Aufstieg trotz einer „Seuchensaison“

Bad Wildunger Handballern gelingt Sprung in Bezirksoberliga

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Die HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim, Aufsteiger in die Handball-Bezirksoberliga, hinten von links: Der verstorbene Trainer Markus Appel, David Madeja, Tim Brauer, Tim Kirschnick, Jan Krathge, Haktan Ayanoglu, Daniel Mentel, Dieter Keil; vorne von links: Marcel Madeja, Jan Appel, Martin Lambrecht, Lukas Goethe, Silas Wagener, Florian Heß, Max Schaake.

Mit 2:18-Punkten standen die Handballer der HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim am 20. Dezember 2019 in der Bezirksliga A auf dem 13. und letzten Tabellenplatz - und stiegen doch  noch auf.

Bad Wildungen. Weil der Verband Torwart Silas Wagener als nicht spielberechtigten Akteur angesehen hatte, waren dem mit 15:5-Zählern vorherigen Tabellenzweiten 13 Punkte abgezogen worden. Und dennoch war Trainer Wolfgang Huth, „das war ein Schock für uns“, erstaunlicherweise weiter optimistisch, dass die Südwaldecker den Aufstieg noch schaffen würden.

„Ich hatte das Gefühl, dass noch etwas geht und habe den Jungs gesagt, dass sie bis zum Schluss Gas geben sollen, denn die Mannschaft hatte das Potenzial alle Spiele zu gewinnen“, sagt der Coach im Rückblick trotz 15 Zählern Rückstand auf die Tabellenspitze. Und obwohl die Saison sogar wegen des Coronavirus sieben Spiele vor Schluss abgebrochen wurde, war die Aufholjagd der mit 0:4-Zählern gestarteten HSG erfolgreich. Dazu trug auch bei, dass die Kurstädter neun Punkte zurückbekamen und seit dem 21. Dezember 17:1-Zähler, darunter dem 32:32 bei der HSG Wesertal, holten.

Seinen Optimismus begründete Huth aber vor allem mit dem 29:29 bei Mitkonkurrent HSC Landwehrhagen, als Spielführer Martin Lambrecht mit zwei Toren nach dem 27:29-Rückstand 59 Sekunden vor Schluss noch für den Ausgleich sorgte. „Die Mannschaft hat meine Philosophie, dass erst Schluss ist, wenn Schluss ist, gut umgesetzt“, sagte Huth.

Ausnahmesituation gut gemeistert

Dabei war das Spiel am 9. November sein Debüt auf der Bad Wildunger Trainerbank, nachdem der nach 0:6-Punkten zuvor bei Bezirksoberligist TSV Heiligenrode entlassene Coach die Mannschaft vom tödlich verunglücktem Markus Appel nach zwei Partien unter Interimscoach Jürgen Kaus übernommen hatte. „Ich kannte Markus gut. Er war ein Sportsmann durch und durch. Ich wollte Bad Wildungen in dieser Ausnahmesituation auch nicht hängen lassen“, sagt der 56-Jährige, der das Werk seines Vorgängers mit dem Aufstieg vollendete. „Den hätte Markus auch gewollt“, sagt der B-Lizenzinhaber über die direkte Rückkehr in die Bezirksoberliga nach dem Abstieg in der Saison zuvor.

Florian Heß und Jan Appel überragen

Vor allem durch die Rückkehr von Florian Heß, der als früherer Zweitligaspieler von Eintracht Baunatal zuletzt in der viertklassigen Rheinlandliga für die HSG Bad Ems/Bannberscheid gespielt hatte, war das Team stärker als in der vorherigen Runde. „Flo´ steht voll im Saft und könnte locker drei Ligen höher spielen“, sagt Huth über den Modellathleten, der die linke Rückraumposition von Jan Appel, dem Sohn von Markus Appel, übernommen hatte. Mit 176 Treffern (9,3 im Schnitt) wurde der Rückkehrer Ligatorschützenkönig, während der meist als Linksaußen eingesetzte Appel mit 135 Treffern (7,9) als drittbester Werfer kaum weniger erfolgreich war.

In Spielmacher Denis Buchholz, dem aus Ederbergland zurückgekehrten Tobias Böttner und Daniel Mentel sowie dem abwehrstarken Lambrecht standen Huth noch weitere gute Rückraumkräfte zur Verfügung. So stellte die HSG, die beim Saisonabbruch am 13. März vor ihrem dann größtenteils erfolgreichen Einspruch nur auf Rang sechs gestanden hatte, auch mit Abstand den besten Angriff der Bezirksliga A. „Wir waren vorne hui und hinten pfui“, sagt Huth in Anbetracht der Tatsache, dass die HSG-Abwehr trotz der guten Leistungen von Torwart Lukas Goethe oft schwächelte. Daran will der B-Lizenzinhaber mit dem Team hart arbeiten, von dem er ausgeht, dass es zusammenbleibt. „Wir peilen in der nächsten Saison einen Mittelfeldplatz an und wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben“, sagt der in Niedenstein wohnende langjährige Fritzlarer Spieler und Trainer, der vom Aufstieg durch die WLZ erfuhr.

Beifall: Hatte oft Grund seiner Mannschaft zu applaudieren: Bad Wildungens Trainer Wolfgang Huth.

Doch bevor es in der Bezirksoberliga auch gegen den TSV Korbach und den TV Külte geht, sind die Bad Wildunger froh, dass die „Seuchensaison durch den Tod von Markus und den Punktabzug“, so Heß, doch noch mit den Aufstieg endete. jh

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