprüht und mit einem Lappen oder Papiertuch abgewischt werden. Wegen dieser Zusatztätigkeit waren die Coaches bereits eineinhalb Stunden vor Trainingsbeginn auf dem Platz.

Sicherheitszone: Hinter dieser Leine, dürfen sich nur die Trainer und die Spieler aufhalten.

Auf dem zweiten Schild wird schriftlich festgehalten, welcher Trainer für welche Desinfektion der Utensilien zuständig ist. Die dritte Tafel benennt die Hygienebeauftragten im Trainerteam: Marijan und Jörg.

Die Aufschrift auf dem vierten Schild klingt gefährlich und wer das erste Wort liest, denkt dabei eher an den Eingang in ein Atomkraftwerk: Sicherheitsbereich - nur für Trainer und Torhüter. Die acht Nachwuchskeeper überqueren das Seil. Endlich in fußballerischer Freiheit! Weit gefehlt, denn die Trainer weisen sie sofort in die sogenannte Sicherheitszone. Das ist ein rechteckiges Fleckchen Erde auf dem Spielfeld nahe der Eckfahne. Hier liegen 13 Gymnastikreifen auf dem Boden im Abstand von 1,5 Metern und in jedem Ring liegt ein Papier, auf dem der Name des jeweiligen Torhüters oder Trainers steht.

In diesen Kreis kann jeder seine Trinkflasche auf der ebenfalls der Name stehen sollte und andere persönliche Sachen abstellen. Und in jeder Trainingspause sollen die Spieler wieder in ihren Ring steigen. Wer den Platz verlässt sollte wieder Mundschutz tragen. So, jetzt noch schnell die Handschuhe desinfizieren oder mit Wasser und Seife waschen, dann ist es nach der Einweisung tatsächlich soweit: Endlich wieder Torwarttraining nach fast zwei Monaten Stillstand.

Herren der Ringe: Jeder Teilnehmer hat beim Training des Torwartteams ein runde Zone für sich, in die er seine Trinkflasche oder die Sporttasche ablegen kann.

Doch als der Ball rollt, können die Kicker und ihre Trainer Corona nicht komplett aus dem Spiel nehmen. Auch hier kommen neue Regeln auf sie zu, die vermutlich noch schwieriger einzuhalten sind als die vorherigen. Es ist nämlich zugleich ein Training um bewusster mit Handlungen umzugehen, die vom Unterbewusstsein gesteuert werden.

Wer denkt im Training schon daran, seinen Mitspieler nicht zu berühren, sich selbst nicht ins Gesicht zu fassen und nicht auf den Rasen oder in die Handschuhe zu spucken? „Vor allem das Spuck-Verbot ist schwer einzuhalten, ich habe mich auch einmal dabei erwischt, dass ich kurz davor war, es zu tun“, gibt Coach Ilic nach dem Trainingsauftakt zu.

Die jungen Torhüter scheinen zu wissen, was für sie hier auf dem Spiel steht. Disziplinlosigkeit könnte ihnen diese Trainingsmöglichkeit sofort wieder nehmen. Die Trainer müssen in den eineinhalb Stunden nicht einmal die sogenannte Stopp-Funktion anwenden. Falls ein Coach, aber auch ein Spieler während des Trainings einen coronarelevanten Regelverstoß bemerkt, soll er laut Stopp rufen, danach würde der gesamte Trainingsablauf unterbrochen, das Fehlverhalten angesprochen und wenn möglich korrigiert werden. „Dabei fällt kein böses Wort“, versichert Wolf. Es gehe nur darum, falsches Verhalten jedem klarzumachen. 

Überstunden wegen Corona: Für Trainer bedeutet die Wiederaufnahme des Trainings Mehrarbeit. Dazu zählt nicht nur das Desinfizieren der Bälle, das hier Michael Wolf (links) und Marijan Ilic übernehmen.

Wolf ist nicht nur als Trainer ein sehr akribischer Arbeiter, er stellt diese Lust auf Genauigkeit bis ins kleinste Detail auch in dem von ihm erarbeiteten Hygienekonzept unter Beweis. Er hat sogar ein Arbeitsheft für sein Konzept erstellt, besser hätte es der Deutsche Fußball Bund in einem Vorzeigevideo auch nicht darstellen können. Wolf steht im Großen und Ganzen hinter den Vorgaben des Hessischen Fußballverbands, einzig der Punkt „Torwarthandschuhe desinfizieren“ findet er unsinnig, weil die scharfe Flüssigkeit die Oberfläche der Handschuhe zerstöre. Die mögliche Alternative dazu, Waschen mit Seife empfindet er genauso abwegig, weil nasse Handschuhe das Torwartspiel störe und negativ beeinflusse. 

Wolf wird allerdings auch auf Menschen treffen, die sein Hygienekonzept für maßlos übertrieben halten. Denen entgegnet er: „Wir als Trainer haben in Corona-Zeiten eine noch größere Verantwortung und wir sollten alles dafür tun, dass die Trainingsarbeit nicht wieder verboten wird.“ 

Vereinstrainer brauchen Hilfe

Der Coach gibt aber zu, dass er es mit seinem Team noch relativ leicht habe, das Konzept umzusetzen, fünf Trainer betreuen neun Spieler. „Ein Vereinscoach mit 20 Kindern kann die Traineraufgabe plus das Einhalten des Hygienekonzepts nicht allein erfüllen, er benötigt dafür mehrere Helfer.“ Für die Torhüter war diese Trainingseinheit mit ungewohnten Laufwegen und Regeln in Ordnung. 

Einzig die Anzahl der Pausen könnten wieder weniger werden. Sie wollen alle wiederkommen, obwohl vieles heute sehr ernst ablief. Wolf macht ihnen Mut: „Das wird hier wieder lockerer, wenn sich alles besser eingespielt hat.“ (rsm) 

Das Torwarttrainerteam um Michael Wolf stellt das von ihnen erarbeitete Hygienekonzept auch anderen Trainern und Interessierten kostenlos als PDF zur Verfügung. Mailadresse: mwk-torwarttraining.de

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