HFV tagt an diesem Samstag zum Ende der „Corona-Saison“

Verbandstag der Fußballer: Neun Waldecker stimmen mit ab – per Maustaste

Die Tornetze sind hochgeklappt bei einem Fußballtor im Egge Stadion in Korbach-Rhena. Aufgrund der Corona-Pandemie ruht der Fußball.
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Wann werden die Tornetze wieder heruntergeklappt? Hessens Fußballer warten auf Entscheidungen über ihre nahe Zukunft. Einige werden beim Verbandstag gefällt. Unser Bild entstand im Egge Stadion in Rhena.

Die hessischen Fußballer schauen an diesem Samstag gespannt nach Grünberg. Dort findet der außerordentliche und digitale Verbandstag des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) statt.

Ein besonderer Verbandstag wird es in jedem Fall; das ist schon vorher klar. Wenn morgen ab 10 Uhr die Delegierten beim Verbandstag des Hessischen Fußball-Verbandes in der Sportschule des HFV zusammensitzen, sagt schon der Name, dass es etwas „außerordentliches“ ist. Schon alleine, weil von 347 Delegierten die meisten gar nicht in Grünberg sitzen, wo sich nur Präsidium und Geschäftsstellen-Mitarbeiter aufhalten, sondern zu Hause vor dem Computer-Bildschirm.

So auch Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann, einer von neun „Abgeordneten“ des Fußballkreises Waldeck. Der wird digital ebenso von Ehrenkreisfußballwart Peter Bauschmann sowie den Delegierten Matthias Henkelmann, Dirk Emmert, Joachim Schmolt, Gerd Rinninsland und Ingo Göbel sowie (als Vereinsvertreter), Dirk Klinkmann (TuS Usseln) und Tobias Kuhaupt (VfR Volkmarsen) vertreten.

.Sie müssen sich an veränderte Abläufe und Vorgänge gewöhnen. Allein schon in Sachen Abstimmung. Diese wird auf elektronischem Wege vorgenommen, und bei den heimischen Vertreter liegt ein Handy als Reserve-Medium parat, damit nichts schief geht. „Jeder hat pro Abstimmung eine Minute Zeit für die Eingabe“, erklärt Gottfried Henkelmann, der mit der Waldecker Delegation vorgestern noch einmal letzte Fragen geklärt hat. „Ich habe darauf hingewiesen, dass ich die Beschlussvorschläge des HFV-Vorstandes für gut heiße. Ich stehe voll und ganz dahinter. Aber jeder einzelne kann demokratisch nach seiner Meinung abstimmen“, so der Ehringer, der keine Mammutsitzung, sondern knapp zweieinhalb Stunden Programm erwartet: „Ich denke, es ist alles gut vorbereitet.“

HFV-Verbandstag: 27 Delegierte aus 32 Fußballkreisen

Insgesamt entsenden die 32 hessischen Fußballkreise 277 Delegierte – nicht alle dürften mit Ja stimmen, wenn es um die Frage geht: Was machen wir aus der Saison, in der durch Corona bedingt seit 12. März nicht mehr gespielt wird? Wie geht es mit der Saison 2019/2020 weiter?

Zweifelt nicht daran, dass die HFV-Beschlussempfehlungen angenommen werden: Präsident Stefan Reuß (rechts), hier beim Waldecker Kreisfußballtag mit Gottfried Henkelmann (links) und Peter Bauschmann. Beide vertreten Samstag den Kreis Waldeck.

Der HFV empfiehlt den Delegierten für den Saisonabbruch (zum 30.06.) zu stimmen, mit der Regelung, dass keine Absteiger gibt, aber es Aufsteiger. Zu denen soll der jeweils nach Punkte-Quotient beste Teilnehmer Zweitplatzierte (Relegant) bzw. der Aufstiegsrunden-Teilnehmer gehören. Letztlich geht es nur um dieses Thema – das ist auch aus der Tagesordnung ersichtlich. Allgemein gilt als sehr sicher, dass das bereits mehrfach geschilderte Szenario vonstatten geht.

