Corona bereitete kaum Probleme

Rückblick auf die Hinrunde der Fußball-Kreisliga A und B: Zwei Unbesiegte und ein Siegloser

Zweikampf im Fußball
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Auflieger: Torwart Piotr Mutke (Wellen/Wega) hat den Ball unter sich und Jan-Eric Himmelmann (SG Vöhl/Basdorf) über sich.

Die Vereine haben es gemeistert und den Kreisliga-Fußball zurückgebracht. Mühelos – auf die Corona-Folgen bezogen – haben die Fußballer der A- und B-Klasse die Winterpause erreicht. Eine unvollständige Bestandsaufnahme.

Das Virus hat den Fußball diesmal nicht gestoppt. Das allein ist schon ein Erfolg. Was in der gerade beendeten Halbserie in den A- und B-Liga bemerkenswert war, was weniger klappte, und worauf in Zukunft noch zu achten sein sollte, fasst diese Kreisligarückschau zusammen:

A wie ausgeglichen: Eng beieinander sind die Verfolgergruppen der jeweiligen Spitzenreiter in beiden Ligen. In der A- Liga tummeln sich fünf Mannschaften mit lediglich fünf Zählern Abstand zueinander. In der B- Liga lauern hinter dem Rangzweiten TSV Altenlotheim II sechs Mannschaften, die lediglich durch eine Differenz von zwei Punkten von einander getrennt sind.

B wie besser als gedacht: So lief es für die SG Lelbach/Rhena II, bei der sich im Vorfeld der Saison ernsthafte Zweifel eingeschlichen hatten, ob sie genug Spieler zusammenkommt. Unter dem Strich lief es für die Vereinigten in der B-Liga bisher so gut, dass das Saisonziel Klassenerhalt gut machbar sein sollte. Die Mannschaft des Tabellenneunten wird vor allem von Spielern wie Florian Niem, Florian Engelhardt und Noman Khan getragen. Eine Spielabsage, wie sie dreimal in der B-Liga wegen Personalmangels vorkam, leistete sich die SG Lelbach/Rhena II nicht.

C wie Coup: Den schaffte die SG Höringhausen/Meineringhausen II. Als einzige Mannschaft der B-Liga konnte die Elf der Trainer Bernd Simshäuser und Harald Schäfer dem TSV Korbach II einen Zähler abringen (0:0).

D wie Dominanz: Das strahlen mit dem TSV Strothe und dem TSV Korbach II zwei Mannschaften in Blau-Weiß aus. Lediglich ein Remis leisten sich die Spitzenreiter der A- und B-Liga in der Hinserie. Man darf gespannt sein, ob beide ohne Niederlage durch die Saison kommen werden.

E wie Einstieg: Von solch einem Saisonstart wie ihn Christian Schütz von der SG Nieder-Waroldern/Landau erlebt hat, kann vermutlich nicht einmal ein Profi erzählen. Kaum war der Anpfiff ertönt, da hatte er auch schon das erste Saisontor klargemacht. Es war die erste Minute im Spiel gegen den TSV Odershausen und den guten Start rundete er mit einem weiteren Treffer (85.) ab.

F wie Fehltritt: Gleich zwei davon sah der Kreisligafußball in der Hinrunde. Zum einen die oberhalb der untersten Klasse historische 20:0-Pleite der Zweitvertretung von Blau-Gelb Korbach in Dorfitter in der A-Liga, dann die 15:0-Husche des TSV Berndorf II in der B-Liga beim TSV/FC Korbach II.

G wie Goalgetter: Ein Garant für den Erfolg im Fußball sind Tore. Fast jede Mannschaft hat da so ein, zwei Spieler, die vor allem dafür zuständig sind, den Ball über die Torlinie zu befördert, egal wie. Die Spitzenreiter der beiden Ligen haben gleich mehrere Kicker in ihren Reihen, die immer für einen Treffer gut sind. Beim TSV Strothe stehen für Treffsicherheit die Namen Nico Mannweiler (16 Tore), Luca Brandt (15) und Jonas Stiehl (14) ganz oben, unberechenbarer ist hier der TSV/ FC Korbach II, denn es stehen gleich sechs Spieler in der Top 20 der Liga-Torjägerliste, allen voran Daniel Kinzel und Leonard Kor (jeweils 8).

H wie Heimserie: In Altenlotheim steht eine Festung. Auf dem Platz am Oberbach hat die „Zweite“ von Stephen Garthe eine besondere Serie aufgestellt: Bereits in der vergangenen Saison schaffte es keine Mannschaft der B-Liga, dort auch nur einen Zähler zu entführen und diese Unbesiegbarkeit hat die Mannschaft fortgeführt. Der Coach führt diesen Siegeszug vor allem auf die lautstarke Unterstützung der Fans zurück.

I wie i-Tüpfelchen: Das hat der TSV Strothe quasi als Krönung seiner fulminanten Hinrunde gesetzt. Es war im Heimspiel gegen die SG Rhoden/Schmillinghausen, als der TSV lange wie der Verlierer aussah, zweimal im Rückstand lag, dann aber noch zurückschlug und nicht nur den späten Ausgleich (82.) erzielte, sondern in der Schlussminute durch Luka Brandt noch den Dreier einfuhr.

J wie Jugendfußballer: Nachwuchskicker sind bei Dorfvereinen gern gesehen, aber rar gesät. Abseits der wenigen größeren Stadtvereine leidet etwa die SG Rhoden/Schmillinghausen an dem kleinen Kader in dem auch nur spärlich etwas nachwächst. In der Winterpause scheint aber ein jugendliches Trio bei der SG von Markus Steinbock anzuheuern. Was man jetzt schon dazu sagen kann: Die Blutauffrischung wissen sie dort sehr zu schätzen.

K wie Korbacher Fußball: In Waldecks größter Stadt scheinen die fußballerischen Gegensätze größer zu werden. Während der TSV/FC nicht nur in der Kreisoberliga ein Aufstiegskandidat ist, sondern auch die recht junge Reservemannschaft in der Kreisliga B klar auf Meisterkurs liegt, geht es beim Stadtrivalen Blau-Gelb genau in die andere sportliche Richtung. Beide Teams bilden das Schlusslicht in ihren Ligen. Der Klassenerhalt scheint weder in der Kreisoberliga noch in der Kreisliga A möglich zu sein.

L wie Letzter: In beiden Kreisligen gibt nur eine Mannschaft, die immer noch auf ihren ersten Sieg wartet: der TSV Berndorf II in der Kreisliga B. Weitere vier Teams sind mit nur einem Sieg knapp an der Kategorie „Noch ohne Dreier“ vorbeigeschrammt: die Reserve der Blau-Gelben aus Korbach, die zweiten Mannschaften von Hö/Mei, des TuS Bad Arolsen und der SV Freienhagen/Sachsenhausen.

M wie Meisterschaftskampf: In beiden Ligen hat sich jeweils eine Mannschaft hervorgespielt, denen der Meistertitel nur noch schwer zu nehmen sein wird. Beide leisteten sich jeweils nur ein Remis in der Hinserie. Allerdings waren es keine Topteams, die diesen Mannschaften den Punkt abgeknöpft haben, es waren „nur“ der TSV Ehringen und die Jungs der SG Hö/Mei II. Das sollte allen anderen Mannschaften Mut machen, diesen Teams in der Rückrunde ihre Unschlagbarkeit zu nehmen.

Abgezogen: Mutea Abdulla (Immighausen, links) hat den Ball bereits auf die Reise geschickt, der Abwehrversuch von Maurice Iacovelli (Massenhausen) kommt zu spät.

N wie Nebenjob: Den Kreisliga-Kick zum Auslaufen oder als Ausgleich. Es kommt heute nur noch selten vor, dass jemand Handball oder eine andere Sportart und Fußball an einem Wochenende spielt. Es gibt aber einen besonderen Nebenjobber beim SV Hillershausen: Dort wirbelt nämlich seit Mitte der Hinrunde der Regionalliga-Futsal-Spieler Henrique Mota im Mittelfeld. Er traf bei seinem Debüt gleich doppelt traf und verwandelte auf diese Weise seinen Einstand in Hillershausen zu einem feucht-fröhlichen Fest.

O wie ohne Tadel: Der Kampf um Punkte auf dem Fußballfeld wird von jedem Kicker individuell geführt. Mehr spielerisch, mehr kämpferisch, meist regelgerecht, aber leider nicht immer. An dieser Stelle seien daher die SG Waldeck/ Netze (A-Liga) und die SV Freienhagen/ Sachsenhausen II (B-Liga) genannt und gelobt, weil sie in der Hinrunde die fairsten Mannschaften in ihrer Liga waren.

