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Jugendfußball: So viele Mannschaften wie seit sechs Jahren nicht mehr

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Von: Gerhard Menkel

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Eine Szene aus dem Spiel der D-Jugend-Kreisliga zwischen JSG Edersee und Hansestadt Korbach.
Bald richten sich wieder alle Augen auf den Ball: Eine Szene aus dem Spiel der D-Jugend-Kreisliga zwischen JSG Edersee und Hansestadt Korbach. © bb

Wäre der Waldecker Jugendfußball ein an der Börse gehandeltes Wertpapier, dann würden die Analysten von einem Sechs-Jahres-Hoch reden.

Die Aktie steht zur neuen Saison, in Mannschaften gemessen, bei 118. Höher stand sie zuletzt zur Spielzeit 2016/17, als 127 Teams im Spielbetrieb kickten. Der Trend also stimmt. Nun wollen Daten an der Börse immer interpretiert sein. Das ist im Jugendfußball wenig anders. Ganz grundsätzlich liest Chefanalyst Joachim Schmolt, Waldecks Jugendfußballwart, erst mal Gutes aus den Zahlen: „Corona hatte Gott sei Dank wenig Auswirkungen.“

Verglichen mit der Vorsaison haben die Vereine für diese Spielzeit mit Start am zweiten September-Wochenende vier Mannschaften mehr gemeldet. Im Plus sind C-Junioren (fünf mehr), B- und F-Junioren (jeweils eine mehr) und die Mädchen insgesamt (zwei mehr). Auch die Bambini verzeichnen leichten Zuwachs, aber sie sind ein Sonderfall. Die eigentliche Sorgenjugend steht oben in der Alterspyramide, die:

A-Junioren

„Eine traurige Nummer“, sagt Schmolt. Nur noch vier Mannschaften (statt sieben wie im Vorjahr) stehen im Plan, zwei davon spielen Gruppenliga (siehe Übersicht). „Ich hoffe, dass die Vereine langsam merken, dass ihnen irgendwann tatsächlich der Unterbau fehlt“, sagt Schmolt. Man predige es schon seit Jahren.

Eine Ursache für das Minus vermutet der Edertaler in der Tatsache, dass die Klubs bis zur letzten Saison auch Spieler des jüngeren Jahrgangs zu den Senioren hochziehen durften, sobald sie 18 Jahre alt waren. Das geschah keineswegs nur in der Absicht, die Männerbasis zu stärken.

Er habe noch nie so viele A-Junioren des jüngeren Jahrgangs aufgrund fehlender Spielmöglichkeiten in ihrer Altersklasse hochmelden müssen, erzählt Schmolt – in der Kreisliga mit Hofgeismar/Wolfhagen kickten ja nur insgesamt fünf Teams. „Sie fehlen uns jetzt natürlich.“

Mit der Änderung des Paragrafen 29 der Jugendordnung hat der Verbandstag vor knapp einem Jahr nun das Hochmelden der Jüngeren zur neuen Saison weitgehend unterbunden. Schwierig für manche Vereine mit schmalem Seniorenkader. Schmolt, der auch stellvertretender Verbandsfußballwart ist, berichtet von vielen Nachfragen, ob es nicht doch Ausnahmen gebe. Gibt es, für Auswahlspieler. Etliche U-18-Junioren dürften also auf der Strecke bleiben.

Neue Kreisliga zusammen mit Schwalm-Eder

Den vier Teams könnte die Neuregelung aber zugute kommen. An Spielmöglichkeiten wird es ihnen nicht fehlen, der bisherige Partner Hofgeismar-Wolfhagen kriegt auch nur zwei Mannschaften auf die Beine). „Wir haben mit allen Kreisjugendwarten der Region am Tisch gesessen und versucht, mit dem Zirkel alles ein bisschen sinnvoller einzuteilen“, so Schmolt.

