Fußball-Verbandsliga: Ganz schwache Vorstellung beim zweiten Heimsieg der neuen Saison

SC Willingen quält sich zum 3:1 gegen Türkgücü Kassel

+
Drehte mit zwei starken Einzelleistungen das Willinger Spiel auf Sieg: Jan-Henrik Vogel.

Willingen – Direkt nach dem Abpfiff gratulierte er seiner Mannschaft zu den drei Punkten. Über mehr konnte sich Trainer Rainer Schramme beim 3:1 (0:1) des SC Willingen gegen Türkgücü Kassel auch nicht freuen.

Mächtig sauer war der Coach zur Halbzeit in die Kabine getrottet. „Das war die schlechteste Leistung seitdem ich hier in der Verantwortung stehe.“ Dabei trat der mit zwei 0:3-Niederlagen gestarteten Neulinge alles andere als überragend auf. „Aber sie waren galliger, lauffreudiger und haben sich lautstark unterstützt“, vermisste Schramme diese klassischen Fußballtugenden bei seiner Elf.

Als Linksverteidiger Eric Teipel unkonzentriert den Ball an Michael Gerber verlor, nutzte Emre Bicer dessen Pass zum 0:1. Da waren erst sechs Minuten gespielt, aber es war längst nicht die erste Unsicherheit in der Willinger Defensive. „Ich habe Willingen viel stärker eingeschätzt“, staunte Türkgücü-Trainer Hüseyin Üstün, „meine jungen Spieler waren sogar überrascht über ihr erstes Verbandsliga-Tor“. 

Gäste mit ersten Verbandsliga-Tor

Die Mannschaft aus der Kasseler Nordstadt machte das auch in der Folge gut, verteidigte konzentriert, stand dabei sehr hoch und stürzte den Gegner von einer Verlegenheit in die andere. Von geordnetem Spielaufbau bei den Gastgebern keine Spur, dafür verloren Jan-Henrik Vogel und Christoph Keindl in der Zentrale zu viele Zweikämpfe. Der starke Tobias Schumann konnte es in Abwesenheit von Urlauber Matthias Bott nicht alleine richten. „Seit ihr endlich wach?“, versuchte Trainer Hubert Albers seine Kicker aus der Lethargie zu holen.

Zwei energische Antritte und ein Abschluss des ansonsten blassen Sebastian Müller waren aber für lange Zeit die einzigen Offensivzeichen (7./8.). Als dann zwei lange Bälle von Keindl und Raphael Mütze doch mal ankamen, da klärte Bek Berkan überragend gegen Florian Heine (25.) und zielte der ansonsten kaum zu sehende SCW-Torjäger knapp daneben (27.). „Die Jungs haben das richtig gut gemacht“, meinte Üstün, freilich gelang es bei aller spielerischen Überlegenheit nicht weitere Hochkaräter zu kreieren.

Jan-Henrik Vogel mit genialen Momenten

 Nach dem Kabinengang wurde es aus Willinger Sicht besser, aber nach der Chance des eingewechselten Christian Kuhnhenne (48.) schlug Druck machen mit lautstarkem Anfeuern zunehmend in Hektik um. So musste eine Einzelleistung herhalten, um das Geschehen in die richtige Richtung zu lenken. Vogel nahm nach einer Seitenverlagerung den Pass von Eric Kroll an, drehte einen Kringel um zwei Gegenspieler und drosch den Ball mit links flach ins linke Eck – 1:1 (59.).

 „Ordnung, Ordnung, Ordnung“, rief Schramme angesichts der fragilen Abwehr, „nicht überpowern“. Kurz danach war das Blatt aber gewendet, als ein Befreiungsschlag von Jan-Niklas Albers bei Heine landete und der artistisch mit einem Pass über Kopf den in der eigenen Hälfte gestarteten Vogel bediente. Der Regisseur wurde bald von zwei Kasseler Verteidigern gestellt, aber er legte sich den Ball solange mit Körperdrehungen zurecht, bis er ihn aus zwölf Metern in die Maschen hämmern konnte (70.). Die individuelle Klasse von Vogel, dieses Mal als Vorbereiter zum 3:1, und von Heine entschied letztlich die Partie (73.). 30 Sekunden zuvor hatte der Torschütze ebenso frei statt eines Hebers eine „Rückgabe“ auf Moumen Kam Naksh fabriziert.

Danach war der Widerstand der fairen und technisch starken Gäste gebrochen. Kroll hätte in der 84. Minute allein vor dem SV-Keeper sogar noch erhöhen müssen. „Ärgerlich“, meinte Üstün, „hier waren heute drei Punkte drin“. Aber am Ende seien individuelle Fehler bestraft worden, „da müssen wir noch lernen“. 

Gegenüber Schramme war längst nicht mehr so sauer wie in der Pause. „Die erste Hälfte war Kassel besser, die zweite wir“, verbuchte er es als „richtigen Arbeitssieg“. Der wäre freilich mit der Leistung gegen einen stärkeren Gegner als den biederen Aufsteiger nicht gelungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare