Skispringer im Interview

Andreas Wellinger: „Ich springe, weil es meine Leidenschaft ist“

- Als Markenbotschafter der lilafarbenen Schokoladenmarke ist er der Nachfolger von Martin Schmitt. Als solcher sieht sich Andreas Wellinger ansonsten nicht, irgendwann will er sich aber doch mit seinem Vorbild vergleichen lassen. WLZ-FZ-Redakteur Stefan Weisbrod hat am Eröffnungsabend des Forum Nordicum in Willingen mit dem 19-Jährigen gesprochen.

Herr Wellinger, Ihr größtes Hobby ist das Surfen. Wann klappt es mal auf Hawaii?

Vermutlich erst nach der Karriere. Allein die Flugzeit nimmt viel in Anspruch. Und man will ja dann auch ein paar Tage dort sein. Das ist eher schwierig.

Surfen macht Ihnen Spaß. Skispringen auch, oder ist es als Profi vor allem ein Beruf?

Es ist in erster Linie Spaß. Sonst würde ich das nicht machen und wäre nicht so weit gekommen. Das Finanzielle gehört dazu. Vor allem springe ich es aber, weil es meine Leidenschaft ist.

In Sotschi haben Sie mit dem Team Olympia-Gold gewonnen. Wo haben Sie die Medaille?

Die hängt in Wohnzimmer, aber nicht so, dass man sie gleich sieht. Ich hatte bisher wenig Zeit, sie mal in die Hand zu nehmen. Aber der Olympiasieg war ein extrem schönes Erlebnis.

Rufen Sie sich das jetzt wieder ins Gedächtnis?

Kaum. Neben Training, Schule und anderen Terminen bleibt wenig Zeit, um zurückzublicken. Ich versuche, immer nach vorn zu schauen.

In der Vorbereitung geht es jetzt wieder auf Eis und Schnee statt auf Matten. Wie groß ist die Vorfreude?

Der Sommer-Grand-Prix ist auch schön, aber wir sind eine Wintersportart, deshalb ist die Vorfreude sehr groß. Die Springer aus allen Nationen versuchen jetzt alles, um gut vorbereitet zu sein. Wir werden sehen, wer in Klingenthal oben steht.

Dort findet Ende November der erste Weltcup statt. Was sind Ihre Ziele?

Mal schauen, ob dann überhaupt Schnee liegt, aber wir sind guter Dinge. Für uns ist es schön, dass der Auftakt vor heimischer Kulisse stattfindet. Am ersten Tag wollen wir mit dem Team weit vorn dabei sein. Am zweiten Tag im Einzelspringen, das werden wir sehen.

Nach der aus deutscher Sicht enttäuschenden Vierschanzentournee kam Kritik von Jens Weißflog; die Springer müssten selbst mehr wollen. Sie haben sich sehr zurückhaltend gegeben, was Ihre Ziele angeht. Müssen Sie nicht forscher herangehen, um sich selbst zu pushen?

Naja (lacht), wer sagt, dass ich mir nicht andere Ziele setze, als ich öffentlich sage? Bei der Vierschanzentournee ist es auch so, dass es einfach passieren muss, das sind Springen mit eigenen Gesetzen. Da muss einfach alles passen, um am Ende ganz oben zu stehen. Da gehört auch das Glück dazu. Irgendwann wird wieder ein Deutscher ganz oben steht. Ob in diesem Winter oder erst in fünf Jahren, das werden wir sehen.

Aber das wollen doch am liebsten Sie sein.

Es ist der Traum von jedem Skispringer, dass man einmal die Tournee gewinnt. Auch meiner. Erst einmal will ich gesund bleiben, dann werden wir sehen, wo mich mein Weg hinführt.

Martin Schmitts Weg war sehr erfolgreich. Sie sind sein Nachfolger als Milka-Markenbotschafter. Haben Sie Angst, jetzt der „neue Martin Schmitt“ zu sein?

Nein, ich sehe mich jetzt auch nicht als Nachfolger. Wir haben Gemeinsamkeiten, sind aber von der Person her auch unterschiedlich. Er hat eine extrem grandiose Karriere hinter sich, wo er brutal viel erreicht hat; er ist ein großes Vorbild. Wenn ich nur ansatzweise so erfolgreich bin, kann ich sagen, ich hab was erreicht. Wir werden nach meiner Karriere abrechnen, wer mehr Erfolge hat. Bis dahin ist es ein harter, langer Weg.

Als das deutsche Team um Martin Schmitt 1998 in Nagano Silber gewann, waren Sie zwei Jahre alt, vier Jahre später gab es Gold in Salt Lake City. Sind Sie auch wegen dieser Erfolge Skispringer geworden?

Als die Spiele in Nagano waren, war ich schon zweieinhalb (lacht), aber das habe ich bestimmt noch nicht wahrgenommen. Ich habe mit drei mit dem Skifahren angefangen, bin dann schon über jede Schneeschanze drübergefahren. Irgendwann habe ich das im Fernsehen gesehen und gesagt, das will ich auch machen. Die Erfolge haben da sicher eine Rolle gespielt. Aber mein Vater war auch Skispringer, so ist das entstanden.

Im Winter wird wieder hier in Willingen gesprungen. Welchen Stellenwert hat eine solche Weltcup-Veranstaltung?

An sich hat jedes Springen außerhalb von Olympia, WM und Tournee den gleichen. Aber hier ist es vor heimischer Kulisse mit toller Atmosphäre auf einer unheimlich schönen Schanze was anderes. Der Stellenwert ist für mich dadurch natürlich höher, auch weil hier immer die besten Springer am Start sind.

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