Neues Schiedsrichter-Soll und mehr

Kreisfußballtag: Präsident stellt Reformpaket vor

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Das Team für die nächsten vier Jahre: Der neue Kreisfußballausschuss mit (vorn v. l.) Dirk Emmert, Gudrun Biederbick, Gottfried Henkelmann, Joachim Schmolt, Ingo Göbel sowie (hinten v. l.) Matthias Schäfer, Franz Mühlhausen, Gerd Rinninsland, Marco Steinbach, Matthias Henkelmann

Fußballtagsjahre sind Reformjahre. Da macht 2020 keine Ausnahme. Was auf die Vereine und Spieler zukommen könnte, stellte Verbandspräsident Stefan Reuß beim Kreisfußballtag vor.

Volkmarsen– Zwischen Aufbruch und Trauer, Abschied und den Nachwirkungen eines verstörenden Zwischenfalls: Der Waldecker Kreisfußballtag am Freitagabend in der Volkmarser Nordhessenhalle konnte nicht so heiter sein, wie er werden sollte. Schon wegen des Todes von Ewald Wollert am Vorabend nicht, er war lange Jahre ein führendes Mitglied im Kreisfußballausschuss.

Ein Signal am Ende war Geschlossenheit. In Gottfried Henkelmann wählte der Fußballtag eine vertraute Größe einstimmig zum neuen Chef. „Ich werde mich für die Belange des Waldecker Fußballs und der Vereine einsetzen“, versprach er. 

"Danke, Peter": Schlussbild zum Abschied von Peter Bauschmann, zwei Jahrzehnte lange der Waldecker Kreisfußballwart.

In Peter Bauschmann verabschiedeten die Delegierten mit großen Gesten einen Mann, der 20 Jahre lang ihr Kreisfußballwart gewesen war. Jetzt ist er ihr erster Ehrenfußballwart (die WLZ berichtete am Samstag).

"Wir wissen um die Sorgen der Basis"

Bevor Stefan Reuß die für Waldeck erstmalige Würdigung aussprach, hatte er sich viel Zeit gekommen, um das vorzustellen, was beim Verbandstag des Hessischen Fußball-Verbands (HFV)  am 6. Juni in Grünberg auf die Tagesordnung gelangt. 

Reuß holte weiter aus – „damit Sie wissen, was macht denn die Funktionärsschicht da eigentlich“. Nun, laut Reuß weiß sie über alle möglichen Kanäle, „was an der Basis für Sorgen und für Nöte sind, auch wenn man glaubt, die sind da sehr weit abgehoben“. Seine Themen im Überblick:

Gewalt auf dem Platz

Das Thema lässt den Verband seit dem vergangenen Herbst nicht mehr los. Nach dem Jahreswechsel habe es wieder Zwischenfälle mit Gewalt gegen Schiedsrichter gegeben, selbst in der Halle, berichtete Reuß und sagte: „Wir werden mit allen Möglichkeiten, die wir sportrechtlich haben, dagegen vorgehen.“

Das ist die eine Seite. Der oberste Repräsentant von mehr als 500 000 Mitgliedern verwies mehr noch auf die andere Seite, die Prävention. Der HFV installiert etwa Fair-Play-Beobachter, stattet den Sicherheitsbeaufragten der Klubs (Platzordner-Obmann) mit mehr Kompetenzen aus und führt den Trainer-Pass ein: Dafür sollen die Trainer geschult werden.

Im Ergebnis erhofft sich der Verband, dass sie stärker deeskalierend auf Spieler einwirken „und mitwirken, dass mehr Fair Play möglich ist“, so Reuß, Die Vereine rief er auf, Partner im Netzwerk für Fair Play zu werden. Sechs aus Waldeck sind schon dabei (siehe unten).

Zehn-Minuten-Strafe

Das DFB-Präsidium hatte am Freitagmittag sein Okay gegeben für das Modellkonzept des HFV. Der Verband will, befristet auf zwei Jahre, den 1991 abgeschafften Ausschluss auf Zeit in den Kreisober- und Kreisligen wieder einführen. „Wir glauben, dass es ein gutes Instrument sein kann, das wir ausprobieren wollen“, so Reuß.

Auch diese Sanktion, die Grünberg beschließen soll, fällt für Reuß unter Prävention: „Vielleicht hilft es im Amateurbereich, wenn man Emotionen über einen gewissen Zeitraum rausnehmen kann.“

Schiedsrichtersoll

Der Aufreger der vergangenen Jahre, jedenfalls in den Vereinen, die Geld zahlen oder Punkte abgeben mussten, weil sie nicht genügend Unparteiische steltlen. Reuß kündigte für Grünberg einen Antrag an mit dem Ziel, „eine komplett neue Berechnung und Systematik einzuführen“. 

Wie viele Schiedsrichter ein Verein dann zu stellen hat, richtet sich nicht mehr nach der Zahl seiner Mannschaften (wie bisher). Stattdessen muss er sicherstellen, dass seine Referees in der Saison genau so viele Partien leiten (bei anderen Klubs) wie seine Teams Heimspiele haben. Das ist das neue Soll.

Wie oft der Einzelne pfeift, ist nicht mehr vorgeschrieben. Vielpfeifer können also klub-intern wettmachen, was ihre Kollegen nicht schaffen. „Wir erwarten, dass niedrigere Strafen ausgesprochen werden müssen“, sagte Reuß. 

Der Verband erwarte aber auch, dass sich „alle bewusst werden, dass sie eine gewisse Mitverantwortung tragen, damit ausreichend Schiedsrichter da sind“. Das Wort bezog er auch auf der Verhalten gegenüber Neu-Schiedsrichtern.

Coronavirus

Aktuell empfiehlt der Verband, Fair-Play-Gesten wie den Handshake vor dem Anpfiff vorübergehend auszusetzen. „Wir wollen die Ansteckungsgefahren nicht noch fördern“, sagte Reuß. Ob Kreisfußballtage oder ähnliche Großtreffen stattfinden könnten, müsse man mit den lokalen Gesundheitsämtern absprechen. 

Spielabsagen schloss er für den Fall nicht aus, dass sich die Lage verschärft. Man werde kurzfristig reagieren. Reuß machte klar, dass er auch von den Profis entsprechende Signale erwartet.

Verdient gemacht um den Fußball: Die geehrten Vereins- und Verbandsmitarbeiter mit (rechts) Verbandspräsident Stefan Reuß und Claus Menke, Vorsitzender des Verbandsausschusses für Freizeit- und Breitensport.

Viele Ehrenamtliche geehrt

Eine Frau und 21 Männer standen auf der Ehrungsliste in Volkmarsen. Die Große Verbandsehrennadel als höchste Auszeichnung des HFV für Vereinsmitglieder erhielten: Karl Nasemann (TSV Freienhagen), Friedrich Kreh (SV Neudorf) und Torsten Knoche (TSV Strothe)

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