Zwischenbilanz Fußball-Kreisoberliga Waldeck

Arolsen und Berndorf die Frustrierten

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- Korbach. Im zweiten Teil unserer Zwischenbilanz der Fußball-Kreisoberliga Waldeck geht es um die Mannschaften auf den Plätz sieben bis zehn.

Das war nicht unbedingt zu erwarten: Die Reserve des SC Willingen, in den letzten Jahren stets ein Dauergast in den hinteren Tabellenregionen, hat mit dem Abstiegskampf der Gegenwart nichts zu tun. Platz sieben mit 24 Punkten – das ist eine gute Ausbeute für das Team für Michael Göbel. Dabei hatten die „Rattlarer“ im Sommer auf Viererkette mit ballorientierter Raumdeckung umgestellt, anfängliche Schwierigkeiten waren quasi einkalkuliert. Und dann das: Am ersten Spieltag überrollte die Gruppenliga-Reserve die ambitionierte FSG Ittertal mit 6:1. Göbel denkt gern zurück: „Das war schon ein Highlight.“ Warum es auch gut
weiterging? „Wir haben unsere Torausbeute deutlich verbessert,“ lobt Göbel die Offensive.

Als Absteiger aus der Gruppenliga galt der TSV Berndorf vor Rundenbeginn naturgemäß als Anwärter auf einen Spitzenplatz. Der Verein selbst wollte auch unter die Top 3. Und dann das: Eine 0:4-Schlappe auf eigenem Platz gegen Eder­bringhausen/Buchenberg läutete die Runde ein, weitere Ernüchterungen folgten, plötzlich steckte der TSV im Abstiegskampf. „Es gab einige Spiele, die mir negativ in Erinnerung geblieben sind“, fasst Trainer Rainer Schramme die „schwarzen Wochen“ im August und September zusammen. Die Gründe lagen auf der Hand: Aus der Mannschaft, die mit dem Durchmarsch von der Kreisliga A bis in die Gruppenliga für Furore gesorgt hatte, fielen zahlreiche Leistungsträger mit hartnäckigen Verletzungen aus. Abwehrchef Martin Bangert, Flügelstürmer Benni Trotte, Mittelfeldmann Stieven Dumke oder auch der zwischenzeitlich verpflichtete Torhüter Sebastian Bock: Sie alle liegen auch heute noch mit Knie- oder Knöchelbeschwerden flach, Schramme kann nicht einmal sagen, wann das Quartett im Neuen Jahr spielen kann.

Stets gehört der TuS Bad Arolsen zu den Aufstiegsfavoriten, stets scheitern die Badestädter. Aktuell ist der TuS nicht einmal im Dunstkreis der Spitze zu finden. „Wir sind weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, da brauchen wir uns nichts vormachen“, sagt Trainer Uwe Schäfer frustriert. Für das mäßige Abschneiden findet er viele Gründe. „Es gibt so viele Bauklötzchen, da könnte man schon einen Turm raus bauen,“ sagt er. Das erste Stichwort heißt Personalprobleme. Stammkeeper Thorsten Janzen und Torjäger Anatolij Rapp fielen verletzt lange aus, zwei Rote Karten kosteten ebenfalls zeitweise Personal. Schäfer verweist weiter darauf, dass „die Alt-Etablierten nie an ihre Topleistungen herangekommen sind und, vielleicht auch als Folge daraus, unsere jungen Spieler gehemmt wirken“. Zudem klappte die Umstellung auf die Viererkette nicht. „Wir mussten viel rotieren und haben so keine feste Formation und keine Stabilität gefunden“, bedauert Schäfer.

Mit 19 Punkten und Platz zehn steht Blau-Gelb Korbach im Niemandsland der Tabelle. Nach oben sind die Züge abgefahren, für den Abstiegskampf erscheint der Kader zu stark. In einer Hinsicht sind die Kreisstädter jedoch Spitzenreiter: Von den 14 Auswärtsspielen, die sie im Saisonverlauf bestreiten müssen, haben sie schon zehn ausgetragen. Und so hat das Team von Adam Kowalik in der Restrunde doppelt so viele Heim- wie Auswärtsspiele. Ob da noch mit einer Aufholjagd zu rechnen ist? Kowalik gibt sich bedeckt: „Ich sehe keinen großen Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsspielen.“ Viel größer sei die Diskrepanz, die sich aus dem Zwang zu wechselnden Aufstellungen ergebe: „Wir haben sehr viele Schichtarbeiter, und wenn unsere Leistungsträger ausfallen, haben wir keinen adäquaten Ersatz.“ Deshalb schielt Kowalik nur noch mit einem Auge auf das ursprüngliche Ziel Platz sechs, seine Prioritäten sind andere: „Wir wollen die Rückrunde nutzen, um uns für die kommende Saison einzuspielen.“

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 22. Januar.

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