Regeländerungen durch Verband: Alle haben Heimkampf

Schützen können nach Corona-Auszeit Ligabetrieb Ende September starten

Mit Maske und „Abstandshalter“: Beim SSV Korbach trainieren die Sportschützen, hier Otto Peter (vorn ) und Michael Götte, mit dem nötigen Schutz. Die Schießbahnen sind durch Plexiglas gut abgeschirmt.
+
Mit Maske und „Abstandshalter“: Beim SSV Korbach trainieren die Sportschützen, hier Otto Peter (vorn) und Michael Götte, mit dem nötigen Schutz. Die Schießbahnen auf der Anlage am Sandberg sind durch Plexiglas gut abgeschirmt.

Es lockert sich derzeit, was das Ausüben des Sportes betrifft. Auch bei den Schützen. Sie sind mitten in einer langen Durststrecke – seit Mitte März sind nicht nur Wettkämpfe ausgefallen, auch die Festsaison fiel der Corona-Pandemie zum Opfer.

Umso erfreuter vernahmen auch die Vereine in Waldeck-Frankenberg die frohe Kunde: Der Wettkampfbetrieb darf und soll wieder aufgenommen werden. Das Präsidium des Hessischen Schützenverbandes (HSV) hat auf die jüngste Corona-Verordnung des Landes Hessen reagiert und auf Vorschlag der Sportleitung beschlossen, den Wettkampfbetrieb bis hinab in den Bezirke wieder zu ermöglichen.

Der beginnt in den allermeisten Fällen Mitte oder Ende September – und das kann auch so bleiben. Die heimische Bezirke haben teils schon konkrete Pläne, doch nicht überall wurde schon entschieden, ob und wie die Rundenwettkämpfe wieder starten.

Die vom Landesverband organisierten Klassen – Hessen-, Ober- und Bezirksligen – können wie gewohnt starten, teilte der HSV mit. Allerdings finden sie unter veränderten Bedingungen statt, um den Hygiene- und Abstandsregeln Rechnung zu tragen. Für die Ligen unterhalb der Bezirksliga entscheiden die Bezirke in eigener Verantwortung, ob und wie sie die Rundenwettkämpfe organisieren wollen – immer freilich angelehnt an die geltenden behördlichen Bestimmungen vor Ort. Für diese hoffentlich einmalige Sonderregelung soll die Ligaordnung nicht geändert werden, teilte der Verband mit.

Schützenbezirke: Was sich ändert

Wichtigste Umstellung beim soften Wiedereinstieg: Jede Mannschaft schießt bei einem Wettkampf zuhause auf dem eigenen Schießstand. Dabei ist jeweils ein Vertreter des Gegners anwesend. Die beiden Mannschaften schießen zeitgleich. Dabei gelten die Abstands- und Hygieneregeln.

Der Verband gibt dieses Vorgehen für die überregionalen Klassen sowie für die Bezirksligen, also die jeweils höchste Liga jedes Bezirkes, vor. Autark und eigenverantwortlich sind die Bezirke beim Sportgeschehen in den unteren Ligen. Sie können selbst entscheiden, wie sie dort verfahren wollen – „unter Einhaltung der behördlichen Vorgaben“, so die Mitteilung des Verbandes.

So macht’s der Schützenbezirk Waldeck

Im Bezirk Waldecker Land sind die Weichen weitgehend gestellt für die neue Wettkampfsaison. „Wir wollen alles normal durchziehen“, berichtet Mario Rummel. Wobei der Bezirksschützenmeister aus Willingen mit „normal“ meint: Von Regionalklasse bis Grundklasse IV soll es wie gewohnt Wettkämpfe im 14-Tages-Rhythmus samt Auf- und Abstiegsregelung geben – nur, dass eben jedes Quartett auf dem eigenen Schießstand schießt. Das gelte auch für die Senioren, so Rummel, der das für eine gute Lösung hält. „Denn einige Vereine haben nur vier oder sechs Stände – da würde sich mit Abstandsregel ein Wettkampfabend lange hinziehen, wenn acht Schützen dran sind.“

„Sollte sich das Geschehen derart verbessert, dass weitere Lockerungen gemeinsames Schießen zulassen, würden wir das Reglement anpassen“; fügt Rummel an, der auf guten Zuspruch hofft. Bis 31. August können die Vereine ihre Gewehr- und Pistolenteams melden; danach werden die Ligen eingeteilt.

