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In Korbach gelungen: Mit Boxen Respekt erfahren und seinen Platz im Leben finden

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(Box-)Training nur für Frauen und Mädchen – hier mit Reinhard Jassmann – ist seit 2017 ein weiteres Puzzleteil in 20 erfolgreichen Jahren Integration durch Sport.
(Box-)Training nur für Frauen und Mädchen – hier mit Reinhard Jassmann – ist seit 2017 ein weiteres Puzzleteil in 20 erfolgreichen Jahren Integration durch Sport. © pr

Manchmal spielt das Leben einem die Zufälle wie einen Spielball zu. Ähnlich erging es Peter Schreiber und Reinhard Jassmann, als sie sich im September 2001 kennenlernten.

Jassmann, der damals schon acht Jahre Cheftrainer der Korbacher Boxer war, suchte schon länger nach der zündenden Idee und einer Unterstützung, um die Jugendarbeit in der Boxsportabteilung des TSV wieder aufleben zu lassen. Und Schreiber, für die Sportjugend Hessen Koordinator für das vom Bundesinnenministerium aufgelegte Programm „Integration durch Sport“, suchte nach geeigneten Kooperationspartnern.

Im Gespräch reifte bei beiden die Idee, ein offenes Boxsportangebot zunächst in Korbach aufzubauen. „Wobei insbesondere die Kinder und Jugendlichen angesprochen werden sollten, die in der Regel ihre Freizeit auf der Straße verbringen oder die zum Beispiel aufgrund sprachlicher, kultureller oder sozialer Benachteiligung keinen Zugang zum organisierten Sport haben“, erinnert sich Schreiber.

Integration durch Sport: Erste Boxgruppen entstanden 2002

Jassmann und Schreiber starteten dann im Frühjahr 2002 mit zwei so genannten offenen Boxsportgruppen in Korbach und Bad Arolsen. Junge Menschen jeglicher Herkunft. Vor allem junge Spätaussiedler und ausländische Jugendliche trafen sich anfangs einmal in der Woche mit Einheimischen, um miteinander zwanglos und ohne obligatorische Bindung an einen Verein zu laufen, zu schwitzen, Kondition zu bolzen. „Die Jungs waren nach dem Training so fertig und zufrieden zugleich, dass sie ihre überschüssige Energie, angestaute Aggressionen zuweilen, nicht mehr an wehrlosen Passanten oder leblosem Material abarbeiteten“, blickt Reinhard Jassmann zurück.

Die Bilanz nach 20 Jahren fällt durchweg gut aus: Der Zulauf sei ungebrochen groß, berichten Jassmann und Schreiber. Sie erklären das auch damit, dass Boxen als Trend im Fitnesssportbereich sein Image verbessert habe. Dass die Zusammenarbeit der Partner Sportverein und Bundesprogramm ein entscheidender Katalysator ist, betonen beide.

Junge Menschen jeden Geschlechts und Alters sowie unterschiedlicher Herkunft finden im Sport zusammen – das ist bis heute der Startschuss für gelingende Integration, wie sie die Bundesregierung propagiert. Weil alle das gleiche wollen, ergeben sich wie selbstverständlich interkulturelle Begegnungen – vorurteils- und spannungsfrei, .gewalt- und sozialpräventiv. „Die Jugendlichen werden für ihr unauffälliges Verhalten allgemein positiver betrachtet, was wichtig ist für das Selbstvertrauen und die Suche nach ihrer Position in unserer Gesellschaft“, erklärt Schreiber.

Mädchengruppe besteht seit drei Jahren

Im Laufe der Jahre wuchs zudem die Zusammenarbeit mit Schulen und anderen anderen Einrichtungen wie die Stadtjugendpflege. „Durch diese neuen Zielgruppen konnten nicht nur wir in Korbach schlussendlich die Jugend- und Nachwuchsarbeit auf neue Füße stellen“, so Schreiber.

Seine Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Jassmann: Die persönliche Ansprache und Individualbetreuung durch die Trainer macht die Beliebtheit des Angebots aus, ebenso wie das gemeinsame Auftreten der Boxsportler nach außen.

Vor drei Jahren ging ein weiteres Projekt innerhalb des Programms „Integration durch Sport“ bzw. im Zuge der Zusammenarbeit Verein und Sportjugend an den Start: die Mädchen- und Frauenboxen-Sportgruppe läuft seitdem mit gleicher Beliebtheit und Akzeptanz wie das 17 Jahre zuvor ins Leben gerufene offene Sportangebot. Und dass bei allem immer wieder auch Talente für den örtlichen Sportverein „hängen bleiben“, ist ein Nebeneffekt, von dem alle Beteiligten profitieren.  (red/schä)

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