Die Tischtennis-Spielerinnen vor der Hessenliga-Saison

Aufbruch ins Unbekannte für SVR-Damen

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Aber bitte nicht den Spaß verlieren. Melanie Landau, Ute Ernst, Nina Klaus-Materna und Jessica Engelbach wollen auch in der Hessenliga ein schlagkräftiges Team sein.

Rennertehausen - Ob’s ein Abenteuer wird? Aufsteiger SV Rennertehausen startet am Samstag in seine erste Saison der Hessenliga Nord-Mitte. Die vier Spielerinnen treffen gleich auf einen der Favoriten.

Beim Fototermin an diesem schwülwarmen Septemberabend im Rennertehäuser DGH zeigen sich die Aufsteiger im neuen Hessenliga-Dress. Die Gemeinde hat was springen lassen, erfährt man, und als äußeres Zeichen der Unterstützung ist auf jedem Trikot das Allendorfer Wappen oben am kurzen Ärmel aufgenäht. Warum auch nicht: Melanie Landau (35) aus Haine, Ute Ernst (42) aus Geismar, Nina Klaus-Materna (30) aus Rosenthal und die Battenbergerin Jessica Engelbach (27) sind in einer Sportart, in der sich Sponsoren nicht drängen, im Namen des SV Rennertehausen die ligahöchsten Botschafterinnen im ganzen Landkreis. Und jetzt ein wenig nervös.

Zu spüren ist das an diesem Abend nicht. Die Atmosphäre ist wuselig-familiär. Melanie Landaus Jüngster ist dabei, die Mama stillt noch, gerade hält ihn Oma Erika im Arm. Nina Klaus-Materna hat ihren Mann und den gemeinsamen Sohn mitgebracht, der lebhaft um die Spieltische streift. Gelacht wird viel. Aber die Anspannung wächst. „Wir sind doch ein bisschen aufgeregt“, sagt Melanie Landau.

Noch zehn Tage sind es an diesem Abend bis zum Start in die neue Saison der Hessenliga. Eine unbekannte Umgebung, seit Menschengedenken hat dort keine Erwachsenen-Mannschaft aus dem Kreis mehr aufgeschlagen. Nina Klaus-Materna ist die Einzige vom SVR, die höherklassig am Tisch stand, für die Homberger TS wies sie Einsätze bis zur 2. Liga vor. Das ist eine Weile her und auch sie gespannt auf die Hessenliga.

Druck würden sie sich nicht machen, sagt Nina. Sagen auch die anderen. Klar heißt das Ziel - bei zwei Direktabsteigern und einem Team in der Relegation - Klassenerhalt. „Aber eigentlich können wir befreit aufspielen“, findet Teamchefin Landau. Sie nehmen ihre Außenseiterrolle an und wollen versuchen „die Großen zu ärgern“, wie Landau sagt.

Seit 15 Jahren nicht mehr gegen Frauen gespielt

Die größte Umstellung steht Ute Ernst bevor. Nachdem Carina Dohms als Nummer vier des Meisterteams der vergangenen Verbandsliga-Runde ihren Rücktritt erklärt hatte, war sie die Wunschverstärkung, Sie kommt vom TSV Geismar aus der Kreisliga - der Herren. „Ich habe seit 15 Jahren nicht mehr gegen Frauen gespielt“, sagt sie. Wo liegen die größten Unterschiede im Spiel von Männern und Frauen? „Männer spielen härter und taktischer, Frauen spielen das, was sie können“, sagt Ute Ernst.

Die Neue spielt an Nummer zwei. Zwar kommt sie im Team auf den höchsten TTR-Wert, wobei TTR für Tischtennis-Rangliste steht. Der Wert wird quartalsweise aktualisiert, heißt dann QTTR und gibt vor, wie sich die Teams aufstellen müssen: Die Stärksten nach vorn, wobei ein gewisser Spielraum besteht.

Uwe Ernsts QTTR steht bei 1579, ihre künftige Doppelpartnerin Melanie Landau hat zwei Punkte weniger auf ihrem Konto, bleibt aber dennoch die Nummer eins. „Ein Willkommensgeschenk für Ute“, sagt sie. „Eine Teamentscheidung“, ergänzt Jessica Engelbach. Die Jüngste im Team (QTTR 1485) spielt auf der Vier. Sie bildet das zweite Doppel mit Nina Klaus-Materna (1521) an Position drei, die damit erstmals nicht im vorderen Paarkreuz steht. Es gebe die Erwartung, dass man hinten mehr punkten könne als vorne, sagt sie.

Ihr Wort und das vom Geschenk kann man als Hinweis verstehen, dass an eins die potenziell stärksten Gegnerinnen lauern und die heftigsten Niederlagen drohen könnten. Lisa Herbach und Tanja Mau zum Beispiel, Nummer eins und zwei bei der Kasseler Spvgg. Auedamm II - am Samstag erster Gegner des SVR -, weisen 1596 und 1616 Punkte vor. Außerdem steht in den Reihen der Gastgeberinnen die ehemalige Erstliga-Spielerin Margret Söthe.

Überhaupt: die Gegner. Sie haben ihre Kader zum Teil deutlich verstärkt. Von der Auflösung der Damenteams des TSV Besse hat neben der Spvgg. Auedamm, die zusätzlich eine dritte Garnitur ins Rennen schickt, auch der SC Niestetal II profitiert. Hinter dieser neuen Adresse stecken die fusionierten TT-Abteilungen des TSV Heiligenrode und der TSG Sandershausen.

An Niederlagen gewöhnen müssen

Heiligenrode II war als Vize der Nord-Verbandsliga mit Rennertehausen aufgestiegen. An Position eins steht dort jetzt Stefanie Scheiding, die in der vergangenen Saison noch für Heiligenrode I in der Oberliga an die Tische ging. Jessica Häntsch aus Mengeringhausen rangiert beim SCN an Position drei. Der Mitaufsteiger aus der Verbandsliga Mitte, der SV Nieder-Ofleiden, kommt mit neuer Nummer eins. Oberliga-Absteiger SG Rodheim hat seinen Kader gehalten.

Die Neulinge aus dem Oberen Edertal werden sich also wieder ans Verlieren gewöhnen müssen, nachdem sie in den vergangenen drei Spielzeiten in Bezirksober- und Verbandsliga insgesamt nur drei Niederlagen quittieren mussten. Erwarten sie, auch mal richtig Haue zu kriegen? Ein klares Ja.

„Ein Plus des SVR ist das geringe Leistungsgefälle im Team. „Wir sind schön ausgeglichen“, findet die Teamchefin, „mal sehen, ob uns das was nützt.“ Schwierig wird es bestimmt, wenn eine aus dem Stammquartett ausfallen sollte. Nora Reese, Karin Liß und Carmen Geil können nur aushelfen, mehr nicht.

„Ich sehe das insgesamt gelassen“, sagt Melanie Landau. „Aber der Ehrgeiz ist trotzdem da“, sekundiert Ute Ernst. Das Gastspiel am Samstag in Kassel wird zur ersten Standortbestimmung, die Gastgeberinnen sind Favorit, eine Niederlage wäre sicher kein Beinbruch. Nur was, wenn es mit dem Gewinnen partout nicht klappen sollte? „Dann ist der Trainer schuld“, sagt Jessica Engelbach. Alles lacht. Einen Coach haben die vier nie gebraucht.

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