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Von Willingen nach Baunatal: Yannick Wilke hält auch in der Hessenliga, was er verspricht

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Von: Dirk Schäfer

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Torhüter Yannick Wilke im Trikot von KSV Baunatal mit einem Ball in den Händen
Auch beim KSV Baunatal ein guter Ballfänger: Torhüter Yannick Wilke ist nach seinem Wechsel vom SC Willingen in der Hessenliga wie erhofft eine verlässliche Größe. Derzeit ist er Baunatals Nummer eins. © Andreas Fischer

Da stand er wieder, dieser Satz, der jeden Montag irgendwo auf den Lokalfußballseiten steht: „Torhüter Soundso verhinderte Schlimmeres“. Diesmal war Yannick Wilke gemeint, der seit Saisonbeginn beim KSV Baunatal im Kasten steht.

„Ich brauche solche Schlagzeilen nicht, vor allem, wenn wir nicht gewonnen haben“, sagt der 29-Jährige, der seinen Heimatverein SC Willingen nach vielen Jahren für die Herausforderung Hessenliga verlassen hat. Als Torwart weiß er: Wenn der Keeper herausgehoben wird, hat beim Rest der Truppe meist nicht viel zusammengepasst.

Oder man ist vom Platz geflogen, wie Wilke im dritten Ligaspiel in Eddersheim (0:3). Beim Stand von 0:0 entschied der Schiedsrichter auf Rot wegen Notbremse gegen den Torhüter – mehr als umstritten, weil Wilke den Gegenspieler nicht getroffen hatte. Dass dies im Video weitgehend nachweisbar war, er aber dennoch zwei Spiele gesperrt wurde, da die Tatsachenentscheidung bestehen blieb, kann Yannick Wilke bis heute nicht verstehen: „Zwei Spiele nicht spielen zu dürfen, obwohl nichts passiert ist, das ist schon extrem.“

Yannick Wilke: „Sicher, dass ich es packen werde“

Sein Vertreter Felix Bachmann, von Kreisoberligist TSV Spangenberg zum KSV gekommen, spielte zweimal zu Null, doch Wilke behielt seinen Stammplatz im Baunataler Tor. Und konnte nach dem 1:3 vergangenen Samstag gegen den FC Gießen dann Schlagzeilen zu seinen Gunsten nicht verhindern, dafür war die Leistung der zehn anderen VW-Städter laut deren Kapitän Daniel Borgard zu „katastrophal“. Wilke hielt mehrmals überragend, sonst wäre die Hoffnung, noch einmal heranzukommen, für seine Vorderleute schon früh weg gewesen.

Nachdrücklich konnte Wilke beweisen, was er beim KSV eigentlich niemand, vor allem nicht Trainer Tobias Nebe, der sich im Sommer um einen Wechsel des Upländers sehr bemühte, beweisen muss: Dass er Hessenliga drauf hat und auch dort eine Stütze ist. „Ich war mir sicher, dass ich das packen kann, sonst wäre ich nicht gewechselt und würde diesen Aufwand betreiben“, sagt der Willinger, der nach wie vor im Upland zu Hause und Fußballpendler ist.

Ich konnte ruhigen Gewissens wechseln. Auf der Torwartposition ist die Truppe weiter gut aufgestellt.

Yannick Wilke über seine „Erben“ beim SC Willingen

Wilke sieht im „Spiel zum Vergessen“ gegen Gießen eher einen Ausrutscher als ein Zeichen für grundsätzliche Probleme der Baunataler im ersten Saisondrittel. „Am Mittwoch haben wir vor mehr als 1000 Zuschauern gleich wieder ein Ausrufezeichen gesetzt“, sagt er mit Blick auf den 3:2-Sieg beim noch einen Punkt besser platzierten SV Weidenhausen.

Gegen den Aufsteiger hat Yannick Wilke wahrscheinlich häufiger gespielt als alle anderen Baunataler – eines der Spiele, in denen die Erinnerungen an die schöne Zeit in Willingen aufkommen; zu den langjährigen Mitspielern hat er noch viel Kontakt. „Und nach so einem Platzverweis musst du dich über ein paar Whatsapp-Nachrichten mit ein paar schadenfrohen Sprüchen von den alten Mitspielern nicht wundern.

Da der SCW jetzt viel sonntags spielt und die Hessenliga den Samstag als Regelspieltag hat, ergäbe sich öfter die Chance, im Uplandstadion vorbeizuschauen, sagt er. Einer seiner Eindrücke: „Ich konnte ruhigen Gewissens wechseln. Auf der Torwartposition ist die Truppe weiter gut aufgestellt.“

Hessenliga: Bei sieben Absteigern muss der KSV auf der Hut sein

Wie die Willinger, so werden sich auch die Baunataler lange mit dem Thema Abstieg befassen müssen, glaubt Wilke. Was vor allem mit der Mammutsaison zu tun hat; die Hessenliga zählt 20 Mannschaften und 38 Spieltage. „Und sieben Absteiger, da wird man lange Zeit nicht wissen, wohin die Reise geht“, sagt der Torhüter, dessen Coach das obere Tabellendrittel als Ziel ausgegeben hat.

Droht da eventuell kommende Saison ein Wiedersehen mit dem alten Verein in einer Liga? „Wenn Willingen aufsteigt, gerne“, schmunzelt Wilke, der sich im intensiven Training bei professionellen Bedingungen aber erst einmal persönlich verbessern und gerüstet sein will für einen langen Hessenliga-Herbst. Erst am 9. Dezember, nach dem Spiel bei der neuen U21 von Eintracht Frankfurt, ist Winterpause. Da könnte er im upländischen Winter womöglich schon viel früher die Beine hochlegen. (Dirk Schäfer)

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