Ein profihafter Amateur

Bad Wildunger Springreiter Daniel Erd bietet Berufsreitern die Stirn

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Harmonisches Paar: Springreiter Daniel Erd und sein Pferd Cool Cosy Girl wollen beim Heimspiel auf dem Bad Wildunger Reitplatz, die eine oder andere Siegerschleife mitnehmen. 

Bad Wildungen. Wer den Hof der Dachdeckerfirma Erd in Bad Wildungen betritt, rechnet nicht damit, dass er irgendwann drei Pferden gegenübersteht.

Die Boxenställe der Tiere fallen auf den ersten Blick gar nicht auf, denn sie stehen zwischen zwei Gebäuden in denen zahlreiche Gegenstände lagern, die Daniel Erd für seinen Beruf benötigt.

Doch durch diese Stalllage hat der 38-jährige auch während der Arbeitszeit immer mal wieder Blick- und Sprachkontakt zu seinen Pferden. Vielleicht ist das auch ein kleines Mosaiksteinchen, welches dazu beigetragen hat, dass Erd derzeit der erfolgreichste Springreiter im Landkreis ist.

Wer Dachdeckermeister und Kreismeister wird und dazu noch seiner Familie mit Ehefrau und drei Kindern im Alter von acht, sechs und zwei Jahren gerecht werden will, der hat einen streng getakteten Tagesablauf. Nachdem Erd vom Dach gestiegen ist, steigt er wenig später in den Sattel, um mit seinen Pferden Cool Cosy Girl (10 Jahre), Cape Town de Pierre (16) und Obelix du Chene (9) zu üben.

Viel Dressur-Training

Springreiter trainieren mehr Dressur als Sprünge – zur besseren Verständigung. „Das Pferd muss wissen, was ich will, aber ich muss mich auch auf das Pferd einstellen“, betont Erd. Jedes Pferd reagiere bei verschiedenen Reitern unterschiedlich. Und der Mensch sollte seine Vierbeiner gut kennen, der eine brauche mehr Platz vor dem Sprung, der andere weniger, der eine galoppiere gern, andere seien wieder zu ruhig, die müsse man mehr antreiben.

Erd ist auch davon überzeugt, dass ein Pferd weiß, dass ein Stangenabwurf etwas Negatives, ein Fehler, ist. „Das merkt man als Reiter meist beim nächsten Sprung. Manche Pferde geben sie sich dann mehr Mühe, es gibt aber auch sehr vorsichtige Pferde, wenn bei denen eine Stange gefallen ist, springen sie den nächsten Sprung verhalten, weil sie nicht noch einen Fehler machen wollen.“ Erd nimmt die Tiere aber auch in Schutz: „Die meisten Fehler verursacht der Mensch, er reitet zu dicht an das Hindernis heran, ist zu spät dran, zu weit weg vom Absprungpunkt, zu schnell oder langsam.“ Dennoch gebe es sehr aufmerksame Pferde, die sich auch mal selber helfen würden, wenn der Abstand nicht passe. „Auch das zählt zur Qualität eines Pferdes, manche machen es und manche eben nicht.“ Erd war zehn Jahre alt als er mit dem Reiten in Altwildungen angefangen hat, zwei Jahre später ist er bereits mit einem Pferd über ein Hindernis gesprungen. Er musste keine Western im Fernsehen anschauen, um sein Steckenpferd für sich zu entdecken, denn sein Vater Hermann führte ihn dorthin. Der ist ebenfalls Springreiter und Vorsitzender des Reitervereins Bad Wildungen.

Der Papa hat aber auch als Züchter einen Anteil am sportlichen Erfolg seines Sohnes, denn vor zehn Jahren kam bei den Erds ein Fohlen zur Welt, das heute als Cool Cosy Girl unter Daniel Erd über hohe die Hindernisse (S**) springt. Dieses Duo zählt stets zum Favoritenkreis. Und das als Amateur unter einigen Berufsreitern. „Darauf bin ich schon ein wenig stolz“, gibt Erd zu.

Erd weiß, dass er nur mit guten Pferden den Profis halbwegs Paroli bieten kann. „Die sitzen täglich acht bis zehn Stunden auf dem Pferd, und ich arbeite acht, neun Stunden und setze mich danach noch mal aufs Pferd.“ Erd macht deutlich, dass er eher kein Berufsreiter sein möchte. Dabei spielt für ihn die Beziehung zum Pferd ein große Rolle. Ein Berufsreiter müsse täglich mit so vielen Pferden arbeiten, dass er möglicherweise Gefühle für das einzelne Tiere verliere. „Und falls er mal ein innigeres Verhältnis zu einem Pferd aufgebaut habe, könne es passieren, dass er in den Stall kommt und sein Pferd ist weg – verkauft.“ Dennoch holt sich der Amateur immer mal wieder Tipps vom Profi. Wenn der Erfolg ausbleibt oder andere Probleme mit seinen Pferden auftauchen, fährt Erd mit Vierbeiner zu Frank Plock, einem Berufsreiter aus Borken. Hier hilft man sich, obwohl die beiden im sportlichen Wettkampf Konkurrenten sind. 

Weiße Hose macht nervös

 Momentan könnte man sich sogar gut vorstellen, dass Plock auch mal bei Erd vorbeikommt, um sich einen Rat abzuholen, denn der Wildunger hat ihm mittlerweile schon einige Siege weggeschnappt. Bei dieser Vorstellung muss Erd lachen. Er weiß, dass das nicht passieren wird. Und ihm ist klar, dass die Profis ihm einige reiterliche Kniffe immer voraus haben werden. Bescheidene, aber konkrete Ziele setzen, ist auch ein Teil des Erfolgsgeheimnisses von Erd. „Letztes Jahr habe ich mein erstes S-Springen gewonnen, seitdem sind noch vier S-Siege dazugekommen. Viele kleine Schritte sind meist besser als ein großer. Mir reicht es so wie es jetzt ist, irgendwann muss man auch zufrieden sein. Mein Ziel laut nun: Dieses Level halten. “ Dass er das kann, will Erd am kommenden Wochenende beim Turnier-Heimspiel den Wildunger Zuschauern zeigen. (rsm)

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