Beim 1. FSV Mainz 05 arbeitet Willingens Ex-Coach als Scout

Trainer „Schorsch“ Niglis und sein  besonderes Näschen

+
Ein starkes Team beim Fußball-Erstligisten FSV Mainz 05: (von links) Andre Hechelmann, Chef-Scout der Rheinhessen, Rouven Schröder, Sportvorstand des Fußball-Bundesligisten,und Scout Georg Niglis.

Georg Niglis hat eine zweite Karriere als professioneller Scout gestartet.

Olsberg. Er hat immer ‘nen Spruch auf den Lippen. Er kennt im Fußball beinahe jeden, so scheint es. Und beinahe jeder kennt ihn, auch wenn er schon längere Zeit nicht mehr im Waldecker Land wirkt: Georg Niglis. Der „Schorsch“ aus Olsberg-Wiemeringhausen hat nach Beendigung seiner Trainerlaufbahn mittlerweile eine zweite Karriere als professioneller Scout beim Bundesligisten FSV Mainz 05 gestartet. Wie in früheren Jahren bleibt Niglis’ Näschen dabei weiter kein Talent verborgen. Jetzt ist der mittlerweile 63-Jährige im Ruhestand – auf die faule Haut legt er sich aber nicht.

Die Fußballplätze dieser Welt faszinieren den B-Lizenz-Inhaber schon lange. „Ich war unter anderem schon in den Niederlanden, Österreich, Belgien, Ungarn und 2017 bei Besiktas Istanbul in der Türkei. Das war ein emotionaler Moment, ein ganz besonderes Erlebnis, da Besiktas damals Meister geworden ist. Was im Stadion abging, habe ich noch nie erlebt“, erinnert sich Niglis.

Schon während seiner Trainerlaufbahn war Georg Niglis regelmäßig als Scout unterwegs. So baute er sich ein sehr gutes Netzwerk auf, das für diesen Job enorm wichtig ist. „Ich war in Deutschland schon in jedem Stadion und habe auch europaweit die großen Arenen gesehen. Da lernt man immer wieder neue Leute kennen.“

Einst Trainer von Rouven Schröder 

Bereits in den 1990er-Jahren begann Niglis bei Borussia Mönchengladbach im Jugendbereich Spieler zu beobachten. Weitere Stationen waren Bochum, Greuther Fürth, Bremen und jetzt Mainz 05. Die Kontakte zu diesen Vereinen sind hauptsächlich über den gebürtigen Arnsberger Rouven Schröder zustande gekommen, der nun als Sportvorstand beim FSV tätig ist. „Rouven habe ich damals in Meschede trainiert. Danach, als er beim MSV Duisburg und beim VfL Bochum in der 2. Liga gespielt hat, habe ich oft Spiele von Rouven beobachtet. So ist unser Kontakt nie abgebrochen“, so Niglis.

Das Scouting beginne mit der Sichtung von Spielern, die vom Mainzer Chefscout Andre Hechelmann und von Sportvorstand Schröder vorgegeben werden. Neben den Berichten geben die Scouts auch Empfehlungen ab. „Am Ende entscheidet aber immer unser Sportvorstand Rouven Schröder wie es weitergeht“, erklärt Niglis.

Aufgrund der Coronakrise erlebt Niglis derzeit eher ruhige Tage. Ansonsten erwarten den Schalke-Fan pro Woche im Schnitt zwischen fünf und sieben TV-Scoutings und zwei Live-Scoutings, auch international. Hauptsächlich ist der Hobby-Radfahrer für die Profis in den oberen Ligen sowie für die Spiele der U19-Bundesliga zuständig.

„Mittlerweile ist die Technik so weit, dass man über ein System jedes Spiel am Fernsehen verfolgen kann. Das System ermöglicht, diese Spieler gezielt zu beobachten und die Statistiken auszuwerten. Auf die gefertigte Analyse kann jeder aus der Scouting-Abteilung digital zugreifen. Insgesamt sind wir sechs Scouts, die sich dann auch live in den Stadien ein Bild machen, wenn der Spieler weiter für Mainz 05 interessant ist“, erklärt Niglis.

Aufgrund der Coronagefahr ist gegenwärtig vieles zum Erliegen gekommen. „Schorsch“ Niglis ist sich sicher: „Da wird in den nächsten Wochen noch einiges auf die Vereine, Profis und Amateure zukommen.“

Mit SCW zweimal in die Oberliga

Wolfgang Paul holte Ende der 1980er-Jahre „Schorsch“ Niglis als Co-Trainer zum SC Willingen. Der größte Erfolg des Duos war 1990 der Aufstieg in die Oberliga Hessen, der damals dritthöchsten Spielklasse in Deutschland. 1995 schaffte Niglis dann als allein verantwortlicher Trainer mit dem SC Willingen den erneuten Aufstieg in die Oberliga Hessen. Mit der damaligen Aufstiegsmannschaft sollte eigentlich im Frühjahr eine kleine Jubiläumsfeier stattfinden, die aber aufgrund der Coronakrise erst einmal abgesagt worden ist. Außerdem coachte Niglis unter anderem den Oberligisten FC Ederbergland und stand zuletzt bis 2016 neun Jahre als Coach beim SV Brilon an der Seitenlinie. „Nach mehr als 36 Jahren war es an dann der Zeit, sich von der Trainerbank zu verabschieden“, teilt Niglis mit. „Es war eine schöne und erfolgreiche Zeit, die ich niemals missen möchte.“ hh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare