„Das hätte nur Theater gegeben“

Badminton: Sportler und Funktionäre begrüßen frühen Saisonabbruch

Rainer Deutsch (TV Volkmarsen) spielt Badminton.
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Corona als Spielverderber: Rainer Deutsch (TV Volkmarsen) und seine Badmintonkollegen dürfen derzeit nicht ihrem Sport in der Halle nachgehen.

Die Fußballer hoffen noch, die Handballer auch. Es gibt einige Sportarten, deren Athleten sich trotz Corona danach sehnen, spätestens im Frühjahr ihre Saison noch zu Ende zu spielen.

Korbach/Volkmarsen - Dazu zählen auch die Badmintonspieler, aber nicht mehr alle. Während der Hessische Verband in Absprache mit den Bezirksverbänden die Spielzeit für die unteren Ligen bereits abgesagt hat, möchte der Bundesverband diese Entscheidung noch nicht treffen.

Das bedeutet für die beiden Mannschaften des TV Volkmarsen unterschiedliche Perspektiven. Das Oberliga-Team steht weiterhin in Wartestellung, die „Zweite“ (Verbandsliga Nord) und die „Dritte“ (Bezirksliga A) vor einer langen Ruhezeit, denn die Saison 21/22 geht erst im Herbst wieder los.

Da liegt die Vermutung nahe, dass man nun auf verärgerte Teams trifft, die sich über einen viel zu früh ausgesprochenen Saisonabbruch beklagen. Doch Badmintonspieler ticken anders. „Wir finden es hervorragend, dass die Saison bereits jetzt abgebrochen wurde, denn das hätte nur Theater gegeben“, betont Christian Krafft, Spieler des TV Volkmarsen II und er liefert dafür einige Argumente: Keiner wisse heute, wie und wann es weitergegangen wäre, die Saison hätte verlängert werden müssen, wodurch die nächsten Probleme aufgetaucht wären, denn vielleicht seien dann Spieler im Urlaub oder beruflich verhindert und ob die Halle dann überhaupt frei wäre, sei auch nicht garantiert.

Spieler beim TV Volkmarsen: Christian Krafft.

Krafft stellt sich auch folgende Frage: Wer hätte in unserer Mannschaft überhaupt noch zur Verfügung gestanden? Und liefert selbst die Antwort: „Jeder Spieler fragt sich natürlich auch, ob er für ein Ligaspiel dieses Gesundheitsrisiko eingehen soll.“ All diese Schwierigkeiten sieht Krafft auf das Oberligateam der SG Volkmarsen/Bad Arolsen zu kommen, dem er ebenfalls angehört. Allerdings rechnet er damit, dass auch der Deutschen Badmintonverband die Saison nicht fortführen wird.

Dafür plädiert auch Rainer Deutsch, Leiter der Badminton-Abteilung im TVV. „Es ist richtig, wenn der Verband relativ frühzeitig sagt, wo es lang geht, aber er hat nicht alles selbst in der Hand.“ Wenn der Verband im Februar sagen würde, die Liga gehe weiter, könnte es sein, dass nicht jede Hallen wieder offen sei, betont Deutsch, der auch darauf hinweist, dass die Spieler schon einige Wochen Vorbereitung benötigten, bevor sie die Saison fortsetzen könnten.

Wohl dem, der noch ein Spielfeld hat. Während die Volkmarser zumindest ihren Trainingsablauf normal gestalten könnten, sobald sich die Hallenpforten wieder öffnen, stehen die Badmintonspielerinnen und -spieler des TSV Korbach vor verschlossener Tür. Ihre Trainingsfläche in der großen Hauerhalle wurde vom Landkreis mindestens bis August zum Impfzentrum umfunktioniert.

Kein Problem möchte man meinen, die Badmintonspieler können ja auch noch in die Kreisporthalle oder die Berufsschulhalle ausweichen. Doch diese scheinbar einfache Alternativlösung hat einen Haken. „Beide Hallen sind für Ligaspiele zu klein“, betont Dankwart Terörde, Leiter der TSV Badminton-Abteilung. In beiden Gebäuden seien zwar neun Spielfelder eingezeichnet, aber in der Berufschulhalle könnte man für die Liga nur zwei davon nutzen und in der Kreissporthalle kein einziges, denn dort fehlten in der Länge und Breite zwei Meter.

Abteilungsleiter TSV Korbach: Dankwart Terörde.

Zwei ligataugliche Spielfelder, gingen zu Not für ein Team, aber der TSV haben fünf Mannschaften. „Zum Training könnte man sich zwar darauf einlassen, aber auch nicht über einen längeren Zeitraum“, sagt Terörde. Falls die Hauerhalle länger als bislang vorgesehen ein Impfzentrum bleibt, ist auch der Start in die neue Saison für die TSV-Teams ungewiss.

„Ich kann mir heute noch nicht vorstellen, dass wir unsere Heimspiel in Bad Arolsen austragen“, sagt Terörde, der sich auch auf die Aussage des Sportkreises beruft: Wir finden immer eine Lösung.

Für den TSV-Abteilungsleiter ist der frühe Saisonabbruch seitens des Hessischen Verbands keine Überraschung. „Er ist das logischste und konsequenteste bei all den unterschiedlichen Situationen.“

Es gibt Spielerinnnen und Spieler, die haben aus Gewohnheit weitergemacht – nun kommt diese lange Corona-Pause, in der sie plötzlich feststellen, ohne Sport ist es besser.

Dankwart Terörde

Diese lange Auszeit birgt für den pensionierten Pädagogen einige Gefahren für den Badmintonsport. Er befürchtet, dass Mannschaften, die mit größerem Aufwand vor der Saison noch zusammengekommen sind, nun auseinanderfallen könnten. Teams mit vielen Studenten oder Auswärtigen, die noch mal überredet worden seien, aber nun den Lockdown zum Absprung nutzten. Das mehrmonatige Aus für den Sport ermögliche auch mehr Zeit zum Nachdenken. Da gebe es bestimmt auch Spielerinnen und Spieler, die seien von Kindesbeinen an beim Badminton und hätten den Sport stets mit Studium, Beruf, Familie oder gar Hausbau verknüpft. „Das ist aufwendig, aber sie haben aus Gewohnheit weitergemacht – nun kommt die lange Corona-Pause, in der sie plötzlich feststellen, ohne Sport ist es besser.“

Auch langjährige Trainer oder Betreuer, die aus Altersgründen ihren den Absprung planen, aber bisher stets verschoben haben, könnte Corona zum Aufhören bringen. Terörde ist auch besorgt darüber, ob „wir alle Breitensportler wieder einfangen können“. (rsm)

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