Frankenberger Profi-Spielerin auf Heimatbesuch

Sarah Schneider: Beachvolleyball-Profi statt Popstar

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Blick zurück in der Heimat: Sarah Schneider zeigt auf ihren Namen, den sie zu Grundschulzeiten an die Hauswand der Gaststätte ih rer Eltern geschrieben hat. 

Frankenberg – Sie spielt beinahe überall in der Welt Beachvolleyball. Aber zu Hause ist es doch am schönsten für Sarah Schneider. Die Frankenbergerin zeigte uns ihr Zuhause und verriet uns ihre Pläne für die Zukunft.

Kuala Lumpur, Sydney, Tokio – Beachvolleyballerin Sarah Schneider ist während ihrer Karriere schon viel herumgekommen, aber: „Wenn ich das Ortsschild von Frankenberg sehe, ist das ein ganz besonderes Gefühl.“ S

chließlich ist die 1,85 Meter große Abwehrspielerin dort aufgewachsen. „Das ist meine Heimat. Irgendwann möchte ich wieder zurückkommen, mit eigenem Haus und Garten. Auf Dauer in einer Großstadt zu leben, das kann ich mir nicht vorstellen.“

Seit einem Jahr wohnt die 23-Jährige in Hamburg, nach Stationen in Kiel und Berlin, und schafft es nur noch selten nach Hause – auch wenn ihr altes Kinderzimmer jederzeit für sie parat steht. „Mittlerweile ist’s zwar mehr zum Entrümpelungszimmer geworden, das Bett ist aber immer frei“, schmunzelt sie. Und klar, dass Familie und Freunde an erster Stelle stehen, wenn sie dann für ein paar Tage in der Heimat ist.

Ein Schriftzug an der Hauswand

Dass Sarah Schneider mehr oder weniger in einer Kneipe groß geworden ist, daraus macht sie keinen Hehl. „Meine Kindheit habe ich auf unserem Hof und in der Kneipe verbracht.“ 

An der Hauswand der Gaststätte „Zur Post“, die ihren Großeltern gehörte, ist noch mit Kreide der Name Sarah in Großbuchstaben zu lesen. „Das hat meine Tochter zu Grundschulzeiten mal an die Wand geschrieben“, sagt Meta Schneider.

Nein zu Tennis und Voltigieren

Nicht weit weg von der Kneipe ihrer Eltern, genau gegenüber auf dem Hof, hat sie immer Volleyball und Tennis gespielt. Bis sie sich schließlich im Alter von acht Jahren beim Volleyballverein in Frankenberg anmeldete. 

Warum die Wahl gerade auf Volleyball fiel? „Irgendwann musste ich mich entscheiden, und (Beach-)Volleyball hat mir einfach mehr Spaß gemacht.“ Auch im Voltigieren hat sie sich versucht. „Aber das war nichts für mich. Ich wurde sogar mal von einem Pferd gebissen.“

Bei der Bundeswehr angestellt

Mittlerweile verdient Schneider ihr Geld mit dem Volleyballspielen. Angestellt ist sie bei der Bundeswehr; im November steht der Feldwebelanwärter-Lehrgang an. Nebenbei studiert sie an der Hochschule in Ansbach Internationales Management. 

Zu Grundschulzeiten wollte sie allerdings Popstar werden. „Ich singe auch immer noch für mein Leben gern und mache damit alle verrückt.“ Sie mag alles bis auf Heavy Metal, so Schneider: „Darin liegt auch das Problem. Mein Freund hört das gern, schrecklich.“ Mit Markus Raue ist die 23-Jährige seit zwei Jahren zusammen, beide wohnen in Hamburg.

Viel Zeit, um die Stadt zu erkunden, bleibt ihr neben dem Training und den Lehrgängen allerdings nicht. Und wenn, dann trifft sie sich in ihrer Freizeit auch lieber mit Freunden auf Kaffee und Kuchen. „Da wird über das Leben und die Karriere philosophiert“, sagt Schneider.

Ziel: Olympia 2024

Dann kreisen die Gedanken sicher auch immer mal Richtung 2024. Die Olympischen Spiele in fünf Jahren in Paris sind Schneiders großes Ziel. „Da möchte ich auf jeden Fall dabei sein und am liebsten mit einer Medaille zurückkommen.“

Der erste Schritt auf dem Weg sind 2020 die Europameisterschaften. Außerdem steht auch der Beachcup in Frankenberg an. „Das wird immer schwieriger für mich, daran teilzunehmen. Auch wenn dort alles angefangen hat. Auf dem Obermarkt habe ich schon gegen Chantal Laboureur (Anmerkung der Redaktion: Beachvolleyballerin des Jahres 2018) gespielt und auch Kira Walkenhorst (Olympiasiegerin von 2016) war schon da.“

Und wenn es mit der Profikarriere doch nicht klappt? „Dann werde ich schon etwas anderes finden, da mache ich mir keine Sorgen. Surfen im Sommer und Snowboarden im Winter, das würde mir als Job auch gefallen.“

Zur Person

Sarah Schneider (23) hat im Alter von acht Jahren mit dem Volleyballspielen begonnen. Im Beachvolleyball wurde sie 2012 und 2013 U18-Vize-Europameisterin, 2014 U19-Vize-Weltmeisterin und gewann im selben Jahr bei den Olympischen Jugendspielen die Bronze-Medaille. 

2018 gewann sie insgesamt vier Turniere (zwei Mal Techniker Beach-Tour, zwei Mal FIVB-World-Tour). Bei der WM 2019 in Hamburg zog sie mit ihrer Partnerin Leonie Körtzinger in die Hauptrunde ein und verpasste den Einzug ins Achtelfinale nur knapp. (frg)

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