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2296 Spiele gepfiffen: Karl Schmidt vom Handball-Bezirk zum Ehrenschiedsrichter ernannt

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Abschied nach Tausenden von Spielen: Karl Schmidt (Zweiter von rechts) wird von Vorstandsmitliedern der HSG Twistetal mit einem Geschenk in den Handball-Ruhestand verabschiedet. Das Bild zeigt (von links) Uwe Nolte (Öffentlichkeitsarbeit), Nils Pohlmann (Männerwart), und den HSG-Vorsitzenden Thomas Tönepöhl.
Abschied nach Tausenden von Spielen: Karl Schmidt (Zweiter von rechts) wird von Vorstandsmitliedern der HSG Twistetal mit einem Geschenk in den Handball-Ruhestand verabschiedet. Das Bild zeigt (von links) Uwe Nolte (Öffentlichkeitsarbeit), Nils Pohlmann (Männerwart), und den HSG-Vorsitzenden Thomas Tönepöhl. © HSG Twistetal/pr

Schiedsrichter zu sein war für Karl Schmidt immer eine Ehre, nie eine Last. Deshalb hebt der 83-jährige gebürtige Twister seine jüngste Auszeichnung auch nicht so sehr in den Himmel.

Twistetal – Schmidt wurde vom Handball-Bezirk zum Ehrenschiedsrichter ernannt. Sein Verein, die HSG Twistetal, ehrte ihn beim letzten Heimspiel zum Abschied vom „aktiven Dienst“ an der Pfeife. „Man freut sich schon darüber, aber es war weiter nicht so tragisch, ich habe es immer gern getan.“ Ein typischer Satz von Karl Schmidt, der sich nur ungern in die erste Reihe vordrängelt und in dessen Unterton daher stets Bescheidenheit herauszuhören ist. Dabei hätte er genügend Gründe, sich ins Scheinwerferlicht zu stellen.

Er war 65 Jahre für die HSG Twistetal und den TSV Twiste als Schiedsrichter tätig, dabei ertönte sein Pfiff in 2296 Spielen. Außerdem war der Linkshänder als Rechtsaußen bei rund 1300 Spielen mit von der Partie und er saß bei rund 2000 Spielen als Trainer auf der Bank. Außerdem war er Klassenleiter und rund vier Jahrzehnte Jugendwart seines Vereins.

Da kommen schon einige Stunden zusammen, die der Vater von zwei Söhnen seinem Hobby gewidmet hat. Und er gibt auch zu, dass seine Familie, nicht immer damit einverstanden war, dass er dem Handball oft die Vorfahrt gab.

Drei Spiele mit dem Sohn gepfiffen

„Meine Frau hatte nicht so viel für Sport übrig und aus heutiger Sicht kann ich sie besser verstehen, ich war vielleicht doch zu oft wegen dem Handball unterwegs. Aber man hat es einfach so gemacht.“ Als die beiden Söhne auch Handballer wurden, sei seine Frau aber auch öfters in die Halle gegangen. Während die Familie ihren Wohnort nach Mengeringhausen verlegte, blieb sie sportlich in Twiste und war dem Verein immer treu.

Dass sein Sohn Frank auch den Weg vom Spieler zum Schiedsrichter ging, fand der Vater wunderbar. „Drei Spiele habe ich mit Frank gemeinsam gepfiffen.“

Bei so viel Liebe zu einer Sportart überrascht es schon, dass Schmidt auf die Frage, was er am Handball besonders mag, keine Antwort parat hat: „Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.“ Er wisse nur, dass ihn der Handball schon als Schüler interessiert habe und „da der Bus der Mannschaft damals vor unserem Haus gehalten hat, bin ich oft mit zu Auswärtsspielen gefahren.“

Ein umfangreiches Handball-Werk

Der 83-Jährige verblüfft auch mit einer weiteren Antwort, diesmal auf die Frage, welches Spiel seiner 2296 Begegnungen, die er als Unparteiischer geleitet habe, falle ihm spontan ein. „Das Spiel im November 1984, eine Mannschaft aus Höxter traf auf die Twister A-Jugend.“

Dabei sei der Sohn des Betreuers aus Höxter unglücklich gefallen. Obwohl er nur kurz im Krankenhaus bleiben musste, habe der Vater Schmidt die Schuld für diesen Unfall gegeben. Sein Vorwurf: Er wäre nicht passiert, wenn er als Schiedsrichter richtig durchgegriffen hätte. „Er hat mir einen Brief geschrieben, mir gedroht, wollte mir Angst machen.“

Der Mann lehrte Schmidt damit aber nicht das Fürchten. Es ehrt ihn, dass er zugeben kann, ein Schiedsrichter kann nicht bei jedem Spiel unparteiisch sein. „Hier und da trifft man vielleicht auch mal gefühlsmäßig eine falsche Entscheidung.“

Für ihn gibt es daher auch nicht das fehlerlose Spiel für einen Referee. „Irgendwas findet man immer, was nicht so gut war.“ Zumal der Handball mittlerweile so schnell geworden sei, dass es für die Schiedsrichter immer schwieriger werde, richtige Entscheidungen zu treffen.

Wenn der 83-Jährige heute auf sein umfangreiches Handball-Werk blickt, weiß er, dass auch das Glück der Unversehrtheit ihm diese vielen Spiele beschert hat. Dass er körperlich heil aus dem Handball herausgekommen ist, liegt für Schmidt auch daran, dass er Turner und Leichtathlet war. „Vor allem das Turnen vermittelt einem ein gutes Körpergefühl für Situationen, ob man was riskieren soll oder besser nicht.“

Künftig muss der Handball ohne diesen Tausendsasse Karl Schmidt auskommen. Doch das stimmt nicht so ganz. Den Zuschauer Karl Schmidt wird es auch weiterhin noch geben. (rsm)

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