Hessenliga zwischen Hessen Kassel und FV Biebrich

Polizeieinsatz bei U19-Spiel: Tritte, Schläge, Rote Karten

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Aus den Fugen: Dreimal „Rot“ und dazu Prügel gab es beim A-Jugendspiel zwischen Hessen Kassel und dem FV Biebrich.

Kassel. Rudelbildung, Tritte, Schläge, schlimmste Beleidigungen, drei Rote Karten, Polizeieinsatz – nach dem Abpfiff der Hessenliga-Partie zwischen den A-Jugend-Fußballern des KSV Hessen Kassel und des FV Biebrich (1:1) eskalierte  eine Auseinandersetzung.

Während KSV-Trainer Christian Andrecht schwere Vorwürfe gegen seinen Gegenüber Hakan Tutkun erhebt, wirft dieser dem KSV vor, Opfer und Täter zu vertauschen und beschuldigt Kasseler Zuschauer und Ordner. Was war denn da los?

„So etwas noch nie erlebt“

Was sich nach dem Abpfiff ereignete, ordnen Andrecht und Tutkun in die Kategorie „So etwas habe ich noch nie erlebt“ ein. Der KSV-Trainer beschreibt die Entstehung der Tumulte so: Einer seiner Spieler habe sich nach der letzten vergebenen Chance geärgert und wütend auf den Boden geschlagen, woraufhin er sich einen Spruch von einem Gegenspieler anhören musste. „Was willst du denn?“, sagte der Kasseler.

Nach dann wohl (wechselseitig) gefallenen Beleidigungen rannten mehrere Mitspieler beider Vereine hinzu – es kam zu einer Rudelbildung. Auch Anhänger beider Teams, Ordner und die beiden Trainer liefen aufs Feld.

Tutkun erklärte, dass der Auslöser des dann eskalierenden Tumultes gewesen sei, dass der Bruder eines KSV-Akteurs auf das Spielfeld gerannt sei und seinen Spieler ins Gesicht geschlagen habe. Daraufhin sei der KSV-Spieler, dessen Bruder zuerst zugeschlagen habe, mit dem Knie voran dem FV-Trainer in den Rücken gesprungen und dieser sei dadurch am Ellenbogen verletzt worden. „Natürlich war ich dann auf 180“, berichtet Tutkun, übrigens nach eigenen Angaben einer der Initiatoren und Botschafter der Kampagne „Nein! zu Diskriminierung und Gewalt“. „Bis dahin war ich relativ ruhig – auch trotz vieler rassistischer Beschimpfungen schon während der Partie.“ Andrecht (35) beschreibt hingegen, dass gerade der Biebricher Trainer einen großen Anteil daran gehabt habe, dass die Tumulte sich über Minuten auf dem Platz hinzogen und zu immer wieder neuen Auseinandersetzungen geführt haben. „Er hat geschlagen, getreten und mit schlimmsten Schimpfwörtern um sich geworfen“, kritisierte der Kasseler Coach die mangelnde Vorbildfunktion seines Gegenübers. „Weil ich ihn wegziehen wollte, habe ich ihn 50 bis 70 Meter quer über den Platz geschoben.“ Tutkun bestreitet körperliche Angriffe, gibt aber zu, dass er sich nach den Angriffen auf ihn nicht vorbildlich verhalten habe.

Gegenseitige Anzeigen laufen

Polizeisprecherin Monique Düker bestätigte auf Nachfrage, dass Anzeigen wegen wechselseitiger Körperverletzung geschrieben worden seien. Laut Andrecht zeigte Tutkun den Bruder des Spielers an, der zuerst zugeschlagen habe. Dieser wiederum zeigte den FVB-Trainer an. Die Polizei war nach Angaben von Andrecht vom KSV-Aufsichtsratsvorsitzenden Enrico Gaede gerufen worden.

Schiedsrichter Jannik Schwarz (TSV Raboldshausen) hatte nach dem Abpfiff noch auf dem Feld neben einem Biebricher auch den beiden KSV-Akteuren David Stang und Nicolas Grötecke die Rote Karte gezeigt. Jeweils wegen „grober Unsportlichkeit“.

Von Sebastian A. Reichert

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