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Zwei Sonntagsschüsse zu viel: SG Landau/Wolfhagen unterliegt Borussia Dortmund mit 0:3

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Fans verabschieden Mannschaft
Wie die Profis verabschieden sich die Dortmunder Spielerinnen von ihren mitgereisten Fans. Die gewannen die Partie gegen die SG Landau/Wolfhagen und mit 3:0. Doch die klassenhöhere SG hielt gut mit, vor allem Sarah Schütz bereitete dem BVB viel Mühe, ihr Schuss trifft nur an den Pfosten. © Artur Schöneburg

Was ein Name so alles bewegen kann. Da spielt ein Landesligist gegen einen gerade aufgestiegenen Bezirksligisten im Frauenfußball und es kommen rund 500 Zuschauer auf den Landauer Sportplatz.

Landau – Borussia Dortmund besitzt Zugkraft, sogar einige Fans sind mit nach Landau gereist. Und obwohl die Mannschaft der SG Landau/Wolfhagen der höherklassige Verein auf dem Rasen ist, fühlt sie sich schwächer, weil der Verstand diesen großen Namen im Fußball einfach nicht mit einem Bezirksliga-Aufsteiger in Verbindung bringen will.

So macht man sich selbst kleiner als man ist und SG-Trainer Hagen Marquardt gibt auch zu, dass er und seine Spielerinnen nicht mit einem Sieg gegen die eine Klasse tiefer spielende Borussia aus Dortmund gerechnet haben. Sie behielten recht und unterlagen den Schwarz-Gelben mit 0:3 (0:1).

Doch da war mehr drin für die Heimelf, sie hielt die Partie stets offen, war spielerisch gleichwertig und wenn das Glück weniger auf der Seite der Schwarzgelben gestanden, sondern mehr zu den Blauen gehalten hätte, wer weiß….

Zwei Sonntagsschüsse von Ana Louisa Zabell (50.) und 0:3 Karolin Kaul (83.) schlagen im Winkel ein und auf der anderen Seite macht Sarah Schütz (18.) auch alles richtig , der Ball ist ebenfalls auf einem guten Weg, ein Sonntagsschuss zu werden, aber der Pfosten steht dieser Bezeichnung im Weg. Die spritzige SG-Stürmerin, die den Dortmunderinnen viel Abwehrarbeit bereitet, hätte mit einem weiteren Abschluss kurz vor der Halbzeit auch den Ausgleich erzielen können, aber auch hier hat das Glück keine Lust einzugreifen, knapp daneben.

Dass ein großer Name den Verstand auch in eine andere Richtung verwirren kann, belegt eine Szene aus der 32. Minute. Eine flache Hereingabe von links rauscht durch den SG-Fünfmeterraum hinten am langen Pfosten steht die Dortmunderin Annika Herbig und sie muss nur noch den Fuß hinhalten, doch sie tritt über den Ball. So eine Riesenchance, das darf doch einer Spielerin von Borussia Dortmund nicht passieren, schießt es dem Beobachter sofort durch den Sinn. Doch als der Realitätssinn zurückkehrt, bewertet er die Szene so: Eine angehende Bezirksliga-Spielerin hat den Ball nicht getroffen, na und, das ist doch nicht ungewöhnlich.

Die Null hätte eigentlich auch für die Mannschaft von Trainer Marquardt zu Halbzeit stehen können, aber das verhinderte ein krasser Abwehrschnitzer, wodurch der Ball der BVB-Spielmacherin Lea Rogge-Herper (30.) vor die Füße fiel, die mit einem Heber die Führung für die Borussia erzielte.

Viel Lob für die SG Landau trotz Niederlage

Nach dem Wechsel hatten die Gastgeberinnen mehr Feldvorteile, aber sie schafften es nur selten, sich gute Torchancen herauszuarbeiten. Das gelang dem BVB besser. SG-Trainer Marquard stellte taktisch um, auf eine eher unkonventionelle Spielweise, die auf der Dortmunder Bank so kommentiert wurde: „Passt auf, die spielen jetzt Mann gegen Mann“ Da hat jemand noch etwas Trainingsrückstand beim Gendern. Aber auch auf der Landauer Bank ist immer noch die Rede vom Hintermann. Das ist die Macht der Gewohnheit, diese Worte sind nicht so leicht, aus dem Spiel zu nehmen.

Fußballerin schießt. Verteidigerin kommt zu spät
Sie war kaum zu bremsen: Die SG-Stürmerin Sarah Schütz (links) bereitete der BVB-Abwehr viel Mühe, ihr Schuss trifft hier nur den Pfosten.  © Artur Schöneburg

Auf dem Platz bleibt es weiterhin recht unterhaltsam, aber auch am Spielfeldrand kommt Freude auf. So sitzt Schiri-Assistent Manuel Winkler der Schalk im Nacken als er Trainer Marquardt bittet, er möge doch mal die Coachingzone verlassen, damit er ihm endlich diese Worte sagen könne: „Hier ist es wie auf der Landkarte: Da ist Dortmund, hier Hagen.“ Mit diesem Kalauer an der Seitenlinie und einem Dortmunder Lattenknaller von Mia Bedarf in der Schlussminute endet dieses Spiel.

Und beide Trainer waren weitgehend zufrieden, mit dem, was ihre Spielerinnen so früh in der Vorbereitungsphase ihnen angeboten haben. Doch im Gespräch mit BVB-Coach Thomas Sulewski werden schon noch Unterschiede zwischen beiden Teams deutlich.

Anreise mit den Privatautos

Er könnte vier Mannschaften trainieren, sagte er, und müsse viele Anfragen von Spielerinnen absagen. „Wir haben in der kommenden Saison erstmals auch eine zweite Mannschaft, aber wir suchen die Spielerinnen noch um Umkreis von 30 Kilometern von Dortmund“, betont der Coach, der mit drei weiteren Trainern und anderen Helfern die Dortmunder Frauen betreut.

In diesem Großverein finden die Spielerinnen natürlich an einigen Stellen auch professionelle Bedingungen vor, aber die BVB-Führung behandelt seine Kickerinnen dennoch so, dass sie die Bodenständigkeit nicht schon in der Bezirksliga verlieren.

Wer in Landau nach dem großen, klimatisieren Luxusbus mit BVB -Logo Ausschau hielt, hat ihn nicht gefunden: Die Spielerinnen kamen mit Privatautos nach Landau. So reisen Amateure. (rsm)

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