Fußball-Verbandsliga Mitte

110% Teamgeist: Zehn Ederbergländer machen aus 0:2 einen Sieg

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- Allendorf (stu). Schere raus, Tabelle ausschneiden und aufhängen: Der FC Ederbergland steht auf Platz fünf der Verbandsliga-Tabelle - und das nach einem denkwürdigen letzten Heimspiel 2009. Mit 3:2 schlugen die Ederbergländer am Samstag auf de Allendorfer Kunstrasen den SV Zeilsheim und lieferten eine Demonstration an Teamgeist und Moral ab. Zur Pause 0:2 hinten liegend, drehte der FCE noch die Partie und feierte den neunten Saisonsieg frenetisch.

Kapitän Möllmann mit Gelb-Rot vom Platz, Trainer Frede folgte wegen Reklamierens, und die Mannschaft zu Hause mit 0:2 in Rückstand: Nach 48 Minuten hätte wohl selbst die Wettmafia keinen Euro mehr auf den FC Ederbergland gesetzt. Doch mit einer unglaublichen Willensleistung drehte die Mannschaft innerhalb von einer halben Stunde die Partie und hatte sogar noch Möglichkeiten, das Ergebnis noch höher zu gestalten.

Bereits nach zwei Minuten hielten die Ederbergländer Anhänger den Atem an, als Bretthauer ins Tor von Casella traf. Doch Linienrichter Kliebe, in der zweiten Halbzeit im ständigen Dialog mit den Zuschauern, hatte die Fahne oben; wegen einer Abseitsstellung zählte der Treffer nicht.Auf dem Kunstrasenplatz taten sich die Gastgeber schwer. Viel zu oft wurde durch die Mitte gespielt, die Außen waren selten besetzt. Außerdem häuften sich beim Spielaufbau die Fehlpässe, der finale Pass in die Spitze landete meist beim Gegner. Die Gäste waren technisch versierter, agierten auf dem für sie gewohnten, schnellen Untergrund leichtfüßiger und waren immer dann gefährlich, wenn in der Spitze diagonal gespielt wurde.

Bei einem dieser diagonal durch den Strafraum gespielten Bälle, kam Möllmann zu spät und konnte Temur nur noch mit einem "Haltegriff" bremsen. Elfmeter für Zeilsheim, Gelb für Möllmann lautete die Entscheidung des jungen Unparteiischen. Azougagh lief an, verzögerte regelwidrig gleich zweimal, und hatte dann leichts Spiel gegen den bereits am Boden liegenden Casella - 0:1 (20.). Der heftig reklamierende Ederbergländer Torhüter forderte eine Wiederholung beim Schiedsrichter, erhielt aber nur die Gelbe Karte.Die Platzherren hatten im ersten Durchgang nur vereinzelte Möglichkeiten durch Reitz und Karge aus der Distanz, Sturmspitze Eickhoff war mehrfach gezwungen sich den Ball in der eigenen Hälfte zu holen. Auch die Gäste hatten keine großen Chancen mehr zu verzeichnen, ihre Körpersprache wirkte aber wesentlich aggressiver und positiver als die der Platzherren.

Vier Minuten vor dem Seitenwechsel schlug es dann zum zweiten Mal hinter Casella ein. Wieder war ein diagonaler Ball in die Spitze gespielt worden, Schuster nahm den Ball Richtung Außenlinie mit und legte dann mit der Hacke auf Darray ab, der unhaltbar einschoss.

Nach dem Seitenwechsel brachte Frank Frede für den zuvor ständig defensiv gebundenen Madarevic Oleg Schneider auf die linke Seite, um das Angriffsspiel zu beleben. Es war die letzte "Amtshandlung" des FCE-Coaches in diesem Spiel. Fassungslos sah er, wie Möllmann für sein zweites Foul, ein kurzes Zupfen am Trikot von Schuster im Mittelfeld, von Wiatrek Gelb-Rot. Frede, der den Platzverweis heftig kritisierte, durfte dann auf Hinweis von Schiedsrichter-Assistent Meyer ebenfalls vom Platz.

Doch trotz der Feldverweise und der vermeintlichen Benachteiligung durch den unter Beobachtung stehenden und daher kleinlich und mit viel Gestik und Belehrungen leitenden Unparteiischen zeigte die Heimmannschaft Moral. In der Defensive wurde ohne Libero agiert, Mohr und Pracht spielten direkt ohne Absicherung gegen die Angreifer. Beide standen so gut, dass man in der Winterpause noch einmal über einen Systemwechsel zu Viererkette nachdenken sollte. Im Mittelfeld wuchs Karge über sich hinaus, und im Angriff wurde endlich der hohe Laufaufwand von Eickhoff belohnt. Seine Flanke bekam Reitz im Zentrum zwar nicht unter Kontrolle, doch aus dem Hintergrund kam Karge und erzielte mit links den Anschlusstreffer zum 1:2 (60.).

Die Gäste zogen sich in die eigene Hälfte zurück und lauerten auf Konter. Doch Casella war gegen Ayadi und den eingewechselten Yesil auf der Hut. Von den sonst meist recht stillen Zuschauern angetrieben, spielten die zehn Ederbergländer weiter nach vorn, hatten aber Glück, dass Zeilsheims Schuster von Mohr im letzten Moment gebremst wurde. Zudem verfehlte Temur frei aus zentraler Position nur um Zentimeter. Die risikoreiche Spielweise der Gastgeber wurde dann aber belohnt: Nach schöner Kombination von Eickhoff und Karge brauchte der eingewechselte Westermann nur noch zum 2:2 abzuschließen (83.).

Zeilsheim hatte jetzt nichts mehr zuzusetzen, war kräftemäßig am Ende und moralisch bedient. Der FCE witterte noch mehr. Eickhoff verfehlte aus 18 Metern nur knapp, ebenso wie Lerch nach einer Flanke des unermüdlichen Ederbergländer Angreifers. Eine Minute vor Schluss krönte Eickhoff dann seine Leistung. Nach präziser Flanke von Oleg Schneider traf er zentral vor dem Tor zum 3:2. Begleitet vom Jubel der Zuschauer wurde der nun 14-fache Torschütze unter seinen mitjubelnden Mannschaftskameraden begraben.

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