Gruppenligist kaum noch vor Abstieg zu retten

SV Freienhagen/ Sachsenhausen sucht nach dem Wohlfühlmoment

Trainer Andreas Josefiak (links) und Angelo Micino von der SV Freienhagen/Sachsenhausen
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Seite an Seite: Für die Trainer der SV Freienhagen/Sachsenhausen, Andreas Josefiak (links) und Angelo Micino, wird es schwer, das Team in Gruppenliga zu halten.

Wer im Fußball nichts sagen will, der sagt: Wir denken nur noch von Spiel zu Spiel. Doch so denken Andreas Josefiak und Angelo Micino nicht.

Freienhagen/Sachsenhausen – Dabei hätten die Trainer der SV Freienhagen/Sachsenhausen einige Gründe, die ihnen die Sprache verschlagen könnten, wenn sie auf die Zahlen blicken, die ihre Mannschaft in der laufenden Gruppenliga-Saison eingespielt hat:Nur einen Punkt aus zehn Spielen geholt, dabei lediglich sechs Tore geschossen und 36 Gegentreffer bekommen.

Mit jeder dieser Ziffern würde das Team das Tabellenende zieren und das rettende Ufer ist für die Mannschaft bereits elf Punkte entfernt. Trotzdem herrscht im SV-Lager keine Endzeit- sondern eher eine ständige Aufbruchsstimmung. Das liegt auch am Blickwinkel, mit dem eine Mannschaft auf ihr Tun schaut: „Wir Trainer haben immer gesagt, die Gruppenliga mit diesem schmalen Kader ist für uns eine sehr schwierige Aufgabe. Daher lautet unser Ziel: Egal, wo wir in der Tabelle stehen, wir wollen uns ständig fußballerisch weiterentwickeln und möglichst viel in dieser Liga lernen. Daher ist auch diese Saison für uns kein verlorenes Jahr“, betont Josefiak.

„Wir sind alle sehr unaufgeregt“

Diese Sicht auf die Dinge beuge auch einem Selbstzerfleischungsprozess innerhalb der SV und der Mannschaft vor. „Wir sind alle sehr unaufgeregt.“ Auch wenn man sich nur ungern mit ihm einlässt, ist der Abstiegskampf für den jungen Trainer Josefiak eine wichtige Erfahrung. „Man muss mehr darauf achten, dass die Motivation nicht verloren geht und auch die Stimmung in der Mannschaft kann leichter kippen, als wenn man oben mitspielt.“

Aber auch ein Abstieg kann ein Anfang sein. Doch so weit sind sie hier noch nicht. Für den Coach kam der Zeitpunkt der Saisonunterbrechung ungelegen. „Wir waren auf einem guten Weg, hatten erfolgreich an einigen Fehlern gearbeitet, auch unsere Spiele waren besser.“

Josefiak glaubt nicht, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann, nur die Hinrunde zu absolvieren, hält er für möglich. Die beste Option für die Spielvereinigung wäre aber ein Saisonabbruch, der das Team bereits in der vergangenen Saison vor dem wahrscheinlichen Abstieg gerettet hat. Doch einem weiteren geschenkten Klassenerhalt steht Josefiak diesmal kritischer gegenüber.

Und seine Antwort darauf belegt, dass ihm das Ziel, jeden seiner Spieler besser zu machen, mehr am Herzen liegt als eine bestimmte Ligazugehörigkeit. „Wir müssen uns fragen, wie es weitergehen soll. Und ich weiß nicht, ob der Klassenerhalt diesmal ein guter Weg für uns wäre, vielleicht wäre es besser, einen Schritt zurückgehen und dort zu spielen, wo wir uns mit diesem Kader fußballerisch wohler fühlen. Zu viel verlieren tut keiner Mannschaft gut.“

Josefiak betont aber, dass er immer noch an den sportlichen Ligaverbleib glaube und er in der Frage, freiwilliger Abstieg, niemanden vorgreifen möchte. Das sei natürlich eine gemeinsame Teamentscheidung.

Ein Stürmchen wieder zum Sturm machen

Für den Weg, besser eine Liga tiefer zu spielen, sprechen ebenfalls einige Zahlen. Auch ein Schlusslicht sollte stets konkurrenzfähig sein. Dem SV-Stürmchen von sechs erzielten Toren steht ein TuSpo Mengeringhausen als Vorletzter gegenüber, der bereits 25 Treffer erzielt hat.

„Wir haben halt keinen klassischen Torjäger, aber uns ist es schon schwergefallen Chancen zu kreieren“, erzählt der Trainer und nimmt damit die gesamte Mannschaft in ihrer Arbeit mit dem Ball in die Verantwortung. Der Druck, das Tor zu machen sei in der Gruppenliga höher, weil die Gegner viel weniger Gelegenheiten erlaubten würden.

Während die körperliche Fitness in der Mannschaft stimme, sieht der Coach bei einigen seiner Kicker vor allem noch taktische Defizite. „Was uns oft gefehlt hat, war nicht das technische Können, sondern wir haben dem Gegner zu viel Raum gelassen und in bestimmten Situationen die Ordnung verloren, falsch gestanden. Das nutzen die guten Teams der Liga aus.“

Fußball wird nicht nur mit Schuhen, sondern auch viel mit dem Verstand gespielt. Wer fußballerisch denken kann, hat Vorteile. Auch hier wünscht sich das Trainerduo von seinen Kickern ein wenig mehr. „Wir haben oft dieselben Fehler gemacht, obwohl wir sie angesprochen und im Training darauf eingewirkt haben“, sagt Josefiak und bemängelt bei einigen die volle Konzentration im Training. „Jeder sollte sein Potential nicht nur im Spiel, sondern vor allem auch in jeder Trainingseinheit abrufen.“

Von der Mitmachrolle zum Macher

Nach dieser monatelangen Pause könnte es sein, dass eine Mannschaft sogar das Training wieder trainieren muss. Die Kicker der Spielvereinigung haben sich seither als Mannschaft nur noch virtuell am Bildschirm getroffen. Die Trainer bieten per Videoschaltung dort Workouts und Challenges (Laufeinheiten) an.

Dabei rutscht ein Spieler immer mal wieder von der Mitmachrolle in die des Machers. Jeder soll auch eine Fitnesseinheit ausarbeiten. „Das klappt gut und kommt auch gut an“, erzählt Josefiak. „Das ist für manche schon eine Herausforderung, aber dabei kann sogar der Trainer noch etwas lernen.“

Wenn der Hessische Fußballverband nun die Spielervereinigung fragen würde, wie es mit der angefangenen Saison weitergehen soll, welchen Weg würde Josefiak wählen? „Wir waren einer der ersten Mannschaften überhaupt, die gesagt haben, wir spielen nicht mehr. Das Problem liegt dabei nicht einmal auf dem Platz, sondern in den Kabinen.“ Solange das nicht geklärt sei, sei es nicht sinnvoll, sich Gedanken über das Weiterspielen zu machen.“ rsm

Fotostrecke: Szenen aus der „Corona-Saison“ der Gruppenliga

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