Fragen an Abteilungsleiter Martin Rinne 

Was ist mit dem TSV/FC Korbach los?

+
Schwere Zeiten an der Hauer – und Martin Rinne als Abteilungsleiter mittendrin. 

Korbach. Die erste Mannschaft 0:9, die Reserve 1:7, die „Dritte“ gar nicht erst angetreten: Was ist mit dem TSV/FC Korbach los? Das haben sich am Wochenende alle möglichen Leute im Waldecker Fußball gefragt. Die einen mit, die anderen ganz ohne Anteilnahme. Wie haben diese Frage (und andere) Martin Rinne gestellt – er muss als Abteilungsleiter die schwerste sportliche Krise an der Hauer seit bestimmt mehr als als 30 Jahren durchstehen.

In diesem Jahr bisher nur drei Punkte am Grünen Tisch, auf dem Platz lauter Niederlagen, zuletzt das deprimierende 0:9 in Wabern: Was passiert da gerade mit dem TSV/FC Korbach in der Gruppenliga?

Martin Rinne: Diese Frage stellen sich derzeit einige im Verein. Wir befinden uns in einer sehr schwierigen Phase und müssen schnellstmöglich Lösungen finden, wie wir wieder die Kurve kriegen. Wir müssen uns tatsächlich mit den sportlich schlimmsten Szenarien beschäftigen.

Tatsächlich ist die Abstiegsgefahr für erste und zweite Mannschaft real: Ist sie einem Großteil der Spieler egal? Sie schreiben ja auf tsv-fc-Korbach.de von einer gewissen Ratlosigkeit und dass man niemanden zwinge könne zu trainieren.

Rinne: Den Eindruck muss man leider haben. Wer jetzt noch nicht den Ernst der Lage erkannt hat, dem kann man eigentlich auch nicht mehr helfen. Neben der körperlichen Fitness fehlt einigen auch die geistige Frische – und die kann ich nur erlangen, wenn ich regelmäßig ins Training gehe. Da nützen keine Sitzungen und Gespräche, die Spieler müssen den Hebel umlegen. Dann sollte sich eine Gruppendynamik entwickeln und die Mannschaften sich selber aus der Misere befreien.

Von schlechter Trainingsbeteiligung ist ja immer noch die Rede, unabhängig vom Trainer. Das kannte man früher so an der Hauer nicht. Was hat sich da verändert?

Rinne:Ich denke, die Einstellung zum Fußball hat sich generell geändert. Uns trifft dies im Moment in besonderem Maße. Früher war es was Besonderes für den TSV zu spielen und jeder wusste: Nur mit der richtigen Einstellung werde ich spielen. Diese herausragende Stellung haben wir eingebüßt – wir sind nur noch ein Verein von vielen.

Vor der Saison ist die SSG Ense/Nordenbeck unters TSV-Dach geschlüpft. Das hat sich doch ausgewirkt? Die Spieler hatten oft gar keine Bindung an den TSV Korbach.

Rinne: Dass sich nicht jeder gleich so mit dem TSV verbunden fühlt wie beispielsweise die Osterhold-Brüder oder Matthias Rösner, ist doch klar. Allerdings haben wir uns erhofft, dass sich alle mit der Sache identifizieren und für den sportlichen Erfolg einsetzen. Dies ist leider nicht in allen Fällen gelungen. Aber alles auf die Enser Spieler zu schieben, wäre mir auch zu einfach.

War es klug, im Sommer, diese Partnerschaft einzugehen? Personal fehlt ja trotzdem an allen Ecken und Enden.

Rinne: Ich stehe nach wie vor zu diesem Schritt. Die Zusammenarbeit mit Ense war klug und richtig. In vermutlich nicht allzu ferner Zukunft wird es mehrere solcher Zusammenschlüsse geben. Auf dem Papier haben wir immer noch fast 60 Namen, und es kommen weiter Jugendspieler dazu. Dass sich das Ganze so entwickelt, war nicht absehbar.

Tim hat das TSV-Gen

War es richtig, Tim Bialuschewski an erster Stelle mit der schwierigen Mission Klassenerhalt zu betrauen? Er wirkt mir manchmal ein wenig allein gelassen.

Rinne: Ich denke schon. Er ist ja nicht alleine. Das Trainerteam arbeitet immer noch gut zusammen. In diesem Bereich ist die Ursache nicht zu suchen. Ich weiß, dass Tim alles versucht und selber unter dieser Situation leidet. Er hat das TSV-Gen, welches ich bei anderen auch gerne sehen würde.

Wenn die „Erste“ tatsächlich absteigt, wie will der Verein dann die guten Fußballer halten – einen Kevin Staniek zum Beispiel?

Rinne: Wir wollen mit Spielern zusammenarbeiten, die gerne für den TSV spielen, die den TSV als „ihren Verein“ bezeichnen und mit uns gemeinsam aus diesem Tief herauskommen wollen. Kevin Staniek ist so ein Typ, aber er sagt auch klipp und klar: „Ich hab keinen Bock auf Kreisoberliga!“ Deshalb bin ich mir sicher, dass auch er dazu beitragen wird, den „worst case“ zu vermeiden. Wir haben viele gute Fußballer in unseren Reihen, die wir unbedingt halten wollen.

Der TSV hat einen guten Trainer verpflichtet für die neue Saison: Kommt Uwe Schäfer auch für die Kreisoberliga?

Rinne: Unsere Gespräche waren klassenunabhängig.

Ist das Aus für die „Dritte“ schon beschlossene Sache?

Rinne: Wir mussten letzte Woche das Spiel der „Dritten“ absagen, „Zweite“ und auch „Erste“ mussten mit Notbesatzungen antreten. Es wäre unsinnig, über den Fortbestand der „Dritten“ nachzudenken. Sollte nichts völlig Überraschendes passieren, werden wir uns wohl von dieser Idee verabschieden müssen.

Bereit, den TSV auf Vordermann zu bringen

Haben Sie zuletzt mal dran gedacht hinzuwerfen?

Rinne: Ich befasse mich jetzt seit 27 Jahren mit dem Korbacher Seniorenfussball – an eine solche Situation kann ich mich nicht erinnern. Wenn einer kommt und hat die zündende Idee, würde ich nicht an meiner Position kleben. Es geht hier nur um den TSV und nicht um einzelne Personen. Natürlich macht man sich Gedanken. Man könnte ja theoretisch auch alles auf eine erste Mannschaft setzen und alles andere – Reserve, „Dritte“, Jugend – vernachlässigen, so wie es andere Vereine, die im Moment vielleicht Oberwasser haben, auch machen. Dies entspricht aber nicht unserer Vereinsphilosophie und ist mit mir nicht machbar

Gibt es so etwas wie einen Silberstreif am Horizont?

Rinne:Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln und kurzfristig die Kurve kriegen. Wir sind mit einigen Spielern für die kommende Saison im Gespräch, die vom Typ her zu uns passen würden und bereit sind, den TSV wieder auf Vordermann zu bringen. Namen kann ich in diesem Zusammenhang aber nicht nennen.

Unsere B- und C-Junioren spielen in ihren Gruppenligen eine sehr gute Rolle. Wenn es uns gelingt, bei diesen Jungs die Vereinsloyalität zu erhalten, werden wir noch Freude an ihnen haben. Dies dauert aber noch zwei bis drei Jahre, die wir überbrücken müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare