Taschenrechner wird auch bei den Junioren gebraucht

Jugendfußball: Wie die Saison gewertet wird und wer aufsteigen darf

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Freudlose Corona-Zeit: Auf Meister- und Pokalsiegerjubel mussten die Fußball-Junioren (hier eine Szene vom Ederseecup 2019) in diesem Frühjahr verzichten. Bald dürfen sich aber e inige über den Aufstieg freuen.

Noch fünf Tage, dann ist die Warteschleife auch für die Fußballer unter 18 Jahren beendet. Wie die Großen, so wissen aber auch die Junioren schon, was auf sie zukommen wird.

Denn wie die Weichen beim außerordentlichen Verbandstag des Hessischen Fußballverbandes (HFV) am kommenden Samstag (20. Juni) gestellt werden sollen, ist in aller Munde, seitdem der Verbandsvorstand kürzlich seine Empfehlungen bekannt gegeben hat.

Saisonabbruch zum 30. Juni, Wertung der Saison ohne Absteiger, wohl aber mit Aufsteiger(n), sei es direkt als Tabellenerster oder zusätzlich als eines der Teams, das unter normalen Umständen Relegation oder Aufstiegsrunde gespielt hätte (WLZ berichtete).

Eines steht über allem: Was am Samstag verabschiedet wird, gilt auch für den Juniorenbereich. Das bekräftigte auch Joachim Schmolt noch einmal, Waldecks Kreisjugendwart, der am Mittwoch in einem Online-Meeting mit seinen Amtskollegen der anderen Fußballkreise nochmal wichtige Themen im Vorfeld des Verbandstages abklopfte.

100 Prozent Zustimmung

Mittlerweile, so zeigte sich, steuern die Kreisjugendwart den Kahn in die gleiche Richtung. „Vor drei, vier Wochen gab es noch einige meiner Kollegen, die die Saison zu Ende spielen wollten. Doch ihnen fiel dann ein, welche Konsequenzen das hätte“, berichtet Schmolt. „Am Mittwoch gab es 100 Prozent Zustimmung zu der vom Verbandsvorstand empfohlenen Beschlussvariante.“

Schmolt und Co. warten freilich ab, ob die Verbands-Delegierten alles wie erhofft durchwinken. Aber hinter den Kulissen hat die Planung für die nahe und fernere Zukunft des Jugendfußball bereits begonnen. Was passiert, wenn es so kommt? 

Die Abschlusstabellen

Wie bei den Senioren wird die Quotientenregel angewendet, damit die unterschiedliche Anzahl ausgetragener Spiele berücksichtigt werden kann. Die erspielten Punkte werden durch die Anzahl der Partien geteilt. Sollten die Punkte dennoch gleich sein, wird der direkte Vergleich der betroffenen Mannschaften herangezogen.

Ein Sonderfall ergab sich laut Joachim Schmolt in der A-Jugend-Gruppenliga. Der Zweitplatzierte musste mit dem Quotient aus der Tordifferenz ermittelt werden, da die Punktquote bei beiden Teams genau 2,0 war. „Aber das greift ohnehin nur, wenn der Erstplatzierte nicht aufsteigen will“, so Schmolt. 

Joachim Schmolt,  Kreisjugendfußballwart Waldeck, glaubt nicht an aufgeblähte Ligen in der kommenden Saison.

Der Edertaler ergänzt: Erst beim Verbandstag wird darüber entschieden, welche Kriterien bei einem gleichen Punktequotienten zweier Mannschaften herangezogen werden oder aber, wenn es keinen fairen Direktvergleich gab, also zum Beispiel, weil das Rückspiel noch nicht ausgetragen wurde.

Wer aufsteigen darf

Grundsätzlich bleibt die vor der Saison festgelegte Aufstiegsregelung bestehen. Wer die Tabelle anführt (nach Quotientenregel), hat das Aufstiegsrecht. Beraten mussten sich die Kreisjugendwarte in der Frage, wer aus den Kreisligen in die Gruppenligen aufsteigen darf, erklärt Joachim Schmolt. Dafür waren vor Saisonbeginn Aufstiegsspiele bzw. -runden ausgelost worden – und daran halten die Kreise fest.

