Klassenunterschied selten zu sehen

SC Willingen bietet Gladbacher U23 Paroli und verliert unglücklich 0:1

Das Bild links zeigt Per Lockl (Gladbach) gegen Nick Bärenfänger (vorn) und Christian Kuhnhenne.
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Immer nah dran am Gegenspieler: Die Gladbacher Spieler hatten es schwer gegen die Willinger gute Aktionen zu kreieren. Das Bild zeigt Per Lockl (Gladbach) gegen Nick Bärenfänger (vorn) und Christian Kuhnhenne.

Willingen – Diese Ruhe auf der Bank fasziniert. Heiko Vogel, Trainer der U23 von Borussia Mönchengladbach zeigt 90 Minuten lang keine äußerliche Regung, dass er verärgert ist über das Spiel seiner Mannschaft.

Sie bringt gegen den zwei Klassen tiefer spielenden SC Willingen wenig sehenswertes auf den Rasen. Der 1:0-Sieg gegen den Verbandsligisten entschädigt den Coach auch nicht. Er verhält sich im Spiel wie ein Lehrer, der seinen Schülern tagelang die Lektion beigebracht hat und nun müssen sie bei der Klassenarbeit ohne Hilfe zeigen, wie gut sie den Lernstoff beherrschen.

Der Regionalligist hatte zuvor sechs Tage lang sein Trainingslager in Willingen aufgeschlagen, mit intensiven Einheiten. Vogel nimmt seine Kicker nach dem Spiel nur einmal kurz halbherzig in Schutz: „Viele Spieler waren müde.“ Müdigkeit entschuldige aber die gezeigte Leistung nicht, betonte der Borussen-Coach: „Wir hatten kein Tempo, kaum Ideen und haben auch viele technische Fehler gemacht.“

Dann nimmt Vogel seine Jungs indirekt doch noch mal in Schutz: „Die Willinger haben es allerdings auch sehr gut gemacht.“ Ein Lob, das der Coach nicht nur so daher sagt, um dem Gastgeber zu schmeicheln.

Heine, Vogel & Co haben den Gladbachern tatsächlich Probleme bereitet, nachdem sie die Ehrfurcht nach rund 20 Minuten aus ihrem Spiel nahmen und dafür mutiges Auftreten einwechselten.

Albers verpasst die Führung

Die Willinger sind in diesem Spiel auch taktisch ein gutes Team. Die Trainervorgabe, recht hoch verteidigen, gelingt in vielen Szenen. Zwar erarbeiten sie sich nur wenige Torchancen, diese sind dann aber gefährlich. Die größte tut sich in der 35. Minute nach einem Eckball auf. Heines Kopfball prallt von der Latte zurück, der Ball fällt Jan Albers vor die Füße, die Torlinie ist so nah, aber Albers verstolpert diese Gelegenheit.

Dann packt Torjäger Heine handlungsschnell seine Schlitzohrigkeit aus und versucht es aus 35 Metern mit einem Heber, der Ball geht knapp am Tor vorbei.

Mehr Vertrauen in das eigene Können, fordert anfangs auch immer wieder der neue Willinger Trainer Dardan Kodra . Der Coach, der das Team mit dem beruflich verhinderten Rainer Schramme diesmal allein betreut, ist das genaue Gegenteil seines Trainerkollegen Vogel.

Der 27-Jährige steht während des gesamten Spiels an der Linie und gibt Kommandos, meist kurz, prägnant, zielgerichtet, hilfreich. Er mag klare Ansagen.

Valdrin Kodra gibt nur kurzes Debüt

„Heute musste ich viel kommunizieren, weil wir mit einer Dreierkette gespielt haben, die wie auffüllen wollten auf Vierer- oder sogar Fünferkette. Wir sind da erst am Anfang, aber wenn wir das hinbekommen, dann macht uns das viel variabler.“ Kodra lobt auch die Leistung der jungen Spieler. Pech hatte allerdings sein Bruder Valdrin, dessen Debüt im Willinger Trikot nur zehn Minuten dauerte. „Ihm war schwindlig“, sagt der Coach.

Nachdem Wechsel findet zunächst ein viertelstündiger Abnutzungskampf im Mittelfeld statt. Keine Torchance für keinen. Zeit für den Beobachter darüber zu sinnieren, wem man sich im Gladbacher Team auch in der Bundesliga vorstellen könnte. Eigentlich kommt bei der heutigen Leistung nur der Australier Jacob Italiano (19) in die engere Auswahl, ein technisch starker Zehner mit Tempo. Das überraschende Führungstor holt einen zurück zum Spiel. Die Gladbacher haben sie endlich einmal über links bis zum finalen Schuss von Lukas Boeder (65.) gut durchkombiniert.

Wer nun vermutet hat, dass die Willinger mit ihren vielen jungen Spielern nun einbrechen werden, der bekommt etwas anderes zu sehen. Die Gastgeber agieren weiterhin konzentriert, diszipliniert und fahren gegen Ende der Partie sogar noch einige gute, Offensivaktion, durch Heine und Yasin Dogan, die aber etwas zu hektisch abgeschlossen werden.

Übrig bleibt für die Willinger Kicker eine Niederlage, die sich auch ein wenig wie ein Sieg angefühlt hat.

Jakob Italiano (Gladbach) wird von den Willinger Eric Kroll (vorn) und Sören Vogel gedoppelt.

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