Ein Ergebnis ist die Kreisliga Schwalm-Eder/Waldeck. Sie stellt sich als 14-er Feld auf, das heißt, JSG Edersee und JSG Twistesee aus Waldeck haben es mit zwölf Konkurrenten aus dem Nachbarkreis zu tun, Klar, sind die Fahrten weit, dafür dauert die Winterpause bestimmt nicht wieder, wie in diesem Jahr, bis Ende April. Und 26 Spieltage verheißen Betrieb.

B-Junioren

Die Situation in dieser Altersklasse nennt Schmolt „noch nicht so dramatisch, nett formuliert“. Zehn U16/U17 stehen im Plan, eine mehr als im Vorjahr. Drei Mannschaften spielen in der Gruppenliga, die übrigen sieben bilden wieder mit Hofgeismar-Wolfhagen (sechs Vereine) eine gemeinsame Kreisliga.

Schmolt setzt darauf, dass ein ordentlicher Teil der B-Junioren es in die höhere Altersklasse schafft. Er zeigt auf die JSG Twistesee mit aktuell drei B-Jugendteams oder die JSG Friedrichstein mit zwei: Da würden mit Sicherheit im nächsten Jahr auch (wieder) A-Jugenden herauskommen.

C-Junioren

Der Sektor der 13-/14-Jährigen geht erstmals ebenfalls mit Hofgeismar-Wolfhagen zusammen – gemeinsam eingestielt sind eine Kreisliga und eine Kreisklasse (jeweils elf Teams). Trotz einzelner Bedenken wegen längerer Fahrtwege habe in der Runde der Jugendwarte da die Vernunft gesiegt, sagt Schmolt. Zuletzt gab es nur eine Liga, die Kooperation macht nun eine Zweiteilung möglich. Die Leistungsunterschiede seien nun einfach weniger groß: „Wir haben dann nicht wieder diese hohen Ergebnisse.“ Höher spielen allein die C-Junioren des TuSpo Mengeringhausen, die sich in der Verbandsliga versuchen.

D-/E-Junioren

In beiden Altersklassen melden die Vereine zusammen vier Mannschaften (1/3) weniger als vor einem Jahr. Schmolt vermutet dahinter auch ein Betreuungs-Problem: „Hätten wir mehr Betreuer, wären wir in der E-Jugend vielleicht mit drei, vier Mannschaften mehr gestartet.“ Beid Jugenden spielen im bewährten Modus.

F-/G-Junioren

Die älteren Kinder werden zusätzlich zur Punktrunde Turniere in den sogenannten Neuen Spielformen (etwa Funino) austragen („Hybridsystem“). Verpflichtend werden sie ab 2024/25, für die Bambini sind sie es schon. Die Skeptiker sind nach den bishergen Turnieren weniger geworden. „Die Vereine haben das sehr gut angenommen“, sagt Schmolt, Klassenleiter Albrecht Will habe das „sehr gut vorangetrieben“. Positive Reaktionen gebe es auch von Eltern.

Spielerinnen der MSG Landau/Wolfhagen und des TSV Flechtdorf.
Wieder ein paar mehr als zuletzt: Juniorinnen, die Fußball spielen – hier Spielerinnen der MSG Landau/Wolfhagen und des TSV Flechtdorf (Archivfoto). © Artur Worobiow

TSV Korbach meldet wieder Mädchenteam

Wie viele G-Junioren-Teams es werden, konnte Schmolt noch nicht sagen. Auf der neuen Meldeplattform des Verbands waren lediglich 16 sichtbar. „Das wird locker das Doppelte“, vermutet er. Dann wäre das Mannschaftsplus gegenüber 2021 insgesamt deutlich größer; die Zahlen sind aber schwer vergleichbar, da die Bambiniteams jetzt nur je drei oder vier Kinder zählen.

Juniorinnen

Sie verzeichnen einen leicht positiven Trend. Es gehen nicht nur zwei Waldecker Teams mehr an den Start, zudem finden sich in der Region, anders als im Vorjahr, wieder genug C--Mädchen für eine eigene Liga. Zurück auf der Bühne: der TSV Korbach mit D-Juniorinnen. Zudem meldet der SV Anraff erstmals wieder B-Juniorinnen. Die Mädchenfußballtage der Verbandsligisten scheinen also zu fruchten. (mn)

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