Ab 1. August uneingeschränkter Spielbetrieb mit Hygienekonzept

Der Fußball ist zurück: „Jeder muss Vernunft und Verständnis mitbringen“

Ob Training oder Spiel: Vieles läuft für die Fußballer (hier Freienhagen/Sachsenhausen mit Neu-Coach Angelo Micino) anders. Der HFV empfiehlt zum Beispiel, dass jeder sein Trainings-Leibchen zu Hause selbst wäscht.
+
Ob Training oder Spiel: Vieles läuft für die Fußballer (hier Freienhagen/Sachsenhausen mit Neu-Coach Angelo Micino) anders. Der HFV empfiehlt zum Beispiel, dass jeder sein Trainings-Leibchen zu Hause selbst wäscht.

Stichtag 1. August: Ab diesem Samstag darf in Hessen wieder „richtig“ Fußball gespielt und trainiert werden. Nach der Aufhebung des Kontaktverbotes und der reduzierten Spielerzahlen durch die Landesregierung rüsten sich die Waldecker Vereine für den Start in eine besondere Saison.

Nach reduziertem Training sind nun wieder fußballspezifische Übungen mit allen Spielern gemeinsam zulässig, und auch Vorbereitungsspiele können ausgetragen werden. Die Fußballvereine richten ihren Blick auf den Beginn der Saison 2020/21, der wohl, wie seit Mitte Juni angepeilt, am ersten September-Wochenende sein kann. Bis dahin gibt es viel Arbeit, weil nicht nur der Dienstplan für die Heimspiele erstellt werden muss.

Aber: Fußball in der Zeit der Corona-Pandemie findet unter den gleichen Vorzeichen statt wie andere gesellschaftliche Aktivitäten: Erst wenn das Hygienekonzept des Hessischen Fußballverbandes (HFV) umgesetzt wird, darf der Ball wieder uneingeschränkt rollen. „So etwas kostet Zeit und Geld. Und es wird Zuschauer geben, die auf den Sportplatz kommen und sagen: ‘Meine Güte, muss das denn sein?’ Aber Fakt ist, dass es keinen Fußball vor Ort gibt, wenn ich mir die Mühe nicht mache“, sagt Alexander Behle, Vorsitzender der SG Adorf/Vasbeck.

Hygienekonzept: Mehr Personal, mehr Kosten

Stoßen die heimischen Vereine auf Schwierigkeiten? Alexander Behle hält das Hygienekonzept für gut umsetzbar. „Vereine, die ein kleines Vereinsgelände und keine Ausweichmöglichkeiten haben, werden aber hier und da sicher Probleme bekommen“, meint er. Insgesamt ist die Zahl der Teilnehmer (Spieler, Offizielle, Zuschauer) auf 250 begrenzt. Vor allem die Aufteilung des Platzes in drei Zonen ist eine wichtige Aufgabe für die Vereine, das zeigt sich am Beispiel der SG Adorf/Vasbeck., die am heutigen 1. August im Rahmen eines Blitzturnieres mit drei weiteren Mannschaften als eines der ersten Teams Spiele bestreitet.

„Das ist ein guter Testlauf, auch für die Zuschauer“, sagt Behle. Der Vorsitzende der Spielgemeinschaft darf sich darüber freuen, dass die SG-Vereine sehr gute Voraussetzungen haben, um die Kriterien zu erfüllen; beginnend beim Personal. „Wir haben ein gutes Team um die Mannschaft herum, mit fünf, sechs engagierten Leuten“, schildert Behle. So habe man die Zusatzaufgaben gut verteilen können. „Der eine erstellt das Konzept, der andere baut Abtrennungen, malt Pfeile auf den Boden.“

Der Fahrplan für den Waldecker Fußball

Durch die Freigabe des Spiel- und Trainingsbetriebes kann die Fußballsaison 2020/21 im Kreis Waldeck wie geplant anlaufen. Ab 15. August sind auf Landesebene Pflichtspiele möglich, zuvor schon beginnt kommende Woche die Spielrunde im Waldecker Pokal, da dieser kein offizieller Wettbewerb ist. Nach weiteren Partien im Waldecker und im Kreispokal sollen am 5. und 6. September die Ligen bei Männer, Frauen und Junioren starten. Viele sollen bis Ende November spielen.

Auch die Infrastruktur in Vasbeck – dort spielt die SG in dieser Saison – macht es dem Kreisoberligisten leichter. „Wir haben, auch in Adorf, eine Sporthalle direkt nebenan, können dadurch mehrere Umkleidekabinen nutzen. Andere Vereine haben nicht diese Möglichkeit nicht“, ist sich Behle bewusst.

Hat sein Verein Bammel vor der Premiere des coronakonformen Fußballs? „Wir wollen einfach wieder Fußball spielen, deswegen haben wir uns die Mühe gemacht und alles bestmöglich vorbereitet“, sagt Behle.

Zu den Mühen gehört personeller und finanzieller Aufwand. „Du brauchst ein paar mehr Helfer, allein an der Kasse, weil ja Listen mit den Namen der Zuschauer geführt werden. Außerdem muss alles nach jedem Spiel ab- und zum nächsten Spiel wieder aufgebaut werden. Und 400 bis 500 Euro an Kosten kommen auch schnell zusammen – für Plexiglas, Farbe und Desinfektionsmittel zum Beispiel“, gibt Behle einen Einblick ins Organisatorische.