P wie Pleitenserie: Dass anhaltender Misserfolg das Selbstvertrauen nicht gerade fördert, ist bekannt. Als Sportler muss man diese Tiefs aushalten, meist ziehen sie wie ein Gewitter über einen hinweg. Es gibt auch Mannschaften in den Tabellenkellern der beiden Ligen, die nicht aufstecken. Sie sind oft nah am Punktgewinn, aber das Pech dreht ihnen immer wieder die lange Nase.

Zu diesen Teams der Kategorie oft gut mitgespielt, aber kaum Ertrag eingefahren, zählt etwa der TSV Berndorf II oder der VfR Volkmarsen II. Der VfR erinnert sich nur noch ungern an das Spiel in Dorfitter. Lange Zeit gegen den Favoriten mitgehalten, aber dann innerhalb von drei Minuten drei Tore kassiert. Das lähmt. Jenen Mannschaften, die immer wieder unglücklich um den Lohn gebracht wurden, wünschen wir in der Rückrunde, dass Fortuna die Pechsträhne beiseite kickt.

R wie Routiniers: Unter besonderer Beobachtung standen einige Routiniers. Die lange Corona-Pause hat ja allen Kickern Probleme beim Wiedereinstieg bereitet, aber der war für ältere Spieler vermutlich noch beschwerlicher. Dennoch schießen Senioren wie etwa der 48-jährige Christofer Mixon (SG Vöhl/Basdorf/W./8 Tore), der 42 Jahre alte Kai Bremmer (TSV Altenlotheim/12) oder der 40-jährige Sebastian Heyer (SV Eimelrod/8) weiterhin ihre Tore.

S wie Spielertrainer: In den Jahre zuvor gab es den mitkickenden Coach nur vereinzelt, aber er hat Konjunktur. Aus einer Interimslösung entpuppte sich in einigen Vereinen der Spielertrainer. Sowohl in Arolsen wie auch in Volkmarsen, Odershausen und Hesperinghausen übernahmen ehemalige Mitspieler die Geschicke ihrer Heimatvereine.

T wie Torhüter: Die einsamen Männer zwischen den Pfosten waren insbesondere beim SV Fürstenberg/Immighausen von großer Bedeutung. Dort waren in elf Partien neben dem Stammkeeper vier verschiedene Schlussmänner im Einsatz, was in dieser Disziplin die Topquote in den zwei Kreisligen darstellt.

U wie Unglück: Das hatte Philipp Litschel, Spielertrainer bei der SV Freienhagen/Sachsenhausen II beim Gastspiel in Hillershausen sogar doppelt. Erst überlupfte der Verteidiger seinen eigenen Torhüter bei einem Versuch, den Ball wegzuschlagen, er landete im eigenen Tor, nur fünf Minuten später, verschätzte er sich bei einem Rückpass und der Ball rollte zum zweiten Eigentor ins Netz. Eindeutig ein Fall für das Kacktor des Monats

V wie veränderter Verweis: Die Zeitstrafe kam als neue Regel vor dieser Saison hinzu und wird nach der ersten gelben Karte für ein zweites gelbwürdiges Vergehen eingesetzt. Zehn Minuten darf ein Sünder neben dem Spielfeld über seine Untaten nachdenken. Interessant ist, dass diese Strafe in der Kreisliga A (31) mehr als dreimal so häufig eingesetzt wurde wie in der B-Liga (9).

W wie Weitschusstreffer: Tore bei den denen der Ball zuvor 30 und mehr Meter in der Luft war sind rar gesät. Solche Seltenheitstreffer rahmten die Hinserie des SV Eimelrod ein. Während die Upländer zum Saisonauftakt durch einen „Kometen“ von der Mittellinie durch Marcel Dietrich erfolgreich waren, kassierten sie am letzten Hinrundenspieltag einen solchen Weitschuss, den der Altenlotheimer Nico Backhaus auf die Reise geschickt hatte.

Z wie Zuschauer: Von allen Fußballplätzen in den Kreisligen verkündeten die Berichterstatter eine durchaus positive Meldung: Sie beobachteten ein starkes Zuschauerplus in der Hinrunde. Ob das nun an der langen Corona-Pause oder an der Sehnsucht nach dem ehrlichen Amateurkick liegt, ist nicht messbar. Das ist auch egal. Der Sportplatzbesucher sendet eine klare Botschaft: Kreisliga, wir mögen dich. (csh)

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