Das heißt zum Beispiel: Bei den A- und B-Junioren werden aus vier Kreisligen insgesamt drei Aufsteiger ermittelt. Die Teams der ausgelosten Paarungen werden direkt miteinander verglichen, und Sieger ist das mit dem besseren Punkte-Quotienten.

Wer Meister ist

Problemlos und ohne Nachhall, so Schmolt, kann die Aufstiegsfrage in den vier Gruppenligen geklärt werden. „Von den A- bis D-Jugend ist der jeweilige Tabellenführer beim Abbruch im März auch nach Quotientenregelung eindeutig Erster.“

Soll heißen: Bei den Ältesten darf sich die JSG Calden/Grebenstein/Hombressen/Udenhausen Meister nennen und aufsteigen. Als guter Dritter beendet die JSG Bad Arolsen/Landau die Corona-Saison. Bei den B-Junioren feiert der Kreis Waldeck seit langer Zeit mal wieder einen Meister: Der TSV Korbach lag mit nur einer Niederlage in elf Spielen um drei Punkte vor dem KSV Baunatal II (bei gleicher Anzahl Spiele).

Bei den C-Junioren wurden die Korbacher Vierter, fünf Zähler hinter dem erstplatzierten OSC Vellmar II. Der TuSpo Mengeringhausen als Vorletzter bekommt aufgrund der „Keine-Absteiger“-Regelung eine erneute Bewährungschance. Bestes Team der D-Junioren war der KSV Baunatal, Mengeringhausen wurde Achter.

Endgültig ist das alles noch nicht; vor allem muss geklärt werden: Wer möchte überhaupt aufsteigen? Zeitnah sollen alle betroffenen Vereine bzw. JSGs dazu befragt werden, ebenso gegebenenfalls potenzielle Nachrücker. Möglichen sei auch, dass Teams, die die Klasse gehalten haben, freiwillig zurückziehen, erklärt Kreisjugendwart Schmolt. „Ich kann mir vorstellen, dass es einige gibt, die auf ihren Startplatz verzichten. Deshalb habe ich keine Angst, dass es bei uns zu aufgeblähten Spielklassen kommt.“ 

So ist der Endstand in den Kreisligen

In den Waldecker Kreisligen ist die Lage teilweise diffizil. Allen voran: die C-Jugend-Kreisliga. Tabellenführer JSG Waldeck /13 Spiele/33 Punkte; Quotient 2,53) wird nach Anwendung der Quotientenregel zum Drittplatzierten. Und auf Platz eins klettern gleich zwei Mannschaften: die JSG Edersee und die JSG Diemelsee/Upland (je 12 Spiele/31 Punkte; 2,58). Es kommt der Direktvergleich zum tragen, er macht die JSG Edersee zum Ligameister, denn die Groß-Spielgemeinschaft gewann zu Hause gegen Diemelsee 3:1, das zweite Spiel endete 1:1. 

Ungeschlagen Meister der B-Junioren darf sich die JSG Edertal/Friedrichstein nach zehn Siegen aus zehn Spielen nennen. Sehr knapp ist es dagegen bei den A-Jugendlichen. Nur der Quotient entscheidet das Meisterrennen zwischen dem TSV Korbach (9 Spiele) und der JSG Diemelsee/Upland (10 Spiele), die beide 22 Punkte haben. Die Hansestädter liegen rechnerisch dann vorne. 

In der acht Mannschaften umfassenden Kreisliga der D-Jugend haben manche Teams nur sechsmal gespielt – dann war vorzeitig Schluss, und die JSG Rhena/Lelbach/Meineringhausen ist mit weißer Weste aus acht Spielen „Corona-Meister“. Gleiches gilt für den VfR Volkmarsen (6 Spiele, 6 Siege) bei den E-Junioren.

Was wird aus dem Pokal?

Die Meisterschaft wurde abgebrochen. Der Pokal auch? Aller Voraussicht nach wird es keine sportlich ermittelten Pokalsieger 2020 geben. „Die Tendenz geht zu Abbruch, weil das Problem besteht, dass sich die Altersklassen und dazugehörigen Jahrgänge ändern, wenn wir den Wettbewerb fortsetzen “, sagt Schmolt. In der neuen Saison mit den alten Jahrgängen weiterzuspielen, sei auch keine bessere Lösung. (schä)

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