Zu den Aufgaben zählt auch, ein Auge auf die Einhaltung der Corona-Regeln zu haben. Der Verband rät zu regelmäßigen Platzdurchsagen; sofern technisch machbar. „Wenn du nur 30, 40 Zuschauer hast, kannst du auch persönlich mit denen sprechen“, meint Behle. Dass die SG Adorf/Vasbeck von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und Unwillige des Platzes verweisen muss, glaubt Alexander Behle nicht. Er setzt auf die Vernunft der Zuschauer. „An viele Regeln haben wir uns im Alltag schon gewöhnt. Wer auf den Platz kommt, der bringt genug Vernunft und Verständnis mit, um eigenständig auf alles zu achten.“

Übrigens: Der Gastverein hat stets eine Mitverantwortung – so will es der HFV. Er empfiehlt: Ein Betreuer der Gäste reist rechtzeitig an und wird eingewiesen.

Die Spielerzonen

Die Zonen 1 und 2 auf dem Sportplatz – gemeint sind das Spielfeld, die Bereiche zum Aufwärmen und die Umkleidekabinen nebst Duschen – gehören den Spielern, den Offiziellen wie Trainer, Betreuer und Schiedsrichter sowie dem Ordnungsdienst.

Alle müssen sich an viel Neues gewöhnen: Mindestabstand (oder Mund-Nase-Schutz) auf der Ersatzbank; Umziehen und Duschen in kleineren Gruppen oder mit Mundschutz.

Für Rituale wie Handshake und gemeinsames Einlaufen ist freilich kein Platz, und der Torjubel soll so kontaktlos wie möglich stattfinden. „Da bin ich gespannt, wie sehr sich ein Spieler im Griff hat, wenn er im Pokal-Halbfinale in der 91. Minute das Siegtor schießt“, sagt Vasbecks Abteilungsleiter Alexander Behle.

So soll’s aussehen: Vereine müssen ihr Sportgelände in drei Zonen unterteilen, wie auf diesem Beispielbild: Innenraum/Spielfeld (1), Umkleide (2) und Publikumsbereich (3).

Mit den Spieler der SG habe der Verein über das richtige Verhalten gesprochen. „Im Training haben sich die Abläufe schon eingespielt.“ Jeder bringe beispielsweise seine eigenen Getränke mit.

Knifflig wird es, wenn die Umkleidezone zur „Mixed Zone“ wird. Gibt es für Spieler und Zuschauer keine separaten Toiletten, müssen die Vereine umdisponieren, denn eine strikte Trennung ist erwünscht. In Vasbeck lässt sich das Problem lösen, denn Zone 2 ist dort die Walmehalle. Die Zuschauer nutzen die Toiletten im Vereinsheim.

Die Zuschauer-Zonen

Zone 3 umfasst die Bereiche, in denen sich die Zuschauer aufhalten (dürfen). Wobei schon mit dem Einlass das erste Problem auftauchen könnte. Was tun, wenn das Sportgelände von allen Seiten zugänglich ist? Flatterbänder könnten den Weg weisen zu den offiziellen Eingängen, schlägt Alexander Behle vor. In seinem Heimatort Vasbeck sieht er keine Probleme: „Es gibt im Grunde nur einen Eingang bei uns. Alle Zuschauer kommen immer von oberhalb des Platzes her, das sind die so gewohnt.“

Gewöhnen werden sich die Besucher allerdings an den „Schreibkram“ müssen: Wie im Restaurant werden alle Personen namentlich erfasst. „Die Warteschlangen könnten zu Beschwerden führen, ich glaube aber, dass sich das mit der Zeit einspielen wird“, sagt Behle. Vorteil: Die „wandelnden Kassierer“ müssen nicht mehr um den ganzen Platz laufen.

In Vasbeck hat Behle Pfeile aufgemalt, die den Weg weisen und den notwendigen Abstand beim Warten an der Kasse oder am Getränke- und Essenskiosk vorgeben. Und die dörfliche Gemeinschaft hatte positive Effekte. „Die Schablone habe ich mir beim Schwimmbad geliehen.“ Wer sich eine Bratwurst holt, trifft in Vasbeck auf ein „Leitsystem“, sodass kein unübersichtlicher Andrang herrschen kann.

Schiedsrichter sind keine „Corona-Polizei“

Den Schiedsrichtern kommt im übrigen nicht die Aufgabe einer „Corona-Polizei“ zu, wie der HFV in seinen Ausführungen zum Hygienekonzept erläutert. „Wir konzentrieren uns nach wie vor auf die Spielleitung. Wir sind keine Kontrollinstanz, haben aber Anspruch auf die ordnungsgemäße Umsetzung der Vorgaben, sagt Matthias Henkelmann.

Waldecks Kreis-Schiedsrichter-Obmann hat seine Kollegen darauf hingewiesen, dass sie zum Beispiel vorschriftsmäßige Hygiene einfordern können. „Die Schiedsrichter-Kabine gehört nur den Schiedsrichtern, dort darf sich kein anderer aufhalten“, so Henkelmann. Nicht selten sei die Schiri-Umkleide nebenbei zudem noch ein Abstellraum für Getränke oder andere Dinge. „Wenn ich so etwas unter diesen Umständen nun sehe, fahre ich wieder nach Hause. So ist unsere Anweisung“, erklärt der Ehringer. Er hofft, dass sich die Unparteiischen gut auf die neue Situation einstellen und hat gleichwohl volles Verständnis für die Kollegen, die vorsichtshalber pausieren wollen. „Keiner soll mit der eigenen Gesundheit spielen.“

Und wer kontrolliert nun etwaige Verstöße? Das ist allein Sache von Gesundheits- bzw. Ordnungsamt. Sportgerichtlich müssen Vereine übrigens nichts befürchten. Dafür gibt es in der Satzung keine Grundlage. (schä)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare