Gebürtiger Ottlarer rechnet  sich im Feld von Profifahrern keinen Platz in den Top ten aus    

Adrian Horchler startet erstmals bei Mountainbike-WM 

Zum zweiten Mal im Nationaltrikot: Adrian Horchler nimmt erstmals an einer Weltmeisterschaft teil. Foto: pr

Freiburg/Ottlar – Eine Medaille? Auf keinen Fall! Adrian Horchler ordnet sich bei der Weltmeisterschaft der Mountainbiker im Marathon auch nicht als Top-ten-Kandidat ein.

Dafür seien die Leistungsunterschiede zwischen ihm und einigen anderen Fahrern doch zu groß, betont der gebürtige Ottlarer, der in Freiburg wohnt und am Sonntag in Grächen (Schweiz) erstmals an Welttitelkämpfen teilnimmt. „Da fährt der radfahrende Student mit Nebenjob gegen Berufsradfahrer.“

Doch wenn das Rennen über 91,6 Kilometer in den Alpen gestartet wird, findet Horchler sich in der Dabei-sein-ist-alles-Rolle großartig. „Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft war eines meiner Saisonziele.“ Dafür reichte ihm eine Top-20-Platzierung bei einem Rennen der UCI-World-Serie. Horchler wurde 17. in Tschechien.

Diese Platzierung würde er im WM-Rennen sofort nehmen, denn der Kurs mit drei langen und steilen Berganstiegen bevorteile Leichtgewichte und dazu zähle er mit seiner Körpergröße von mehr als 180 Zentimeter nicht. Einen Vorteil für ihn sieht er in der Länge des Rennens.

Dieses Gefühl der Chancenlosigkeit, bringt Horchler aber einen psychologischer Vorteil: Er kann frei aufspielen. Der 22-Jährige findet es selbst ein wenig komisch, dass er vor seinem ersten WM-Rennen nicht nervös ist.

Die Vorbereitungsphase war ernsthaft, mit Rennen und guten Ergebnissen im Intervalltraining, aber sie ist auch von Gelassenheit geprägt. Horchler hat sich mit drei Freunden aus Freiburg erst gestern mit dem Auto auf den Weg in die Schweiz gemacht. Die Prioritäten sind klar verteilt: „Es ging nicht eher, denn ich musste noch einiges für meine Masterarbeit an der Uni machen.“

Viel Zeit, die Strecke mit rund 4300 Höhenmetern kennenzulernen, bleibt da nicht mehr. „Ich denke, dass ich mir die Strecke in der Start- und Zielphase genauer anschauen werde, das muss reichen.“ Im Feld der rund 180 Starter kennt Horchler einige, die in seiner Leistungsklasse unterwegs sind. Sie nimmt er auch als Gradmesser, ob er gut oder schlecht unterwegs ist.

Alle Kosten selbst  tragen

Während die Profis auch ein professionelles Umfeld haben, ist Horchler auch hier benachteiligt. Da Mountainbike-Marathon nicht olympisch ist, gibt es keinen Nationalkader. Horchler erhält dadurch vom Verband keine Unterstützung. Alle Kosten muss er selbst tragen, da kommt einiges zusammen: Fahrten, Unterkunft, Startgeld, Verpflegung, Material und einiges mehr.

Obwohl er für Deutschland fährt, musste er sich sogar das Nationaltrikot selbst kaufen. Aber Horchler will eigentlich nicht, dass man das groß erwähnt. Er ist nicht der Typ, der sich beklagt, sondern er will diese Sportart ausüben - mit oder ohne Verbandshilfe.

Bei seinem WM-Debüt hat er aber einige Menschen, die ihm helfen. Seine Mutter kommt aus Ottlar und betreut ihn, Freunde versorgen ihn auf der Strecke und sein Freund und Trainingskollege Hendrik Epping fährt sogar das Rennen mit.

Dass er im Kreise dieser Menschen sein WM-Debüt feiern darf, ist für Horchler schon Belohnung genug. Da muss für ihn im Rennen schon einiges schief laufen, dass der Ärger es schafft, die pure Freude zu verdrängen. (rsm)

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