Und geht alles den erwartbaren Weg, schließen sich Beratung und Abstimmung über verschiedene Paragrafen aus Satzungen und der Spielordnung an. „Es ist gut, dass wir jetzt eine finale und offizielle Entscheidung treffen. Der Verbandsvorstand hat ja schon Vorentscheidungen getroffen. Jeder kennt diese, es wurde schon viel darüber diskutiert. Es muss jetzt ein Schlussstrich gezogen werden“, sagt HFV-Präsident Stefan Reuß im Vorfeld der Tagung in einem Interview mit der HNA.

Der HFV hat auf Grundlage der Vereinsbefragung seine Empfehlung zum Saisonabbruch ausgesprochen. Gibt es einen Grund zum Zweifeln, dass dem nicht zugestimmt wird?
Stefan Reuß: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass der Vorschlag angenommen wird. Aber ich weiß, dass dieser nicht zu 100 Prozent auf Zustimmung stößt. Es gibt Tabellenzweite, die wollen, dass alle Aufstiegsrunden- und Relegationsteilnehmer aufsteigen. Zum anderen gibt es die Interessenlage aus der Region Frankfurt. Diese Vereine befürchten, dass die Ligen zu groß werden. Ich habe für diese Sichtweisen Verständnis. Wir müssen damit umgehen können.“
Welches sind neben dem Saisonabbruch weitere wichtige Themen beim Verbandstag?
„Das Hauptthema ist die Beendigung der Saison 2019/20, und in welchem Modell dies stattfinden wird. Daran orientieren sich alle anderen Anträge. Dabei geht es auch um die Haftungsfreistellung. Außerdem soll ein Beschluss gefasst werden, dass der Verbandsvorstand über den Fortgang einer Saison bestimmen darf und nicht wieder ein außerordentlicher Verbandstag dafür einberufen werden muss, wie es jetzt der Fall ist.“
Die Aufstiegsspiele und Relegationen waren länger ein Thema. Warum hat sich der Verband für die empfohlene Lösung entschieden?
„Wir hatten zunächst die klar empfohlene Rechtsposition, dass es Aufsteiger nach Punkte-Quotienten und keine Absteiger geben soll. Dann kam aus dem Verbandsvorstand heraus der Wunsch, über die Tabellenzweiten, die sich für die Aufstiegsspiele und Relegationen qualifiziert haben, nachzudenken. Die Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht, haben es rechtlich prüfen lassen. Am liebsten wäre es uns gewesen, alles ausspielen zu lassen, aber das geht nun einmal nicht. Daher brauchten wir ein Vehikel. Die Rechtsberater haben gesagt, dass es unter diesen Umständen in Ordnung ist, auch Teams aus verschiedenen Staffeln mit dem Punkte-Quotienten zu vergleichen.“
Wie schwer wird es, die kommende Saison zu planen?
„Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Flexibilität und Kreativität bei den Entscheidungen benötigen. Wenn wir es noch nicht gelernt haben, müssen wir es jetzt schnell lernen, dass wir diese Situation nicht mit den seit 70 Jahren praktizierten Abläufen normal bewältigen können. Wir müssen uns die Frage stellen: Wie können wir kreativ einen Meister ausspielen, wenn der Zeitrahmen eng wird? Eine Möglichkeit wären beispielsweise Playoffs. Wir müssen dann vielleicht auch aus dem festen Denken ausbrechen, dass eine Saison von August bis Ende Juni dauert. Die DFL hat es ja vorgemacht. Wer hätte gedacht, dass die Bundesliga im Juni noch spielt?“

Was man noch wissen muss vor dem Verbandstag: Andere Themen, die in der jüngeren Vergangenheit anklangen, werden bei diesem nicht behandelt. Reformen gegen die zunehmende Gewalt, neue Berechnung des Schiedsrichter-Solls, Zehn-Minuten-Strafe bei den Senioren; dies und mehr sollte auf der Agenda stehen. Es ist alles in den Hintergrund gerückt. 

Auch über die neue Saison oder eine Verlängerung des Transferfensters wird nicht debattiert. Denn: Auf einem außerordentlichen Verbandstag dürfen nur die Angelegenheiten behandelt werden, die zu seiner Einberufung geführt haben. (schä)

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