Auch beim SV Odershausen wird seit längerem wieder trainiert. Jeder zweite Stand bleibt dabei frei.

Ein Jugendranglistenschießen soll es im Bezirk 15 ebenfalls im Herbst geben; auch dabei schießen die Teams jeweils zu Hause. In Sachen Bezirksmeisterschaften 2021 besteht die Hoffnung, dass diese in Frühjahr relativ „normal“ stattfinden können. Nur werde es pro Tag weniger Starts, also Disziplinen geben, erklärt Rummel.

Ausgefallene Disziplinen der Meisterschaften 2020 werden in beiden Bezirken nicht mehr nachgeholt, zumal es ja auch keine hessischen und deutschen Meisterschaften gibt.

So macht’s der Schützenbezirk Wildungen

Im Bezirk 16 Bad Wildungen steht die Austragung der Rundenwettkämpfe 2020/21 noch in den Sternen. Einerseits, weil die Vereine vom Bezirksvorstand per Mail zunächst um eine Stellungnahme gebeten worden sind. Wenn ein Meinungsbild vorliegt, entscheidet der Vorstand am 3. August über das Ob und Wie und Wann.

Andererseits scheint Desinteresse am Wettkampfbetrieb recht weit verbreitet zu sein, wie sich beim Treffen des Bezirksvorstandes zu Wochenbeginn zeigte. Der anfängliche Tenor sei gewesen, das Schießen in diesem Jahr ausfallen zu lassen, berichtete Wilhelm Wagener, Presse- und Breitensport-Referent im Wildunger Bezirk. „Man hatte den Eindruck, dass manche Mannschaften keine Wettkämpfe möchten, wenn man hinterher nicht gesellig beieinander sitzen kann“, so Wageners Schilderungen. Erst nach Einwänden einzelner, es sein ein Muss, weiter Wettkämpfe anzubieten, sei der Kompromiss entstanden, das Interesse der Vereine zunächst abzuklopfen.

So macht's der Schützenbezirk Frankenberg

Was die Saisonplanung für den Bezirk Frankenberg angeht, liege man noch sehr früh in der Zeit, sagt Bezirksschützenmeisterin Monika Vöhl. Die Rundenwettkämpfe starten normalerweise erst Ende September. Die nächste Bezirksvorstandssitzung ist im August. „Das ist immer so und hat nichts mit Corona zu tun“, so Vöhl. Niemand wisse zudem jetzt, wie sich die Situation um das Virus im August darstelle.

Hessischer Schützenverband: Wie es 2021 laufen soll

Die Vorbereitungen für das Sportjahr 2021 werden unabhängig von momentanen Einschränkungen getroffen, heißt es seitens des HSV. Inwiefern alles wie gewohnt stattfinden, sei aber von den dann geltenden behördlichen Vorgaben abhängig.

Die Reaktionen aus den Bezirken seien bisher unterschiedlich, berichtet Tanja Frank: „Die einen rufen an und fragen, wann es endlich wieder losgehen darf. Die anderen fragen: wie soll das denn alles klappen.“ Dem Verbandsvorstand sei bewusst, dass die Situation nicht leicht ist, und jeder können selbst entscheiden, wie er damit umgeht, ergänzte die Präsidentin des HSV: „Aber wir als Verband wollten nach der Freigabe durch die Politik ganz bewusst den Rahmen stecken und uns nicht nachsagen lassen, wir würden das blockieren“, so Frank.

Den Wunsch nach einem vom HSV ausgearbeiteten Hygienekonzept, das jeder in seinem Verein verwenden kann, könne man nicht erfüllen, ergänzt die Baunatalerin. „Dafür sind die behördlichen Vorgaben einfach in den Kreisen zu unterschiedlich.“ (schä)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare