Verteidiger der SG Goddelsheim/Münden im Interview

Steffen Butterweck: „Wir hätten Vorlauf gebraucht“

Steffen Butterweck (rechts), Verteidiger der SG Goddelsheim/Münden.
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Eng am Mann: Steffen Butterweck (rechts), Verteidiger der SG Goddelsheim/Münden.

Die Termindichte, die der Fußball gerade seinen Amateuren zumutet, macht vielen Mannschaften zu schaffen und provoziert Verletzungen. Steffen Butterweck, Verteidiger beim Gruppenligisten SG Goddelsheim/Münden, sieht das Problem nicht so sehr in den Englischen Wochen.

Goddelsheim - Der 28 Jahre alte Spieler findet, es hätte längerer Vorlauf gebracht, bevor die Amateure sich nach der Coronakrise intensiv in die Vorbereitung stürzten., Die Lichentenfelser sind eines der Teams, das durch eine Reihe von Verletzungen geschwächt worden ist.

Herr Butterweck, wie geht’s Ihnen gerade?
Gut, aber die Belastungen durch den Sport spürt man auch im Alltag.
Sie haben seit dem 23. August acht Punkt- und drei Pokalspiele in den Beinen. Welche Folgen hat diese Beanspruchung?
Man kann die Trainingseinheiten nicht mehr mit Vollgas bestreiten und nur bedingt Leistung bringen, wenn man jeden dritten Tag ein Spiel hat. Auch im Alltag spürt man das, ich bin körperlich müder als sonst. Das liegt vielleicht auch am Alter.
Sie sind mit 28 im besten Fußballalter.
(lacht). Meine beste Zeit hatte ich mit 23, 24 Jahren, heute habe ich auch ein paar Kilo mehr drauf als damals. Auch dass ich mal am Knie operiert wurde, merke ich immer wieder, auch wenn ich akut keine Verletzung habe.
Mannschaftskollegen von Ihnen hatten da mehr Pech, sie fallen teils Monate aus. Zeitweise fehlten der SG mehr als ein halbes Dutzend Spieler. Ist das Fußballprogramm in dieser Dichte zumutbar?
Ja. Die Problematik sehe ich mehr in der Zeit, als Kontaktsport wegen Corona untersagt war. Da wurde wenig bis gar nicht trainiert. Mit Beginn der Vorbereitung wurde dann die Belastung von 0 auf 120 Prozent hochgefahren, sie blieb mit Saisonstart wegen der Englischen Wochen beständig hoch. Wir hätten zwei, drei Wochen Vorlauf gebraucht, um uns an die Belastung zu gewöhnen.
Der Fußballer hätte doch zum Beispiel regelmäßig joggen können.
Ja, das habe auch ich gemacht. Das reicht aber nicht, weil die Fußball-spezifische Belastung durch Sprints, abrupte Richtungswechsel oder Zweikämpfe eine andere und viel höher ist.
Welche Möglichkeiten haben die Trainer?
Sie haben eigentlich nur die Möglichkeit, innerhalb der Mannschaft zu rotieren. Damit haben wir, wegen der vielen Verletzten und weil wir auch den Spielbetrieb für zwei Mannschaften aufrechterhalten wollen, ein Problem.
Corona beeinflusst die Saison bereits, auch wenn in Waldeck bisher gotttlob lediglich Verdachtsfälle gemeldet wurden. Haben Sie die Sorgen, dass es zu einem neuerlichen Fußball-Lockdown kommen könnte?
Die Sorge habe ich aus fußballerischer Sicht nicht, denn Priorität hat aus meiner Sicht die Gesundheit der Menschen. Wenn die Entwicklung so käme, müsste sie der Fußball hinnehmen.
Auch Spieler, Trainer, Offizielle sind gefordert, beim Sport Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Tun sie es?
Es sind aufwändige Hygienekonzepte erstellt worden, und die Spieler versuchen sich daran zu halten. In Training und Spiel kann man natürlich die Kontakte nicht vermeiden. Insgesamt, aber da kann ich nur für die SG Goddelsheim/Münden sprechen, sind die Spieler gewillt, die Regeln einzuhalten.
Zum Sportlichen: Die SG hat schon 24 Gegentore erhalten. Woran liegt das?
Ein Grund sind die individuellen Fehler, die wir abstellen müssen. Der zweite: Wir verteidigen als Mannschaft noch nicht so kompakt, wie wir sollten. Ein Schlag ins Kontor war natürlich das schwache Spiel gegen Edermünde mit allein sieben Gegentoren.
Am Sonntag hat die SG mit 2:3 in Hertingshausen verloren. Dabei hatte sie mit mindestens einem oder sogar drei Zähler geliebäugelt. Nehmen Sie die Enttäuschung über so ein Ergebnis mit nach Hause oder ist es mit Abpfiff gut?
Das beschäftigt mich schon sehr. Oftmals lese ich am nächsten Tag keine Zeitung, um mich nicht noch mal aufzuregen. Gerade nach einem Spiel wie gegen Schwalmstadt ärgert man sich über ein Eigentor in letzter Minute. Gut, wenn dann mittwochs ein Spiel ist und man sich darauf fokussieren kann.
Wenn man auf die Tabelle der Gruppenliga schaut, stecken alle Waldecker Mannschaften im Abstiegskampf. Das geht schon über mehrere Spielzeiten so. Ist der Waldecker Fußball im Vergleich mit dem Schwalm-Eder-Kreis nur bedingt konkurrenzfähig?
Zwar ist das fußballerische Niveau in Waldeck etwas niedriger als im Kreis Kassel oder im Schwalm-Eder, aber einzelne Mannschaften sind schon konkurrenzfähig. Ich bin davon überzeugt, dass wir als SG Goddelsheim/Münden das Potenzial haben, unter den besten vier Mannschaften mitzuspielen. Auch die SG Bad Wildungen, Altenlotheim oder Mengeringhausen haben das Zeug für die Liga. Worum wir alle nicht so in die Spur oder in Tritt kommen, kann ich leider nicht so recht sagen.

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