Trainer, Spieler und Eltern befreien sich in Bad Wildungen selbst aus misslicher Lage

Erst mähen, dann kicken

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Hand in Hand: Da die Stadt Bad Wildungen den Rasen im Stadion nicht gemäht hatte, mussten Trainer, Eltern und Jugendspieler der JSG Friedrichstein die Graslänge in Eigenregie kürzen.  Foto: malafo

Bad Wildungen. Was machen die denn da? Diese Frage hat sich vielleicht manch einer gestellt, der am vergangenen Samstag einen Blick in das Wildunger Stadion geworfen hat.

 Man sah dort eine Fußballmannschaft und sieben Erwachsene hart landwirtschaftlich arbeiten.  Will hier etwa der Trainer Torsten Nölke seinen D-Jugend-Kickern die Fußallbegriffe „ummähen“ oder die „Sense herausholen“ praktisch näher bringen? Nein, will er nicht. Diese Aktion wurde aus der Not heraus geboren.

Hochwasser hat den Fußball in diesem Sommer schon öfters zur Strecke gebracht, nun wäre er fast über Hochgras gestolpert. Das hat Nölke und seine Mannschaft von der JSG Friedrichstein mit dieser Agrarleistung verhindert. Der Zufall wollte es so, dass der Coach viel früher als sonst üblich zum Stadion gefahren ist, weil er vor dem Spiel gegen die JSG Edertal im Vereinsheim noch einen Computer installieren wollte.

Er wirft einen Blick auf den Platz, herrlich grün, aber trotzdem unbespielbar, denn aus ihm ragen bis zu zehn Zentimeter lange Grashalme heraus. Das ist Gift fürs Passspiel, da rollt kein Ball in gewohnter Länge. Warum ist der Platz nicht gemäht, fragt sich Nölke und schon ist er auf dem Weg zum Schuppen, wo der Rasentraktor steht. Selbst ist der Mann! Doch der Traktor ist nicht da, nur zwei Handrasenmäher.

Nölke flucht und legt los. 70 x 50 Meter warten auf ihn - macht summa summarum 350 Quadratmeter. Hoffentlich kommen die Spiele bald...

Den Rasen auf dem Fußballplatz kurz zu halten ist in der Badestadt eigentlich eine städtische Aufgabe. Das hat immer geklappt, denn Bernd Schiffhauer war stets die Zuverlässigkeit in Person. Doch der langjährige Hausmeister des Stadions ist kürzlich in den Ruhestand gegangen.  Und sein Vertreter vom Bauhof habe sich an diesem Wochenende freigenommen, teilte Hans-Jürgen Kramer, Mitarbeiter des Wildunger Bauamts mit. Er benutzt die Wortwahl eines reumütigen Profifußballers nach einer Niederlage. „Das ist uns leider durchgegangen, tut mir leid, so was darf uns eigentlich nicht passieren, das ist sehr ärgerlich.“

Kramer hofft aber, dass sich diese Lücke im System durch Bauhof-Mitarbeiter oder vielleicht sogar durch eine bessere Lösung wieder schließt. (rsm)

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